Torsten Frings: "Trainer, ich hätte genauso entschieden"
26.06.08

Bundestrainer Joachim Löw gibt Torsten Frings kurz vor dessen Einwechslung letzte Instruktionen.
Profis
Donnerstag, 26.06.2008 / 16:25 Uhr
Spielt Werders Antreiber Torsten Frings von Beginn an, oder spielt er nicht? Es wurde viel gemunkelt und interpretiert in den Tagen vor dem Halbfinalspiel der EURO 2008 am Mittwoch zwischen Deutschland und der Türkei.
Letztendlich entschied sich Bundestrainer Joachim Löw gegen den Einsatz von Frings in der Startformation. Auf der DFB-Pressekonferenz in Tenero am Donnerstagmittag begründete Löw noch einmal seine Entscheidung: "Mit so einem Rippenanbruch ist nicht zu spaßen und ob er über 90 Minuten hätten bestehen können, das wusste man anfangs nicht so genau", sagte der 48-Jährige.
Mehr als eine Woche kämpfte der Angeschlagene für seine Genesung, sogar ein extra Karbonprotektor für den Bauch- und Brustbereich war angefertigt worden. Wie groß die Enttäuschung des Bremers in den ersten Augenblicken gewesen sein muss, nachdem er nicht für die Anfangsformation vorgesehen war, ließ Löw im Rückblick auch anklingen: "Gestern, als ich mit ihm vor dem Spiel gesprochen habe, war er natürlich sehr enttäuscht, und wenn man Torsten Frings kennt, weiß man das auch", vor allem "hat er schon einmal in einem Halbfinale gefehlt." Bei der WM 2006 war er durch seine überragenden Leistungen maßgeblich am Halbfinaleinzug der Deutschen Mannschaft beteiligt, musste gegen Italien jedoch aufgrund einer Sperre passen.
Doch dann berichtete Joachim Löw noch von einer Situation, die sich kurz nach der negativen Mitteilung des Bundestrainers an Frings abspielte. "Torsten hat nach unserem Gespräch noch einmal bei mir an die Tür geklopft und hat gesagt: 'Trainer, ich hätte genauso entschieden, wenn ich Trainer gewesen wäre. Ich bin im Moment vielleicht nur 90- bis 95 Prozent fit, bin vielleicht sogar besser, wenn ich erst in der zweiten Halbzeit komme, nicht über 90 Minuten gehen muss und der Mannschaft in der entscheidenen Phasen helfen kann'", verriet Löw und fügte lobend an: "Dass er so eine Reaktion gezeigt hat, ist charakterlich unglaublich stark, zeigt wahre Größe, zeigt den Führungsspieler Torsten Frings. Das finde ich klasse."
Aber nicht nur neben dem Platz übernahm Werders Vize-Kapitän Verantwortung, auch auf dem Platz. Denn da der Leverkusener Simon Rolfes nach einem Zusammenprall, und mit sechs Stichen genäht, zur Halbzeit verletzungsbedingt in der Kabine bleiben musste, nahm Frings dessen Platz im defensiven Mittelfeld ein. Er habe seine Aufgabe in der zweiten Spielhälfte wie gewohnt gut ausgeführt, urteilte Joachim Löw und richtete seinen Blick bereits voraus: "Er hat jetzt noch 3 Tage Zeit, um sich auf das Finale vorzubereiten." Denn da braucht die DFB-Elf ihren Leistungsträger Torsten Frings.
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