Werder verliert 0:2 nach Doppelschlag in der Schlussphase

01.01.70

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Hugo Almeida kann es nicht fassen - seine große Kopfballchancezur Führung hat Twentes Schlussmann Mihajlov vereitelt.

Profis

Donnerstag, 01.01.1970 / 01:00 Uhr

Ein herber Rückschlag. Werder Bremen hat sein Heimspiel des vierten Spieltags der Champions League gegen Twente Enschede durch einen Doppelschlag in der Schlussphase mit 0:2 (0:0) verloren und bleibt weiter Tabellenletzter der Gruppe A. In einer von beiden Kontrahenten intensiv geführten Partie waren die Grün-Weißen lange dominant und besaßen zum Teil klarste Möglichkeiten, konnten diese Vorteile jedoch nicht in eigene Tore ummünzen. Dies gelang dagegen dem ebenfalls stets gefährlichen amtierenden Meister aus den Niederlanden. Die Treffer von Nacer Chadli (81.) und Luuk de Jong (84.) besiegelten binnen nur drei Minuten Werders zweite Niederlage im laufenden Wettbewerb.

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Bryn Ruiz - hier bewachte von Daniel Jensen - war Dreh- und Angelpunkt in Twentes Spiel.

Neuformiert, zielstrebig, angriffslustig

Cheftrainer Thomas Schaaf überraschte mit einer personell neuformierten Viererkette. Sebastian Prödl begann auf der rechten Außenseite, Wesley berannte die gegenüberliegende linke Seite. Derweil bildeten Per Mertesacker und Kapitän Torsten Frings erstmals gemeinsam die Innenverteidigung. Die im Mittelfeld frei gewordenen Positionen übernahmen Daniel Jensen und Philipp Bargfrede. Diese ungewohnt formierte Werder-Elf begann erheblich zielstrebig und angriffslustig. Allen voran Dauerläufer Wesley, dessen Offensivdribblings nach innen samt Abschluss aus der zweiten Reihe vorbei flogen oder von Mihajlov sicher pariert wurden (1., 10.). Nur ließen sich auch die Gäste in keinster Weise von der Versuchung abbringen, - vornehmlich über Konter - eigene kreuzgefährliche Angriffssituationen heraufzubeschwören. Sebastian Mielitz wusste bei de Jongs großer Kopfballchance durch Aufmerksamkeit und Fangsicherheit zu gefallen (13.).

Seinem Keeper vorauseilend zur Hilfe kam nur drei Minuten darauf Wesley. Mit einer tollen Defensivaktion hielt er im letzten Augenblick den auf direkten Torweg befindlichen Marc Janko auf. Jankos Angriffspartner Nacer Chadli hingegen probierte es nahe der Grundlinie mit einem listigen Schlenzer, der sein Ziel nur unweit verfehlte (28.). Ebenso knapp zischte im Gegenzug Aaron Hunts Versuch aus gut 20 Metern über die Latte. Die Bremer Spielanteils-Überlegenheit brachte Twente vor allem gegen Ende des ersten Durchgangs mehr und mehr in Verlegenheit.

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Torsten Frings verließ nach seinem Platzverweis gesenkten Kopfes das Feld. Thomas Schaaf fühlt mit seinem Kapitän.

Erst segelte Hugo Almeida Zentimeter an Marins-Eingabe vorbei, nur Augenblicke später verarbeitete Claudo Pizarro Hunts Vorbereitung grandios zu seinen Gunsten, traf jedoch aus halbrechter Position leider nur den Pfosten; wiederum Almeida misslang der mögliche Abstauber. Zwei aussichtsreiche Kopfballchancen vor beiden Toren (Chadli für Twente, Jensen für Werder) beendeten eine temporeiche, rassige und mitreißende Halbzeit.

Claudio Pizarro trifft nur den Pfosten, Almeida köpft aus drei Metern Mihajlov an

Die Partie verlor auch nach Wiederanpfiff keinerlei Charakterzüge des bis dato schon betriebenen offenen Schlagabtauschs. Sebastian Mielitz konnte sich wiederum auszeichnen, indem er Chadlis Seitfallzieher reaktionsschnell abwehrte, genauso wie auch Mihajlov wiederholt gegen einen Wesley-Schuss die probate Lösung fand (48./49.). Zudem durfte sich Twentes bulgarischer Torhüter in der 52. Minute noch unversehens zur absolut richtigen Zeit am richtigen Ort aufhalten, um Almeidas freien Kopfball aus drei Metern auf der Linie an den Körper zu bekommen, statt hinter sich greifen zu müssen. Auch 180 Sekunden später stibitzte Mihaijlov abermals Werders Portugiesen den Ball vom Fuß, da dieser gerade im Begriff war, ihn im Strafraum zu umspielen. Und Twentes Antwort? Folgte prompt!

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Am Ende bejubelte Luuk de Jong das endgültig entscheidende 2:0.

Ein toll gespielter Ball von Ruiz erreichte erst Chadli - und endete am linken Pfosten des Werder-Gehäuses. Gerade stand dann die Schlussviertelstunde unmittelbar bevor, als sich der unermüdliche Wesley ein weiteres Mal ein Herz fasste und von der Strafraumgrenze wiederkehrend ganz knapp verzog (73.).

Frings sieht die Rote Karte - Twente nutzt gnadenlos die Lücken aus

Sowohl Werders Elf als auch die elf Konkurrenten im Twente-Dress betrieben rastlos einen Riesenaufwand, bestachen durch viel Offensivgeist und einen noch größeren Willen - allerdings, es fehlte ein Tor. Das verhinderte dann womöglich Torsten Frings, nur musste er für diese eminent wichtige Rettungstat die schwerstmögliche Sanktion in Kauf nehmen. Bryan Ruiz war nach Hackenmitnahme allein durch, Frings unterband das Solo per Trikotziehen und kassierte die Rote Karte (75.). Enschede witterte Lücken aufgrund Werders Unterzahl und nutzte den erstbesten Lapsus der Gastgeber gnadenlos aus. Wesley verlor im Vorwärtsdrang am gegnerischen Strafraum die Kugel an Schimpelsberger, der schaltete blitzschnell, legte zu Nacer Chadli - am bitteren Ende dieses Konters fälschte Daniel Jensen Chadlis Abschlusshandlung unhaltbar für Mielitz ab (81.). Davon sollten sich die Grün-Weißen nicht mehr erholen. Vielmehr mussten sie sogar noch den zweiten Gegentreffer hinnehmen, da Ruiz‘ Flanke von links Luuk de Jong fand und der einköpfen konnte (84.).

von Maximilian Hendel