Zweimal 4-4 für die zweite Mannschaft

2.Bundesliga West

David Lobzhanidze bei seinem wichtigen Sieg gegen Mark Helbig.
Schach
Montag, 11.12.2023 / 10:01 Uhr

David Lobzhanidze

Beim großen Schach-Bundesliga-Wochenende im wunderschönen VIP-Bereich Nord war auch die 2. Mannschaft in der 2. Bundesliga West im Einsatz. Mit zwei hart umkämpften 4:4-Unentschieden belegt die Mannschaft weiterhin einen ordentlichen Mittelplatz in der 2. Bundesliga. Da in dieser Saison mindestens 4 von 10 Mannschaften in die Oberliga absteigen, bleibt der Kampf um den Klassenerhalt äußerst spannend!

Das Bundesliga-Wochenende im Weserstadion war voller Überraschungen und unerwarteten Wendungen. Ich sollte eigentlich gar nicht spielen, sondern die Partien von der 1. Mannschaft vor Ort kommentieren. Da einige Spieler aus verschiedenen Gründen nicht teilnehmen konnten, haben wir uns für meinen Einsatz in der 2. Mannschaft entschieden. Selbst das war dann gefährdet, weil ich einige Tage vor den Wettkämpfen stark erkältet war und noch am Donnerstag mit hohem Fieber im Bett lag. Mit viel Ruhe und heißem Tee statt Training konnte ich mich halbwegs auskurieren und saß am Samstag am Brett.

Unser erster Gegner war die 2. Mannschaft der SG Solingen.

Es war ein knappes Rennen zu erwarten. Nach den Eröffnungsphasen stand es fast überall ausgeglichen bis auf Brett 6, wo Sven Joachim mit Weiß seinen Gegner im Königsindisch schon am Anfang massiv unter Druck gesetzt und im 14. Zug einen zentralen Bauern erobert hat. Vielleicht war es auch ein Opfer, aber Schwarz bekam nicht genug Kompensation. Dabei ist der Zug 13.Dd6! eine sehr starke Neuerung von Sven.

Als erster war Zyon Kollen fertig. Er stand mit Schwarz nach der Eröffnung etwas passiv aber sehr solide und der Gegner bot ihm gleich im 18. Zug Remis an. Am Brett zwei hatte Jari Reuker mit Weiß ein sehr interessantes Theorieduell in einer sehr aktuellen Variante gegen Jonas Roseneck. Die Partie war sehr spannend und endete am 30. Zug mit Remis durch Dauerschach. Gerlef Meins konnte an Brett 3 mit Schwarz ziemlich schnell ausgleichen und stand sogar etwas angenehmer. Die Stellung verflachte aber schnell, Remis. Ähnlich lief die Partie bei unserem Mannschaftskapitän Christian Richter. Er hatte mit Schwarz seinen Gegner leicht überspielt und stand zumindest optisch besser im Endspiel. Konkret gab’s aber nicht viele Möglichkeiten und nach den weiteren Abtauschen endete die Partie mit Dauerschach im Damenendspiel.

Martin Breutigam versuchte, die junge Kaderspielerin Luisa Bashylina in einen damenlosen Mittelspiel im Grünfeld-Indisch unter Druck zu setzen. Luisa konnte sich aber schnell befreien, also noch ein Unentschieden.

Nach all diesen Remisen gewann dann Sven sehr souverän. Ich habe die Partie kurz kommentiert (siehe unten).

Als Trainer war für mich die Partie an Brett 1 besonders spannend. Collin Colbow spielte mit Schwarz gegen meinen langjährigen ehemaligen Schüler, IM Alexander Krastev. Collin hat in der Eröffnung viel Zeit investiert und ist sehr gut rausgekommen. Die Stellung war die meiste Zeit objektiv ausgeglichen, wobei ich lieber Schwarz genommen hätte. Collin hatte bessere Läufer gegen den gegnerischen Raumvorteil und hat die Partie bis zum bestimmten Zeitpunkt perfekt geführt. Leider hat er später im Endspiel sich verrechnet und einen Bauern verloren. Er hat sehr hart gekämpft, musste sich aber leider am 95. Zug geschlagen geben.

Meine Partie hat genauso lange gedauert, 96 Züge. Die Stellung war auch bei mir die meiste Zeit ausgeglichen. Im Endspiel konnte ich dann jedoch Druck machen und nach der ersten Zeitkontrolle hatte ich einen Bauern mehr. Im Nachhinein habe ich festgestellt, dass ein positioneller Weg anstatt des Bauerngewinns mehr Gewinnchancen geboten hätte. Am Ende konnte meine erfahrene Gegnerin, die ehemalige Ukrainische Nationalspielerin Inna Gaponenko remisieren, indem sie eine studienartige Rettung gefunden hat. Auch diese Partie habe ich kurz analysiert.

Leider nur 4-4 am Ende, insgesamt hat unser leichter Vorteil zum Mannschaftssieg nicht gereicht.

Am Sonntag ging es dann gegen den Klub Kölner SF weiter.

Auch unsere zweite Mannschaft war am Wochenende durch das Wetterchaos in Süddeutschland benachteiligt. Wir konnten die geplante Verstärkung nicht umsetzen, weil Spartak für die Erste spielen musste. Trotzdem waren wir gut aufgestellt und sind als Favoriten gestartet. Es sah am Anfang auch ganz gut aus für uns. Martin stand an Brett 8 mit Schwarz gleich nach 10 Zügen klar besser und hat eine sehr schöne Partie gewonnen. Von wegen Caro Kann wäre eine passive Eröffnung, diese Meinung teile ich nicht.

Collin hat eine sehr gute Vorbereitung ausgepackt, mit Weiß von Anfang an die Initiative übernommen und auch eine sehr schöne Partie gewonnen. Er hat die Partie selber kommentiert.

Die Partien von Christian und Zyon waren ziemlich ausgeglichen und endeten bald mit Remis.

Sven hatte wieder Königsindisch, diesmal mit Schwarz. Es war für ihn nicht leicht, Gegenspiel zu bekommen. An einer Stelle findet die Engine ein äußerst undurchsichtiges Figurenopfer, mit Vorteil für Schwarz am Ende. Das war am Brett kaum zu finden. Stattdessen hat er ein typisches Qualitätsopfer mit Tf4 gebracht. Sein Angriff war leider im Endeffekt nicht stark genug.

Jari musste mit Schwarz diesmal mit Eröffnungsproblemen kämpfen. Er hat in der Verteidigung viele sehr gute Züge gemacht. Nach und nach wurde der Druck aber größer und er musste eine Qualität abgeben. Trotz harten Kampfes war die Partie leider nicht mehr zu retten. An dieser Stelle muss gesagt werden, dass sein Gegner eine extrem starke Partie gespielt hat.

Gerlef hat mit Wei8 die Partie sehr gut geführt und der Gegner von Anfang an unter Druck gesetzt. Mit dem spektakulärem 27.Te7!! hätte er eine wunderschöne Partie gewinnen können (siehe Diagramm). Es kam logischer 27.Le5 und zwei Züge später ein sehr verlockendes Opfer auf g7, was leider an einem gegnerischen Zwischenzug scheiterte ...

Ich war wieder als letzter fertig. Die Partie war die meiste Zeit ausgeglichen. Ich konnte am Ende doch einige gegnerische Ungenauigkeiten ausnutzen und im Bauernendspiel gewinnen:
48…Kg6! 49.Ke5 h5! 50.gxh5 Kxh5 51.Kxe6 Kh4 52.Kf5 Kg3 53.Ke4 Kf2 54.f4 gxf4 55.Kxf4 Kf2 0-1

Auch diese Partie befindet sich bei den kommentierten Partien am Ende des Artikels.

Wieder ein 4-4 am Ende. Ein knapper Sieg wäre an beiden Tagen möglich gewesen, wobei wir am Sonntag theoretisch auch hätten verlieren können.

So der so, wir müssen nach vorne schauen und uns auf die nächsten Begegnungen am 3. und 4. Februar in Düsseldorf vorbereiten.

 

Alle Partien vom Wochenende (kommentierte zuerst)

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