Werder 2 ist Herbstmeister

Schach-Oberliga Nord-West

FM Sven Charmeteau
Schach
Montag, 17.12.2018 // 10:16 Uhr

David Kardoeus

Am vierten Spieltag der Saison macht Werders zweite Schachmannschaft die Herbstmeisterschaft perfekt. Nach einem soliden 6½:1½ gegen die Niedersachsen von Hannover 96, verbringen die grün-weißen den Jahreswechsel auf Platz 1 der Oberliga Nord-West.

Schon vor Beginn des Nordderbys standen die Vorzeichen für einen grün-weißen Heimsieg recht gut. Das Team wurde durch Nikolas Wachinger verstärkt, welcher zuletzt noch in aller Welt(meisterschaften) und in ganz Europa (U16-Olympiade) unterwegs gewesen war, und nun endlich sein Saisondebüt in Werders Startacht gab. Im Durchschnitt waren wir an allen Brettern um rund 230 Wertungspunkte überlegen, ein Pflichtsieg stand also auf dem Programm! Zudem ist Hannover 96 schon vor der Runde Tabellenschlusslicht gewesen und daran sollte sich auch an diesem Spieltag nichts ändern.

Die Stimmung war von Beginn an sehr s(ch)achlich, alle hatten Lust zu spielen und in unseren heiligen Hallen spielte gleichzeitig die dritte Mannschaft gegen die Bremer Schachgesellschaft. Olaf Steffens und Stephan Buchal hatten die von mir organisierte Verpflegung (Mettbrötchen) mit viel Kuchen und vielen Keksen begleitend geschmückt. Auch Collin Colbow hat mit fabelhaft leckeren Muffins Eindruck bei seinen Vereinskollegen hinterlassen, was er letzten Endes vielleicht doch der Mama zu verdanken hat. An den Brettern kam es auch zu dem einen oder anderen Leckerbissen: Sven Charmeteau schien einmal mehr gut aus der Eröffnung gekommen zu sein und war als erster Werderander fertig. Leider war ich noch zu sehr mit meiner Eröffnung beschäftigt, sodass ich beim Einfahren des ersten Punktes nicht zuschauen konnte. Mister 100% (4 Punkte aus 4 Partien) leitete also den Sonntagssieg ein und schoss für uns das ... 1:0

Stephan Buchal wurde für meinen Geschmack recht zügig am Königsflügel befragt und kam bei entgegengesetzten Rochaden in eine gewisse Zeitknappheit. In den frühen Zwanzigern (Zügen) hatte unser Altmeister nur noch 2 Minuten auf dem Tacho und musste sich bald dem Ukrainer Vladimir Usachyi geschlagen geben. 1:1

Die übrigen Partien zogen sich noch ein wenig in die Länge. Spartak Grigorian hatte eine hochkomplizierte Stellung auf dem Brett und konnte mit viel Tamtam um den gegnerischen König für Glückseligkeit bei den kiebitzenden Spielern sorgen – ein wahres Feuerwerk! Gerlef Meins hatte wohl im Mittelspiel eine Bauern ergattern können und drückte im Leichtfigurenendspiel nun auf den ganzen Punkt. Auch Christian Richter hatte materiellen Vorteil durch dominante Aktivität erzielt und spielte mit Dame gegen Turm und einen abgemeldeten Läufer - eine Frage der Zeit. Ich selber (David Kardoeus) fand mich nach beidseitig suboptimal behandelter Eröffnung in einer schwierigen Stellung wieder. Zwar konnte ich meinen Gegner mit aktiveren Figuren unter Druck setzen, doch war meine Struktur im Gegenzug dafür völlig zu vergessen. Am achten Brett tauschten Duong Lai Hop und sein Gegner bis auf die Damen und die Läufer alles vom Brett. Für mich schien es bald in einem Remis zu enden, doch Duong mobilisierte seine letzten Figuren und wollte es noch einmal wissen. Nikolas Wachinger remisierte in einem Doppelturmendspiel, nachdem er im Mittelspiel der Drachenvariante ein wenig Druck aufbauen konnte. Zwar hatte er die etwas bessere Struktur, doch sahen die schwarzen Türme aus dem Augenwinkel ein kleines Stück aktiver aus und drohten mehr oder weniger auf der zweiten Reihe einzureiten (oder darf man das nur für Springer sagen?). 1,5:1,5

Mehr Brettpunkte sollte es aber auch nicht geben, für die Gäste aus Niedersachsen. Am ersten Brett stand Spartaks König zwar auch relativ luftig, doch sein weißer Gegenspieler stand wahrhaftig im Windkanal. Der schwarze Monarch schnupperte bereits den Siegesduft, als seine Gemahlin über die H(intertür)-Linie ins weiße Haus einfiel und dem Hausherren die Verbeugung lehrte. 2,5:1,5

Gerlef schob seinen Bauern Richtung Zielgerade, ehe Daniel Schulz seinen Springer für den motivierten Mann mit der Heugabel aufgab. Mit einer Leichtfigur mehr auf dem Brett, sollte es für unseren IM auch ein leichtes gewesen sein, seinen dritten Punkt in der nun dritten Partie einzufahren. Mit 100% ist auch Gerlef ein brandheißer Kandidat für den Titel des Topscoreres! 3,5:1,5

Christian konnte in aller Ruhe sein verbleibendes Material in Richtung des schwarzen Königs schieben. Dieser wurde von seinem angeschlagenen Turm nur dürftig verteidigt und der schwarze Läufer kam hinter den eigenen Bauern überhaupt gar nicht mehr zu Wort. Die Waffen wurde gestreckt, als Christian mit einem Doppelangriff beabsichtigte, den schwarzen Läufer von seinem Leid zu erlösen. 4.5:1.5

Davids Gegner hatte unter einem angsteinflößenden Scheinangriff die Füße nicht länger still halten können und bediente sich eines vergifteten Bauern. Ein Schach, ein Doppelangriff und der Hannoveraner musste Material einbüßen. Kurz darauf konnte der Werderaner mit einem wunderschönen Turmopfer (Hinlenkungsopfer) die gewonnene Qualität zurückgeben und den gewinnbringenden Deckel drauf machen. Mit 3/3 ist auch David noch im Rennen um das goldene Hufeisen (oder was auch immer es für den Topscorer am Ende der Saison gibt)! 5,5:1,5

Duong hatte seine Dame über die c-Linie aktiviert und in geschlossener Stellung die doch etwas besseren Läufer. Durch einen fatalen Schnitzer schnitt sich König Schwarz noch selbst ins eigene Fleisch und Duong gewann einen Bauern. Durch ein hübsches Damenopfer konnte er einen weiteren Bauern gewinnen und sein Gegner reichte zurecht die Hand – Glückwunsch zum hübschen und gelungenen Einstand in der aktuellen Spielzeit! 6,5:1,5

Mit vier gewonnen Mannschaftskämpfen und 26 von 32 möglichen Brettpunkten (!!) sind wir natürlich weiterhin auf Platz 1 der Oberliga Nord West. HSK Lister Turm steckt weiterhin nicht auf und bleibt unser dichtester Verfolger. Anfang Februar 2019 kommt es dann zum Duell der derzeitigen Spitzenteams in Bremen; die Winterpause endet aber schon am 20. Januar, wenn die Bremer den Kampf um die Meisterschaft beim SK Union Oldenburg wieder aufnehmen!