"Ein Top-Spiel für ganz Fußballdeutschland"

Ailton im Interview mit WERDER.DE vor dem Duell auf Schalke

Ailton sitzt auf einem Sessel und redet. Im Hintergrund ist das Werder-Logo zu sehen.
Der ehemalige Werder-Stürmer Ailton freut sich auf die anstehende Begegnung zwischen dem SVW und Schalke (Foto: WERDER.DE).
Interview
Freitag, 22.04.2022 / 16:09 Uhr

Das Interview führte Daniel Börger

Sechs Jahre Werder, Double-Sieger, Torschützenkönig und irgendwie ein waschechter Bremer. Die Rede ist von Ailton. Nach seiner erfolgreichen Zeit am Osterdeich ging der Brasilianer nach Gelsenkirchen, wo er ein Jahr für Schalke spielte, bevor es ihn quer über den Globus zog.

Im Interview mit WERDER.DE spricht der "Kugelblitz" über Persönliches, seine Vergangenheit bei beiden Vereinen sowie die anstehende Begegnung der Bremer gegen Schalke.

WERDER.DE: Moin, Ailton! Hast du Werder Bremen heute schon verfolgt?

Ailton: "Immer. Ich habe sechs Jahre für diesen Verein gespielt. Wir konnten im Werder-Trikot viele Erfolge feiern. Werder ist immer in meinem Herzen, egal ob in der ersten oder zweiten Bundesliga – ich schaue mir meine Lieblingsmannschaft immer an."

WERDER.DE: Ailton, wie geht es dir?

Ailton: "Mir geht es sehr gut. Ich habe momentan mehr Zeit für Familie und Kinder. Wir wohnen seit eineinhalb Jahren hier in Bremen und sind hier sehr zufrieden."

WERDER.DE: Du hast auch Familie in Südamerika. Wie oft bist du unterwegs?

Ailton: "Durch die Pandemie ist das Reisen etwas weniger geworden. Glücklicherweise lockert sich die Situation momentan etwas auf. In diesem Jahr stehen noch Reisen nach Brasilien, Mexiko und die USA an. Trotzdem, vor der Pandemie war ich bedeutend öfter unterwegs. Aber positiv daran ist, dass ich momentan mehr Zeit mit der Familie in Bremen verbringen kann. Bremen ist eine schöne Stadt, nicht zu groß, nicht zu klein."

Gegen Schalke war es schon immer besonders

WERDER.DE:Du bist 2004 ablösefrei als Double-Sieger und Torschützenkönig nach Schalke gewechselt. Wenn du da heute drüber nachdenkst, was bedeutete dieser Schritt für dich? Wie würdest du ihn heute bewerten?

Ailton: "Schade! Aber das kann im Fußball passieren. Das hat viel mit Vertragssituationen zu tun. Damals haben Werder unter Klaus Allofs und ich nicht richtig zusammengefunden, was meine Vertragsverlängerung anging. Dann kam Rudi Assauer auf mich zu, er wusste, ich habe meinen Vertrag noch nicht verlängert. Zu dem Zeitpunkt war ich 31 Jahre alt. Ich wollte noch ein paar Jahre an der Weser spielen, doch ich habe an meine Familie gedacht, das Angebot aus Schalke war einfach interessanter. Mit dem heutigen Blick wäre ich die Situation anders angegangen. 2004 habe ich eine schnelle Entscheidung mit der Unterschrift in Gelsenkirchen getroffen. Ich hätte damit auch noch warten können, aber das kann im schnellen Fußballgeschäft passieren."

WERDER.DE: Kannst du dich noch an dein schönstes Spiel zwischen Werder und Schalke erinnern?

Ailton: "Es gab viele schöne Spiele zwischen Bremen und Schalke. An ein Spiel erinerre ich mich besonders. Es war noch im alten Stadion auf Schalke. Thomas Schaaf erlebte in dem Moment eine schwere Situation als Trainer in Bremen, als über seinen Posten diskutiert wurde. Wir hatten ein schweres Match auswärts gegen Schalke vor der Brust. Ein Spiel, das auch zukunftweisend für Thomas Schaaf gewesen ist. Er hat von mir und Claudio Pizarro erwartet, dass wir offensiv alles rausholen und das Spiel gemeinsam mit der Mannschaft gewinnen. Wir haben das Spiel auswärts gewonnen. Das war nicht nur ein Riesenspiel für Bremen und mich, sondern auch für Thomas Schaaf."

WERDER.DE: Wer war dein Lieblingsmitspieler in Bremen?

Ailton: "Am liebsten zusammengespielt habe ich mit Johan Micoud. Er ist für mich die Nummer Eins. Aber ich möchte auch gerne Andreas Herzog nennen. Beide waren begnadete Techniker und super Fußballer."

Die Spieler werden auf dem Platz auch für die Fans spielen.
Ailton

WERDER.DE:Was sind deine Gedanken zur laufenden Saison?

Ailton: "Die zweite Liga spielt sich nicht so einfach. Es geht weniger um die Technik, aber es wird gekämpft ohne Ende. Zu Beginn hatte Werder es relativ schwer, doch unter Ole Werner haben sie es sehr, sehr gut gemacht. Ich bin momentan noch sehr zufrieden mit dem zweiten Platz. Es ist aber klar, dass Werder für die letzten vier verbleibenden Spiele 100 Prozent geben muss. Wenn wir drei davon gewinnen, sehe ich uns in einer super Ausgangslage."

WERDER.DE: Wie blickst du auf Werders Offensive?

Ailton: "Als ehemaliger Stürmer habe ich natürlich ein besonderes Auge auf das momentane Stürmerduo aus Niclas Füllkrug und Marvin Ducksch. Die beiden haben meiner Meinung nach eine sehr gute Form, die sie Spiel für Spiel beweisen. Die beiden sind sehr wichtige Spieler für Werder in der laufenden Saison."

WERDER.DE:Werder und Schalke, das Spitzenduell zwischen Platz eins und zwei. Was sind deine Gedanken zur anstehenden Begegnung?

Ailton: "Werder gegen Schalke ist immer ein spezielles Spiel. Ich denke, es herrscht schon eine Rivalität, die sich in den vergangenen Jahren auf dem Platz aufgebaut hat. Ich erwarte ein offensives Spiel. Gerade für die Fans wird das ein Spektakel. Beide Vereine kämpfen ohne Ende um den ersten Platz. Schalke hat vielleicht den Vorteil, dass sie zu Hause spielen, mit ihren Fans im Rücken. Sie haben letzte Woche ein super Spiel gegen den SV Darmstadt 98 gemacht und momentan einen richtigen Lauf. Aber für mich gibt es zwischen Werder und Schalke keinen Favoriten. Das wird einfach ein großes Spiel, das eine Richtung mit Blick auf den Saisonendspurt vorgeben wird. Dennoch wird das für beide Vereine ein schwieriges Spiel."

WERDER.DE:Du als ehemaliger Spieler beider Vereine kannst sicherlich eine Einschätzung geben, was so ein Top-Spiel für die Jungs auf dem Platz bedeutet.

Ailton: "Alle Spieler, egal ob von Werder oder Schalke, wissen genau, was Samstag zählt. Werder hat die ganze Woche auf die Begegnung hingearbeitet. Die Jungs wissen genau, wie groß das Spiel ist. Sie werden alles reinwerfen. Diejenigen, die sich auf dem Platz ein wenig mehr konzentrieren werden, haben eine gute Chance, das Spiel für sich zu entscheiden. Das ist ein Top-Spiel für ganz Fußballdeutschland, ganz ligaunabhängig."

WERDER.DE: Ein Top-Spiel vor 60.000 Zuschauer:innen, ausverkauft. Über 6.000 Bremer:innen werden dabei sein. Was bedeutet das für die Jungs?

Ailton: "Das ist einfach geil. Das macht auch was mit den Spielern, wenn sie vor ausverkauftem Haus spielen. Das volle Stadion, die lauten Fans – das gibt nochmal einen extra Schub Motivation. Gerade in Bremen stehen die Fans immer hinter der Mannschaft. Die Spieler werden auf dem Platz auch für die Fans spielen."

Voll fokussiert in den Saisonendspurt

WERDER.DE: Wenn du Ole Werner wärst, wie würdest du der Mannschaft so richtig einheizen?

Ailton: "Ich denke, dass Ole Werner einen Plan hat. Aber würde ich auf der Trainerbank sitzen, würde ich sagen, dass Werder vor allem mit Kopf spielen muss. Ich glaube, Schalke wird von Beginn an offensiv anlaufen und attackieren. Wenn Werder es defensiv clever anstellt, können die Jungs Kontersituationen effektiv ausnutzen."

WERDER.DE: Wo wirst du das Spiel verfolgen?

Ailton: "Normalerweise wäre ich im Stadion. Ausgerechnet Samstag habe ich aber noch einen Termin. Ich versuche aber, nach Schalke zu fahren. Wenn es nicht klappt, werde ich das Spiel zu Hause in guter Gesellschaft mit brasilianischem Fleisch und brasilianischem Bier verfolgen."

WERDER.DE:Wem drückst du die Daumen denn mehr?

Ailton: "Schwierige Frage. Ich habe für beide Mannschaften gespielt. Alle Leute in Deutschland wissen, dass Ailton und Werder zusammengehören. Dennoch würde ich mich sehr freuen, wenn beide Mannschaften es zurück in die erste Bundesliga schaffen. Bremen Erster, Schalke Zweiter, so wünsche ich mir das. Wer den dritten Platz belegt, ist mir egal (lacht)."

WERDER.DE: Was wünschst du Werder für den Rest der Saison?

Ailton: "Ich wünsche Werder, dass sie sich im Saisonendspurt voll konzentrieren können. Meiner Meinung natürlich mit mindestens drei Siegen aus den letzten vier verbleibenden Spielen."

 

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