Der Mann der Bilder

Oliver Baumgart im Interview
Oliver Baumgart ist nicht nur beim Handball mit seiner Kamera dabei (Foto: Hansepixx)
Interview
Freitag, 05.06.2020 / 18:42 Uhr

das Interview führte Denis Geger

Jeder kennt seine Bilder und die meisten haben ihn auch schon einmal in der Halle gesehen, Oliver Baumgart. Olli, wie er in der Halle nur genannt wird, ist unser Fotograf bei den Heimspielen und macht jede Saison mehrere tausend Bilder von unseren Spielen. Wir haben mal nachgefragt, wie er eigentlich zum Fotografieren gekommen ist und was er in der handballlosen Zeit so macht.

WERDER.DE: Olli, wie bist du zum Sportfotografen geworden?

Oliver Baumgart: Ich habe bei den Fußballerinnen von Werder angefangen, die Spiele zu fotografieren, als sie in die Regionalliga aufgestiegen waren. Das war zunächst ein reines Hobby, weil ich einfach Spaß am Fotografieren und am Frauenfußball hatte. Im Laufe der Zeit habe ich mich dann technisch immer weiterentwickelt und natürlich hat auch mein Können Fortschritte gemacht. Und eines Tages hatte ich die Anfrage einer Zeitung auf dem Tisch, die ein Foto von mir nutzen wollte. Damit war ich zunächst natürlich vollkommen überfordert, weil ich bis dato meine Bilder nur in Facebook-Galerien gepostet und von so Dingen wir Honoraren und Rechnungen nur wenig Ahnung hatte. Nach und nach häuften sich dann aber die Anfragen und in mir reifte die Überlegung, dass dies auch durchaus eine Möglichkeit sein könnte, Geld zu verdienen. Das war sozusagen die Geburtsstunde meiner Agentur Hansepixx, die ich im Sommer 2012 offiziell gegründet habe.

WERDER.DE: Kann man davon leben?

Oliver Baumgart: Als ich noch ein reiner „Alleinunterhalter“ war, ging das natürlich nicht. Man darf ja auch nicht vergessen, dass ich neben den Fahrtkosten bei Spielen auch noch jede Menge anderer Ausgaben habe, die einem Außenstehenden nicht so spontan in den Sinn kommen. Dazu gehören zum Beispiel eine eigene Webseite, verschiedene Pflichtversicherungen oder auch Reparaturen und Wartungen der Fotoausrüstung. Auch Software-Lizenzen und mobiles Internet für unterwegs sind wichtig, schließlich werden meine Bilder von den Kunden oft schon während des noch laufenden Spiels benötigt. Diese ganzen Kosten allein sind für einen Einzelkämpfer schon schwer „hereinzuknipsen“. Doch mit der Zeit lernt man andere Kollegen kennen und so knüpft man mehr und mehr Kontakte, ein Netzwerk entsteht. So war es auch bei mir. Mit einigen Kollegen habe ich gemeinsame und vor allem lukrative Vertriebswege aufgetan und so konnten wir auch große Bildagenturen beliefern. Meine Fotos haben dann auch den Weg in die großen Zeitungen gefunden. Heute ist es für mich normal, dass meine Bilder im Kicker, der Sportbild oder auch der Handballwoche abgedruckt werden und ich davon auch meine Miete bezahlen kann. Wenn mir das vor acht Jahren jemand prophezeit hätte, hätte ich denjenigen vermutlich für verrückt erklärt.

WERDER.DE: Was machst du in der Corona-Zeit, wo kein Sport stattfindet?

Oliver Baumgart: Als Sportfotograf bekomme ich natürlich nur Geld, wenn meine Bilder veröffentlicht werden. Im Moment die Auswirkungen der Zwangspause noch nicht ganz so stark, weil zunächst noch viele Archivbilder veröffentlicht wurden. Das große Loch wird also erst noch kommen. Ich erwarte es für die Zeit von Juli bis September, je nachdem, wann es mit dem Spielbetrieb auf allen Ebenen weitergeht. In Zeiten von Corona gab es dann mangels Sport für mich zwei Möglichkeiten: Zuhause sitzen und rumjammern oder rausgehen und die Fotos machen, die halt jetzt gerade von den Medien gebraucht werden. Ich habe mich für die zweite Variante entschieden und bin also gerade zu Beginn der Corona-Krise oft mit der Kamera losgezogen und habe das eingefangen, was in der Stadt gerade so passiert. Geschlossene Geschäfte, gesperrte Spielplätze oder die menschenleere Obernstraße zum Beispiel. Damit konnte ich zumindest einen Teil der ausbleibenden Einnahmen kompensieren. Aber ich hoffe, dass der Spuk bald vorbei ist und wir uns wieder an Spielen und Siegen erfreuen dürfen.

WERDER.DE: Welche Teams außer der Werder Handballerinnen fotografierst du regelmäßig?

Oliver Baumgart: Da kommen noch einige aus der Werder-Familie dazu. Neben den Fußballerinnen, die ich sowohl zuhause, als auch bei vielen Auswärtsspielen begleite, und der U 23 bin ich auch regelmäßig bei den Profis in der Bundesliga im Einsatz. In der 2. Bundesliga bin ich zudem auch hin und wieder in Osnabrück oder beim FC St. Pauli unterwegs. Die Volleyballerinnen des TV Eiche Horn hier in Bremen bekommen ebenfalls regelmäßig Besuch von mir und beim Handball bin ich auch häufig beim VfL Oldenburg anzutreffen. Dazu kommen dann natürlich noch so Highlights, wie die Handball-WM der Frauen 2017 bei uns in Deutschland oder im gleichen Jahr die Frauenfußball-EM in den Niederlanden, wo ich ebenfalls im Einsatz war. Das alles unter einen Hut zu bekommen ist natürlich nicht immer ganz leicht und man muss sich oft Prioritäten setzen. Von den Werder Handballerinnen habe ich aber trotz der zahlreichen Termine in all den Jahren höchstens zwei oder drei Spiele verpasst.

Der Jubel der Fußballerinne aus Österreich gehört zu den Lieblingsbildern von Oliver Baumgart (Foto: Hansepixx)

WERDER.DE: Hast Du ein Lieblingsbild, das du mal aufgenommen hast?

Olvier Baumgart: Grundsätzlich ist jedes Bild mein Lieblingsbild, das Geld bringt (lacht). Aber ich glaube, "das eine Foto" rauszupicken, ist aufgrund der Anzahl und der vielen tollen Motive und Emotionen, die ich in all den Jahren einfangen durfte, fast unmöglich. Ich erinnere ich mich aber gern an ein Spiel bei der Frauen-EM in den Niederlanden zurück. Während des Turniers hatte ich überwiegend die Mannschaft aus Österreich begleitet, weil viele Spielerinnen in der deutschen Bundesliga aktiv waren. Unter anderem übrigens Katharina Schiechtl von den Werderfrauen. Bei ihrer ersten EM-Teilnahme haben diese sympathischen Mädels so dermaßen erfrischend und erfolgreich aufgespielt, dass man eigentlich nur zum Fan werden konnte. Zudem haben die Mädels jeden Punkt und jeden Sieg so gefeiert, als hätten sie gerade bereits den EM-Titel geholt. Im Viertelfinale traf Österreich auf Spanien, das im Frauenfußball durchaus schon eine große Nummer ist. Es ging überraschend ins Elfmeterschießen und dort konnte sich Österreich tatsächlich durchsetzen und ins Halbfinale einziehen. Der anschließende Jubel war einfach nur ein riesiger Gänsehautmoment und wenn ich mir dieses Fotos voller Freude und Emotionen heute anschaue, läuft es mir immer noch kalt den Rücken runter. Das war und ist schon ein sehr besonderes Foto für mich.

WERDER.DE: Hast du denn einen Lieblingssport?

Olvier Baumgart: Handball ist da in jeden Fall ganz vorn mit dabei. Ich mag das Tempo, die Stimmung in der Halle und die vielen Tore. Und mir gefällt vor allem, dass die Teams sportlich und fair miteinander und auch mit den Schiedsrichtern umgehen. Auch als Fotograf fühle ich mich in der KDF-Halle immer sehr wohl. Die Verantwortlichen arbeiten alle sehr professionell und machen einem das Arbeiten leicht. Und die Spielerinnen sind auch alle sehr nett und grüßen einen, man fühlt sich eben wie ein Teil der Werder-Familie. Ansonsten schaue ich auch sehr gern Basketball. Dort finde ich besonders faszinierend, dass man eine Sekunde vor dem Ende mit zwei Punkte hinten liegen und das Spiel trotzdem noch gewinnen kann.

WERDER.DE: Welche Besonderheiten oder Herausforderungen hat der Handball beim Fotografieren?

Oliver Baumgart: Handball ist ein sehr schneller und dynamischer Sport. Es gibt häufige Richtungswechsel und dann kommt es plötzlich zu einem unerwarteten Abschluss. Den richtigen Moment in einer Spielsituation mit der Kamera zu erwischen, ist da nicht immer leicht. Eine Szene ist einfach wahnsinnig schnell vorbei und kommt in der Form auch meistens nicht noch einmal wieder. Und selbst, wenn das alles passt, ist die entscheidende Spielerin gerade im richtigen Moment gern mal von anderen Spielerinnen verdeckt. Wie bei allen Hallensportarten ist auch das Licht eine große Herausforderung. Für die Zuschauer auf der Tribüne mag eine Halle vielleicht gut ausgeleuchtet sein, eine Kamera ist da leider etwas anspruchsvoller und in vielen Hallen hat man ohne teures Profi-Equipment kaum Chancen auf qualitativ hochwertige Bilder.

 

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