U 23 erkämpft sich zu neunt einen Punkt in Dresden

U23
Donnerstag, 01.01.1970 // 01:00 Uhr

Bereits in der Vergangenheit waren die Begegnungen zwischen Werders U 23 und Dynamo Dresden bekannt für ihren hohen Unterhaltungswert. Am Samstag wurde diese Geschichte zwischen den beiden Teams um ein nennenswertes Kapitel reicher: Emotionen, Kampf, gelbe Karten, rote Karten und zwei Tore. Das 1:1 im Rudolf-Harbig-Stadion hatte für die rund 12.000 Zuschauer Einiges zu bieten.

 

„Da war alles drin. Die Partie war vor allem für die Zuschauer sehr interessant. Ich persönlich mag es, wenn die Stimmung etwas aufgeheizt ist und die Zuschauer gegen einen sind“, blickt Felix Kroos zurück. Auch Werder-Coach Thomas Wolter sah ein „kurioses Spiel. Mit hohem Tempo, vielen guten Aktionen, vor allem in der Offensive.“

 

Felix Kroos brachte Werder in Dresden in Führung.

So dauerte es auch nur wenige Minuten nach dem Anpfiff bis der Pulsschlag der Zuschauer erstmals in die Höhe schnellte: U19-Spieler Clemens Schoppenhauer, der erneut in der Bremer Innenverteidigung auflief, schmiss sich noch beherzt in den Schuss von Timo Röttger und verhinderte somit die Dynamo-Führung (6.). Auf der Gegenseite machte es Werder besser: Zwar konnte Dresdens Keeper Axel Keller Werder-Akteur Onur Ayik noch den Ball vom Fuß spitzeln, doch blieb die Situation weiterhin gefährlich. Über Umwege landete der Ball bei Felix Kroos, der aus 18 Metern zur nicht unverdienten 1:0-Führung abzog (8.).

 

Und Bremen hätte die Führung in der Folgezeit durchaus ausbauen können: Pascal Testroet verfehlte nach Zuspiel von Ayik das Tor jedoch knapp (14.), ein Drehschuss von Stefan Ronneburg, der sich gut im 16er durchsetzte, wurde von Schlussmann Keller abgewehrt (27.) und ein Fernschuss von Kroos landete auf der Latte (28.). Doch auch die Hausherren beteiligten sich bei Dauerregen am hohen Unterhaltungswert der Partie: Ein Flachschuss von Alexander Esswein war sichere Beute für Werder-Keeper Felix Wiedwald, Robert Koch konnte zwei Kopfbälle ebenfalls nicht unterbringen (34./37.) und wenig später rettete Felix Wiedwald in letzter Sekunde auf der Linie vor Lars Jungnickel (39.).

 

Kurz vor dem Ende der ersten Halbzeit musste Werder der temporeichen und teilweise hitzig geführten Partie Tribut zollen: Clemens Schoppenhauer wurde gelb-rot-gefährdet für Bernd Gerdes ausgewechselt. „Wir waren in den Aktion teilweise etwas ungestüm“, räumte Werder-Coach Wolter später ein.

 

Musste vorzeitig zum Duschen. Onur Ayik sah die Rote Karte.

Ebenso turbulent wie die erste Halbzeit ging es im zweiten Durchgang weiter. Nach rund einer Stunde musste Werder den nächsten Rückschlag verkraften: Onur Ayik sah wegen angeblicher Schiedsrichterbeleidigung die rote Karte (58.). In Unterzahl spielten die Gastgeber immer stärker auf und kamen auch zum Ausgleich: Nach einer Ecke traf Alexander Esswein aus dem Rückraum zum 1:1 (71.). Dynamo Dresden witterte nun die Chance und erhöhte das Tempo. Ein Kopfball von Robert Koch ging jedoch vorbei (72.) und Maik Kegel setzte den Ball aus rechter Position knapp am Tor vorbei (74.).

 

Wäre der eine Feldverweis nicht schon genug, musste Werder rund eine Viertelstunde vor Schluss den nächsten Ausfall hinnehmen: Stefan Ronneburg sah vom nicht immer sicher wirkenden Schiedsrichter Patrick Alt die gelb-rote Karte: „Das war ein Witz. Es war ein Konter für uns, Esswein stellt sich in den Weg und Stefan will da vorbei, wobei Esswein stürzt“, konnte Thomas Wolter die Entscheidung des Unparteiischen nicht teilen.

 

Zu neunt lieferten die Grün-Weißen nun eine wahre Abwehrschlacht, in der Dresden nur noch mit zwei Schüssen von Jungnickel (81.) und Pfeffer (82.) für Gefahr sorgte. Felix Wiedwald parierte jedoch jeweils glänzend. „Wir haben uns gut gewehrt. Wenn wir cleverer gespielt hätten, wäre vielleicht sogar ein Sieg drin gewesen. Mit zwei Mann weniger war es natürlich später schwer. Aber die Mannschaft hat eine tolle Moral bewiesen. Dafür kann man dem Team ein Lob machen“, blickte Felix Kroos später zurück.

 

Norman Ibenthal