"Du strebst danach, etwas für die Ewigkeit zu schaffen"

Tim Borowski erinnert sich im Interview an den DFB-Pokalsieg 2004

Tim Borowski jubelt mit Paul Stalteri und Frank Baumann.
Tim Borowski traf im Pokalfinale 2004 gegen Aachen doppelt (Foto: nordphoto).
Alemannia Aachen
Mittwoch, 29.05.2024 / 12:00 Uhr

Das Interview führte Moritz Studer

Seit der Einführung der Fußball-Bundesliga gab es nur fünf Mannschaften, die das Double aus Meisterschaft und DFB-Pokal in einer Spielzeit geholt haben. Daher ist dem SV Werder und der Mannschaft von Trainer Thomas Schaaf in der Saison 2003/04 zweifellos etwas ganz Besonderes geglückt. Nachdem die Meisterschaft mit dem legendären Auswärtssieg in München bereits feststand, bezwangen die Grün-Weißen auf den Tag vor 20 Jahren Alemannia Aachen im DFB-Pokalfinale mit 3:2. Im WERDER.DE-Interview erinnert sich Tim Borowski an ein besonderes Fußballspiel.

WERDER.DE: Moin Tim, am Wochenende hat Bayer 04 Leverkusen als Meister im Pokalfinale gegen Zweitligist Kaiserslautern als fünfter Klub das Double gewonnen. Inwiefern hast du dich am Samstagabend an euren DFB-Pokalsieg 2004 zurückerinnert?

Tim Borowski: Im Grunde gibt es vom Gefühl her relativ viele Parallelen. Wir haben mit Blick auf die fußballerische Qualität damals auch eine sehr starke Saison gespielt und sind dann im Pokal auf einen Zweitligisten getroffen. Wir haben im Finale nicht unseren besten Fußball gezeigt und Aachen hat uns das Leben echt schwer gemacht. Die Tore haben wir in den richtigen Momenten erzielt und sind in einem durchschnittlichen Spiel von unserer Seite als verdienter Sieger vom Platz gegangen. In der Nachbetrachtung hätte es aber auch kein viel stärkerer Gegner sein dürfen.

WERDER.DE: Weil die Spannung nach der Meisterschaft ein wenig abgefallen ist?

Tim Borowski: Der Fokus lag total auf dem Meistertitel. Nachdem wir in München gewonnen haben, waren die Spiele danach von den Ergebnissen und der Leistung nicht mehr gut. Auch wenn du es in dem Moment nicht wahrhaben willst, ist ein Spannungsabfall zu spüren gewesen. Spätestens als Thomas Schaaf in der Woche vor dem Finale einen Laktattest angesetzt hat, war allerdings jedem klar, dass es noch um das historische Double geht. Das war ein cleverer Schachzug und ein kleiner von vielen wichtigen Bausteinen.

WERDER.DE: Genau wie Leverkusen wart auch ihr damals gegen Alemannia Aachen der klare Favorit. Dass der Gegner nicht zu verlieren hat, hat die Situation für euch sicherlich erschwert.

Tim Borowski: Grundsätzlich wäre ich bei dir, aber nicht in dieser Saison. Wir haben in den Runden davor gegen Fürth und Lübeck schon gezeigt, dass wir einen Zweitligisten nicht unterschätzen. Wir sind davon ausgegangen, dass es die Jungs uns schwer machen. Den Druck, dass wir der Favorit sind, haben wir uns auch in den Folgejahren nie gemacht. Wir haben uns immer nur die Frage gestellt, wie wir gegen den nächsten Gegner bestehen – egal ob dieser FC Barcelona oder Alemannia Aachen hieß.

WERDER.DE: Du warst damals mit einem Doppelpack der Matchwinner für den SVW. Wie fühlt es sich 20 Jahre später an, auch als Torschütze grün-weiße Vereinsgeschichte geschrieben zu haben?

Tim Borowski: Mir ist wichtig zu betonen, dass ich in diesem Interview nur stellvertretend für eine ganze Mannschaft spreche. Dieser Tag bedeutet mir persönlich nicht nur wegen der beiden Tore, sondern auch wegen des Spielverlaufs, der Emotionen und der vielen Bilder sehr viel. Als Leistungssportler strebst du genau danach, etwas für die Ewigkeit zu schaffen.

WERDER.DE: Du bist in deiner Karriere zwei Mal in den Genuss gekommen, in Berlin ein Pokalendspiel zu bestreiten. Was macht den besonderen Charme am Finale im Olympiastadion aus?

Tim Borowski: Das Stadion ist perfekt für dieses Ereignis, das Wetter ist häufig überragend und die Fans feiern meistens schon ein, zwei Tage vorher in der Stadt miteinander. Wenn das Flutlicht dann angeht, die Abenddämmerung einkehrt und das Stadion farblich zweigeteilt ist, dann macht das schon richtig was mit dir.

Innerhalb von drei Wochen nochmal auf dem Rathaus-Balkon zu stehen, war unglaublich.
Tim Borowski

WERDER.DE: Nach der Meisterschaft haben wir von dem Flug aus München und dem wahnsinnigen Empfang in Bremen gehört. Wie waren die Feierlichkeiten nach dem Pokalsieg?

Tim Borowski: Wir sind direkt nach dem Spiel mit Hubschraubern über Berlin geflogen und dann im ZDF-Sportstudio aufgetreten. Dort haben wir in den Geburtstag von Fabian Ernst reingefeiert und die Feierlichkeiten auf dem Bankett fortgeführt. Besonders lustig war, dass in der Party-Location später noch Aachener Spieler dazu gekommen sind. Am nächsten Morgen sind wir, viele von uns ohne Schlaf, mit dem ICE zurück nach Bremen gefahren. Innerhalb von drei Wochen dann nochmal auf dem Rathaus-Balkon zu stehen, war unglaublich.

WERDER.DE: Vor anderthalb Wochen habt ihr euch anlässlich des 20-jährigen Jubiläums des Doubles als Mannschaft in Bremen wiedergetroffen. Als Highlight wurde vor allem die Meisterschaft in München genannt. Welchen Platz bekommt der Pokalsieg in der Erinnerung an diese besondere Saison?

Tim Borowski: Ich schließe mich da an. Das emotionalste und wichtigste Spiel war das Bayern-Spiel in München, wo wir die Meisterschaft klargemacht haben. Direkt danach kommt für mich aber auch schon das Pokalspiel.

WERDER.DE: Nicht Wenige gehen davon aus, dass dieser Erfolg für immer der größte der Vereinsgeschichte bleiben wird. Wann ist dir klar geworden, was ihr in diesem Jahr geschaffen habt?

Tim Borowski: Ich bin ehrlich: Der Anspruch bei uns in der Mannschaft war, in den folgenden Jahren sowas Ähnliches nochmal zu erreichen. Deswegen war mir das als Spieler nicht so bewusst. Seit unserem Treffen zum zehnjährigen Jubiläum wurde das Gefühl über die Jahre aber immer intensiver, dass es für die Ewigkeit gewesen sein könnte. Auch unsere Fans haben ein unvergleichbares Gefühl dafür, diesen Erfolg einzuordnen. Die Choreo gegen Bochum vom Spielfeldrand zu sehen, war für uns sehr beeindruckend.

WERDER.DE: Mit Erinnerungen für die Ewigkeit. Vielen Dank für das Gespräch, lieber Tim.

 

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