Deutlicher 3:0-Erfolg - Werder revangiert sich gegen Inter
08.12.10

Einer der auffälligsten Werder-Akteure am Dienstagabend im Weser-Stadion: Mittelfeldmann Aaron Hunt.
Profis
Mittwoch, 08.12.2010 / 23:01 Uhr
Werder Bremen hat sich im letzten Gruppenspiel der UEFA Champions League mit einem verdienten 3:0-Sieg gegen Triple-Sieger Inter Mailand durchgesetzt. Die Tore für die Grün-Weißen erzielten in der ersten Halbzeit Sebastian Prödl (39.) und nach der Pause Marko Arnautovic (49.) und Claudio Pizarro (88.). In einer zunächst höhepunktarmen Partie, waren es die Mannen von Cheftrainer Thomas Schaaf, die mit zunehmender Spieldauer den Druck erhöhten und sich zahlreiche Chancen erspielten. Mailand merkte man an, dass sie bereits vor dem Spiel für das Achtelfinale qualifiziert waren. Dementsprechend geringen Aufwand betrieben die Italiener in den kompletten 90 Minuten. Besonders in der zweiten Halbzeit wussten die Norddeutschen mit schönen Kombinationen und toll herausgespielten Toren zu überzeugen.
Der Jubilar gratuliert dem Torschützen: Clemens Fritz ist einer der ersten, der mit Sebastian Prödl den Führungstreffer bejubelt.
Vorsichtiges Abtasten - wenig Höhepunkte zu Beginn
Gegenüber dem 0:0-Unentschieden in Wolfsburg veränderte Cheftrainer Thomas Schaaf seine Formation auf nur einer Position. Für den defensiven Mittelfeldspieler Philipp Bargfrede durfte der in der Bundesliga gesperrte Hugo Almeida im Sturmzentrum von Beginn an ran. Das Spiel begann ohne große Höhepunkte. Beide Mannschaften konzentrierten sich zunächst auf die Defensivarbeit, ohne gefährlich vor dem gegnerischen Tor aufzutauchen. Es dauerte knapp 20 Minuten, ehe Inters Thiago Motta es mit einem Distanzschuss versuchte, wobei Wiese jedoch nicht eingreifen musste. Im Gegenzug hatte Frings Orlandoni vor eine erste Probe gestellt. Sein Fernschuss fing Inters Schlussmann jedoch ohne große Schwierigkeiten ab. Knapp zehn Minuten später blieb Aaron Hunt mit einem Schuss aus 17 Metern in Mailands Hintermannschaft hängen, der Ball trudelte zur Ecke. Werder nahm an Fahrt auf, die Partie wurde abwechslungsreicher. Die bis dato größte Chance die Grün-Weißen in Führung zu schießen, hatte wenig später Hugo Almeida. Eine schön getretene Flanke von Hunt stoppte der Portugiese mit der Brust und zwang Orlandoni zu einer Glanztat aus kurzer Distanz. Die darauf folgende Ecke brachte nichts ein. Erneut war es Hunt, der kurze Zeit später für Torgefahr sorgte. Seine Hereingabe konnte Esteban Cambiasso noch gerade zur Ecke bugsieren.
Eine Standard-Situation bringt den Erfolg
Endlich war mehr Tempo in der Partie, die Zuschauer kamen auf ihre Kosten. Inter beschränkte sich einzig auf die Defensivarbeit, nach vorne ging bei den Italienern so gut wie gar nichts. Folglich kam es nach 39 Minuten wie es kommen musste. Nach einer Ecke von Werder-Kapitän Torsten Frings, konnte Sebastian Prödl seine Kopfballstärke gekonnt ausspielen und traf zum verdienten 1:0. Cordoba fälschte den Ball noch leicht ab, so dass das Leder aus acht Metern unhaltbar hinter Orlandoni einschlug. Inter wirkte verunsichert, leistete sich in der Hintermannschaft zahlreiche Schnitzer. Werder hingegen blieb dran, setzte die Italiener zunehmend unter Druck und konnte durch Arnautovic kurz vor der Pause fast noch erhöhen. Sein Absatzkick nach Marins Hereingabe parierte der Inter-Schlussmann jedoch sicher.
Torschützen unter sich: Treffsicher und bestens aufgelegt präsentierten sich Marko Arnautovic und Claudio Pizarro.
Volles Engagement wird mit Toren belohnt
Mit einem Paukenschlag begannen die Grün-Weißen den zweiten Durchgang. Almeidas Flanke aufs kurze Eck, nahm Ex-Mailänder Marko Arnautovic volley und zimmerte das Leder aus kurzer Distanz zum 2:0 ins Netz (49.). Werder hatte die Italiener kalt erwischt. Knapp eine Stunde war gespielt, ehe es zunächst Prödl und wenig später auch Geburtstagskind Clemens Fritz mit Schüssen aus der zweiten Reihe probierten – jedoch ohne Erfolg. Bremen spielte forsch, attackierte die Italiener früh und zeigte zunehmend schöne Ballstafetten. Arnautovic verpasste die Vorentscheidung nach knapp 63 Minuten nur knapp. Eine gut getimte Flanke von Rechtsverteidiger Dominik Schmidt hatte der 21-Jährige aus gut 6 Metern über den Kasten geköpft. Werder hatte das Spiel zu diesem Zeitpunkt fest im Griff. Wie aus dem Nichts hätten die Mailänder kurz darauf noch einmal für Spannung sorgen können. Pandevs Flanke köpfte Jonathan Biabiany an den Innenpfosten des Werder-Gehäuses. Wiese rettete im Nachfassen gegen die heranstürmenden Angreifer der Benitez-Elf. Spätestens eine viertel Stunde vor Schluss hätte der agile Aaron Hunt alles klarmachen müssen. Nach einer tollen Kombination mit Marko Marin scheiterte der Mittelfeldmann jedoch freistehend am herausstürmenden Orlandoni. Auf der Gegenseite parierte Wiese einen Schuss von Inters Pandev glänzend. Die eisigen Temperaturen im Weser-Stadion waren vergessen, das Spiel erwärmte die Herzen des Bremer Publikums.
Aluminium-Treffer verhindern Tor-Festival
Der Pfosten verhinderte gut zehn Minuten vor Schluss erneut eine deutlichere Führung der Werderaner. Ein aus dem Halbfeld getretener Freistoß von Aaron Hunt fand den Kopf von Per Mertesacker - Dessen zu platziert gesetzter Kopfstoß landete jedoch "nur" am Aluminium des Mailänder Gehäuses. Nur zwei Minuten später rettete erneut das Gestänge des Gäste-Tores einen höheren Rückstand. Die scharf getretene Hereingabe von Dominik Schmidt, knalle Hunt mit Hilfe eines gegnerischen Abwehbeins an die Latte (82.). Jetzt drängte die Schaaf-Elf auf das dritte Tor - was schließlich der eingewechselte Claudio Pizarro mit seinem Treffer zum 3:0-Endstand besorgte. Einen Querpass von Fritz nahm der Peruaner klasse an und schoss die Kugel aus 20 Metern platziert ins linke Eck. Diesmal prallte das Leder vom Innenpfosten ins Tor der Gäste. Noch einmal musste Wiese tief durchatmen als Pandev aus gut 14 Metern in der Schlussminute nur den Pfosten anvisierte. Am Ende gewann Werder auch in der Höhe verdient gegen wenig zum Spiel beitragende Italiener, die zu keinem Zeitpunkt die Bremer Hintermannschaft vor ernsthafte Schwierigkeiten stellen konnten. Mit dem nötigen Rückenwind aus der letzten Champions-League-Partie in dieser Saison, reisen die Bremer am kommenden Samstag zum Spitzenreiter der Fußball-Bundesliga nach Dortmund.
Marco Niesner
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