Testspielgegner am Dienstag: Der SSV Reutlingen
01.01.70

Das Stadion an der Kreuzeiche wird am Dienstagabend Austragungsort der Partie sein
Profis
Donnerstag, 01.01.1970 / 01:00 Uhr
Werders Vorbereitung 2010/2011 nimmt langsam Fahrt auf. Nachdem die ersten drei Testspiele absolviert wurden, wartet nun der SSV Reutlingen auf die Grün-Weißen. WERDER.DE stellt den Testspielgegner der Partie am Dienstagabend vor.
Der Verein:
Der Sport- und Schwimmverein Reutlingen wurde 1905 als "FC Arminia Reutlingen 1905" gegründet und bereits 1910 in SV Reutlingen 05 umbenannt. Nach einer Fusion des SV 1905 mit dem 1. Schwimmverein 1911 entstand 1938 der SSV Reutlingen 05. Zu den größten sportlicher Erfolgen des Fußballvereins zählen neben zwei deutschen Amateurmeistertiteln die Vizemeisterschaft der Oberliga Süd 1954/55 (damals die höchste deutsche Spielklasse) und ein siebter Tabellenplatz in der 2.Bundesliga 2000/2001. Heute zählt der Verein 1.600 Mitglieder, neben der Fußballabteilung sind auch die Sportarten Boxen, Tennis, Versehrtensport, Freizeitsport, Schwimmen und Tischtennis im Angebot zu finden.
Die Vergangenheit:
Ein Traditionsverein, der mit der Insolvenz zu kämpfen hat: Der SSV Reutlingen
Nach dem zweiten Weltkrieg spielte der SSV Reutlingen in der Oberliga Süd, der damals höchsten deutschen Spielklasse. In der Saison 1954/55 wurde man Vizemeister der Oberliga Süd und qualifizierte sich damit zur Endrunde um die deutsche Meisterschaft, bei der man zweimal verlor und damit frühzeitig ausschied. Aufgrund der Auflösung der Oberliga Süd zwecks Einführung der Fußballbundesliga spielte der SSV Reutlingen in der Regionalliga Süd. Hier gelang in der zweiten Saison 1964/65 die Vizemeisterschaft hinter dem FC Bayern München. In der Aufstiegsrunde wurde man Tabellenzweiter hinter Borussia Mönchengladbach und verpasste damit den Aufstieg in die Fußballbundesliga.
In den folgenden Jahrzehnten zählte der SSV Reutlingen zumeist zu der Spitzengruppe der jeweils höchsten deutschen Amateurligen. Als amtierender Deutscher Amateurmeister (1974) gelang in der Saison 1975/76 der Aufstieg in die Zweite Bundesliga Süd, allerdings schloss Reutlinger die Spielzeit als abgeschlagener Tabellenletzter ab. Die nächste Amateurmeisterschaft holte der SSV 1997 als Vertreter der Regionalliga Süd gegen Hannover 96. Der zweite Gewinn markierte das Ende einer Durststrecke, in der sich der SSV zwar zweimal (1989 und 1992) als Meister der Oberliga Baden-Württemberg in den Aufstiegsrunden mit den Vertretern aus Hessen und Bayern messen konnte, die Qualifikation für die zweite Liga aber jeweils verpasste. Erst 1999/2000 gelang mit dem damaligen Trainer Armin Veh der Aufstieg aus der Regionalliga Süd, welcher der SSV ab 1994 angehört hatte.
Die erste Saison als Aufsteiger lief sehr gut, lange Zeit kämpften die Reutlinger sogar um einen der drei Aufstiegsplätze zur 1. Bundesliga mit und schlossen die Saison als Tabellensiebter ab. Während der folgenden Saison 2001/02, in welcher der spätere Stuttgarter Meister-Trainer Veh die Reutlinger nach dem 16. Spieltag in Richtung Hansa Rostock verließ, wurde der Verein aufgrund eines Verstoßes gegen die Lizenzauflagen mit einem Abzug von sechs Punkten für die folgende Spielzeit bedacht. Ohne diesen Abzug hätten die sportlich erreichten 39 Punkte erneut für den Klassenerhalt gereicht, doch mit den offiziellen 33 Punkten stieg der SSV als Tabellen-16. ab.
Beim anschließenden Lizenzierungsverfahren für die folgende Saison verweigerte der DFB dem Absteiger die Lizenz für die Regionalliga, ein kompletter Umbruch des Kaders musste vollzogen werden. Der Beginn der ersten Oberliga-Saison (2003/04) verlief entsprechend schwierig, aber zwei Spielzeiten später (2005/2006) errang die Mannschaft den Meistertitel in der Oberliga und schaffte die Rückkehr in die Regionalliga Süd. Dort kämpfte man in der Saison 2007/2008 um einen Platz unter den ersten 10 der Liga, welcher die Qualifikation für die neue 3. Liga bedeutet hätte. Diese wurde jedoch mit dem 12. Platz verpasst, weshalb der SSV ab der Saison 2008/2009 erneut in der Regionalliga Süd spielte.
Die Gegenwart
Der spätere Meistertrainer Armin Veh war zwischen 1998 und 2001 SSV-Coach
Nachdem der SSV Reutlingen im November 2009 einen Gesamtschuldenstand von über vier Millionen Euro bekanntgegeben hatte, meldete er im März 2010 Insolvenz an. Die Spielzeit 2010/2011 startet der Verein deshalb in der Oberliga Baden-Württemberg, obwohl er sportlich gesehen mit dem 14.Platz den Klassenerhalt in der Regionalliga Süd geschafft hätte.
Aufgrund der Insolvenz und des freiwilligen Rückzugs musste der SSV fast seinen kompletten Kader austauschen und steht nun vor einem Neuanfang in der Oberliga Baden-Württemberg. Die finanziellen Mittel sind stark begrenzt, und so bleibt es abzuwarten, ob dem Verein kurzfristig die Rückkehr in eine höherklassige Liga gelingt.
Der Kader
Die Mehrzahl der aktuellen Spieler hat Verbands- und Oberligaerfahrung, nur wenige Akteure waren bereits in der Regionalliga aktiv. Lediglich die "SSV-Urgesteine" Andreas Rill und Manuel Waidmann blieben als Stammspieler aus der letztjährigen Mannschaft übrig. Mit einer jungen und hungrigen Mannschaft will man sich nun in der kommenden Saison in der Oberliga nach oben kämpfen.
Der Trainer:
Auch der ehemalige Bundesligaprofi Roland Seitz hat den SSV Reutlingen im Zuge der Insolvenz verlassen, Lothar Mattner ist seit diesem Sommer sein Nachfolger als Cheftrainer. Zuvor hatte der 45-jährige, der neben seiner Tätigkeit als Fußballlehrer auch eine Szenekneipe in Leonberg betreibt, die Geschicke des Oberligisten Normannia Gmünd geleitet. Die Verpflichtung sei "auf Langfristigkeit angelegt", teilte der Verein mit. Der neue Übungsleiter freute sich im Vorfeld des Partie bereits auf das Aufeinandertreffen mit Bremen: „Werder-Trainer Thomas Schaaf lässt attraktiven Angriffsfußball spielen, das machen wir auch“, teilte er auf einer Pressekonferenz mit.
Die Bilanz gegen Werder:
Bisher ist es noch zu keinem Aufeinandertreffen der beiden Vereine in Liga- oder Pokalwettbewerben gekommen.
Informationen für Fans:
Die Partie wird im Reutlinger "Stadion an der Kreuzeiche" ausgetragen und von der TARGOBANK gesponsort. Pro verkaufter Eintrittskarte gibt der Sponsor 50 Cent an das gemeinnützige Projekt „Frühchen“, bislang seien etwa 2000 Karten verkauft worden. Insgesamt fasst die Spielstätte 15.228 Zuschauer, es dürfte also noch ausreichend Tickets verfügbar sein. Stehplatztickets werden dabei ab 7 EURO angeboten, Sitzplätze sind ab 10 EURO (7 – 12 Jahre) beziehungsweise 15 EURO zu kaufen. Weitere Informationen zu den Tickets gibt es im Internet .
Die Höhepunkte der Partie sind ab Mittwoch bei WERDER.TV in der Zusammenfassung zu sehen. Darüber hinaus bietet WERDER.DE wie gewohnt einen Live-Ticker zum Spiel an.
Vorbericht von Paul Hüsing
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