Eine Spielerin weniger – ein Spieler mehr

Endlich ist Tim auch offiziell Tim

Tischtennis
Mittwoch, 06.02.2019 // 18:14 Uhr

Als Tim vor neun Jahren ausschließlich(!) um ein Teil der Werder-Familie zu werden nach Bremen zog, hieß er noch Yvonne und wurde eine zuverlässige Stütze unserer zweiten und dritten Damen-Mannschaft. Außerdem wäre es ohne ihn bei Heimspielen der Fußball-Bundesliga auch immer etwas leiser in der Ostkurve gewesen.

In der Hinrunde 2018/2019 war Tim noch in der 2. Damen aufgestellt und als Weiblicher Ergänzungsspieler (WES) in der 9. Herren, aber nachdem im Dezember die lange vorbereitete Personenstandsänderung amtlich vollzogen wurde, ist Tim nun Tim. Vielleicht entstehen durch die Folgen daraus jetzt ab und zu merkwürdige oder eher bemerkenswerte Situationen, vielleicht braucht auch Tim oder der ein oder andere in der Abteilung einen Moment um zur Normalität zu finden, vielleicht ist aber auch jetzt schon das alles ganz normal.

Ich habe Tim ein paar Fragen zu Werder und zu ihm gestellt:

Werder: Hallo Tim, wie ist ganz allgemein Verhältnis zu Werder als Verein?

Werder war und ist für mich immer so etwas wie eine zweite Familie. Hier habe ich immer Zuflucht gefunden und in der Kurve konnte ich immer so sein wie ich bin. Hier interessiert es nicht, wer man ist, wo man herkommt oder ob man arm oder reich ist. Man leidet, schreit und feiert zusammen. Und auf dem Weg zum Stadion, egal ob in Bremen oder hunderte Kilometer entfernt, passt man gegenseitig auf sich auf. Werder gefällt mir charakterlich sehr und auch von der Art, wie der Verein mit Menschen umgeht. In den inzwischen knapp 30 Jahren, in denen ich eine persönliche Verbindung zu Werder habe, stelle ich immer wieder aufs Neue fest, dass ich stolz bin ein Bremer zu sein.

Werder: Und wie würdest du dein Verhältnis zur TT-Abteilung beschreiben?

Die TT-Abteilung und der Verein haben mich damals sehr gut aufgenommen. Ich war dazu ja auch noch ein TT-Rookie, weil ich eigentlich aus dem Fußballbereich komme. Doch aus gesundheitlichen Gründen musste ich mich umorientieren. Tischtennis hat mich schon immer fasziniert. Wahrscheinlich weil ich gefühlt gar nicht dafür geeignet bin.

Ein großes Danke geht auch an die Damen, die mit als erstes im Verein erfahren haben, dass ich mich endlich auf meinen Weg gemacht habe. Die Nachricht wurde wirklich großartig aufgenommen. Alle haben sofort fast selbstverständlich meinen neuen Namen angenommen und auch verwendet. Dazu haben Sie es sogar noch geschafft, bei den Punktspielen hin und her zu switchen. Das war wirklich beeindruckend und bleibt unvergessen! So habe ich mich bis zum Schluss gut, wenn auch nicht richtig aufgehoben gefühlt.

Werder: Nun ist es also eine neue Situation. Wie stellst du dir das Training jetzt vor?

Beim Tischtennis geht es rein pragmatisch ums Tischtennis spielen. Nicht mehr und nicht weniger. Aus Respekt und Verständnis denjenigen gegenüber, die erstmal eine gewisse Zeit der Umgewöhnung brauchen, werde ich in naher Zukunft keine Herren/Damen-Umkleidekabinen nutzen, wohl aber die Herren-Toilette aufsuchen, wenn mal Not am Mann ist. Ansonsten gibt es ja nicht viele Berührungspunkte, so dass jeder selbst entscheiden kann, ob er Kontakt zu mir haben möchte oder nicht, so wie ich natürlich das gleiche Recht besitze. Schön wäre, wenn alles so bleiben würde wie es war. Vielleicht wird der eine oder andere auch merken, dass ich eigentlich schon immer mehr ein Tim als eine Yvonne war. Und sonst würde ich mir wünschen, dass dieses ja doch sehr private Thema auch nicht größer und komplizierter gemacht wird, als es ist. Es mag nicht alltäglich sein, aber es ist für niemanden, außer für mich, in irgendeiner Weise tatsächlich von existentieller Bedeutung.

Ich denke es gibt weitaus größere und wichtigere Themen im Verein, mit denen wir uns beschäftigen sollten, oder? Zum Beispiel, ob die erste Mannschaft wieder erfolgreicher in der Tischtennis-Bundesliga spielt oder unsere Fußballer es vielleicht wirklich nach Europa schaffen. Dann könnte ich auch endlich mal wieder weiter als bis nach München reisen.

Werder: Vielen Dank für dieses nette Gespräch, Tim!

Zum Schluss - mal wieder - eine persönliche Anmerkung von mir: Ich kenne und schätze Tim nun schon eine ganze Weile und freue mich sehr, dass er in meinem Verein spielt. Ich würde mir wünschen, dass er als Tim genauso gut aufgenommen wird, wie vor ein paar Jahren als Yvonne und ich meine, dass gerade unser weltoffener SV Werder als sein absoluter Lieblingsverein genau der richtige Ort für ihn ist.

von Arwed Pensky