2:4 auf St. Pauli: Hoffnung starb in vier Minuten

U23
Donnerstag, 01.01.1970 // 01:00 Uhr

Freud und Leid liegen häufig so dicht beieinander. Jedenfalls war es am Freitagabend auf St. Pauli der Fall. Mit 0:2 hatte Werders U 23 bereits zur Pause gegen die Hamburger zurückgelegen, kämpfte sich durch zwei Tore von Jerome Polenz (48.) und Dominic Peitz (64.) sensationell zurück ins Spiel und musste sich durch zwei Treffer innerhalb von vier Minuten (69./73.) doch noch geschlagen geben. „Wir hatten in der Halbzeit die Möglichkeit, uns jetzt abschießen zu lassen oder noch einmal alles zu geben und das Spiel zu drehen. Es gibt nicht viele junge Mannschaften, die noch einmal so zulegen. Darauf in ich stolz. Leider ist es aber auch für junge Mannschaften typisch, so ein Spiel noch einmal abzugeben“, sagte Werder-Coach Thomas Wolter nach der Partie.

 

 

Daniel Brückner rückte in die Startelf.

Nach den Ausfällen von Florian Mohr (Rot-Sperre), Benjamin Venekamp (Adduktoren-Zerrung) und Thiago Rockenbach da Silva (Sprunggelenksverletzung) musste Werders Coach sein Team erneut umstellen. Sebastian Schachten und Francis Banecki rutschten in die Viererkette und Daniel Brückner nahm den Platz auf der linken Außenbahn ein. St. Pauli nutzte die Uneingespieltheit der Bremer aus und übte von Beginn an einen hohen Druck auf die Gäste aus. Mit Erfolg: Bereits nach zwei Minuten gab Fabian Boll aus spitzem rechten Winkel den ersten Warnschuss ab. Wenig später rettete der Pfosten Werder vor dem Rücktand. Ein Kopfball von Felix Luz klatschte erst an das rechte Aluminium und von dort in die Arme von Keeper Kasper Jensen (10.)

 

Werder kippte nach 0:2 Rückstand das Spiel

 

Neun Minuten später war es dann aber doch soweit. Nach einer Hereingabe von Michel Mazingu-Dinzey in den 16er der Bremer landete der Ball vor den Füßen von Felix Luz, der zur Hamburger Führung einschob (19.). Kurz darauf hatten Mazingu und Luz die Gelegenheit, zu erhöhen (23./28.), scheiterten jedoch. Doch auch Werder blieb nicht chancenlos. Brückners Bogenlampe von der Strafraumgrenze lenkte FC-Schlussmann Achim Hollerieth zur Ecke (8.), Jerome Polenz scheiterte ebenfalls aus sechs Metern am Keeper (21.) und auch für den Weitschuss von Marco Stier war bei Höllerieth Endstation (31.).

 

Jedoch blieben die Hausherren über die gesamten ersten 45 Minuten die spielbestimmende Mannschaft und bauten kurz vor dem Seitenwechsel die Führung aus. Nach einem nicht geahndeten Foul an Peitz im Mittelfeld schlugen die Paulianer den Ball weit vor das Bremer Tor zu Manzingu, der sich die Chance nicht nehmen ließ und auf 2:0 erhöhte (39.).

 

Werder (hier Kevin Artmann gegen Jeton Arifi) kämpfte sich zurück ins Spiel.

Wie ausgewechselt kam Werder anschließend aus der Kabine. Leidenschaftlich versuchte die Mannschaft von Trainer Wolter das Spiel an sich zu reißen und wurde für die Mühen belohnt. Marco Stier wuselte sich durch den FC-Strafraum, legte quer auf Kevin Artmann, dessen Schuss aus sechs Metern noch in der Abwehr von St. Pauli hängen blieb, anschließend aber von Jerome Polenz über die Linie gedrückt wurde (48.). Und Bremen blieb nun dran. Nach einer Artmann-Ecke schaltete Dominc Peitz beim Getümmel im 16er am schnellsten und drehte mit seinem Kopfballtor das Spiel (64.).

 

Gelb-Rot für Peitz

 

Doch was sich in den anschließenden Minuten abspielte, titulierte Thomas Wolter als „bezeichnend“ für die jungen Teams. „Das Tempo war viel zu hoch. Nach dem Ausgleich ist es uns nicht gelungen, das Spiel zu beruhigen, wie es vielleicht erfahrene Mannschaften können.“ Aber auch das Schicksal meinte es nicht gut mit den Bremern. Nach einer Flanke von FC-Spieler Luz landete Stallbaums missglückte Kopfballabwehr unhaltbar für Jensen im eigenen Netz (69.). Zu allem Überfluss handelte sich Dominic Peitz nach einem Foul an Mazingu wenig später die zweite gelbe Karte und wurde von Schiedsrichter Babak Rafati vom Platz geschickt (70.).

 

St. Pauli nutzte die Gelegenheit und machte alles klar. Michel Mazingu-Dinzey stellte den 4:2-Endstand her (73.). Werder kämpfte weiter, konnte das Spiel aber nicht noch einmal kippen. Die besseren Chancen lagen bei den Hausherren. Doch sowohl Mazingu (78.) als auch Luz (88.) scheiterten an Keeper Jensen.

 

Norman Ibenthal