Wer liesst denn noch heutzutage?

Dieses Thema im Forum "Off Topic" wurde erstellt von Schmolle, 24. Juni 2008.

Diese Seite empfehlen

  1. Ich bin aktuell wieder bei Comics. Doomsday Clock und Watchmen. Dazwischen gabs Ready Player One (sozusagen im Schlafrock)
     
  2. Und aus Anlass des Kaufs der Erstausgaben: Watchmen.
     
  3. The Sandman.

    Kinners, wie die zeit vergeht....
     
  4. "Mitglied der HJ" war kein Privileg. Das war der Normalfall. Kinder, die nicht der HJ bzw dem Bund Deutscher Mädel (BDM) angehörten, waren Außernseiter.
    Trautmann war durch sein sportliches Talent vermutlich privilegiert. Dennoch weiß ich nicht, wie Du darauf kommst, er hätte "sich selbst seiner Jugend beraubt". Er hatte nicht die Wahl, zur HJ zu gehen oder nicht. Er hatte nicht die Wahl, in den Krieg zu ziehen oder nicht. Sofern er nicht negativ auffallen und als "Volksverräter" dastehen wollte, musste er mit dem Strom mitschwimmen. Und als Jugendlicher, der gerade mal der Pubertät entwachsen ist, dürfte kaum jemand so gereift sein, um sein Handeln in langfristiger Hinsicht voll zu überschauen. Zumal in einer Zeit, in der keine andere Meinung als die der NSdAP erwünscht war.
    Sorry, aber Dein Kommentar verkennt einfach die Tatsachen...


    Gerade beendet: Graham Moore, "The Last Days of Night" (deutsch: "Die letzten Tage der Nacht"). Ein spannender Blick hinter die Kulissen des Wirtschaftskriegs zwischen Thomas Edison und George Westinghouse im Zuge der Elektrifizierung der Städte und Regionen der USA. Zentral ist der Prozess um das Patent der Glühbirne, das Edison eingereicht hat und das Millionen an Dollar verspricht (in den 1880er Jahren noch wesentlich viel mehr Wert als heute). Im Zuge dessen wird ein Bild der damaligen US-amerikanischen Gesellschaft zwanzig Jahre nach dem Bürgerkrieg durchaus überzeugend dargestellt.
    Ein paar Längen hat das Buch, ist aber insgesamt sehr lesenswert, da auch der Plot einige spannende Wendungen aufweist.
     
    Bremen und mezzo19742 gefällt das.
  5. Homo Deus (sowei den ersten Teil "eine kurze Geschichte der Menschheit")

    Kann ich sehr empfehlen.
     
  6. dieeeter

    dieeeter

    Ort:
    NULL
    Kartenverkäufe:
    +3
    punkt 1: ich habe nicht geschrieben, dass es ein privileg war, mitglied der hj zu sein, sondern dass mitglieder der hj privilegiert waren. du hattest zu beginn sehr wohl die wahl, zur pflicht wurde die hj erst später.

    punkt 2: er hat sich freiwillig(!) gemeldet und dass offenbar sogar gegen den willen seiner eltern:
    https://www.tagesspiegel.de/sport/b...alsches-spiel-mit-einer-legende/24052640.html
    https://www.zeit.de/sport/2010-06/wm-england-bert-trautmann
    der typ war ganz offenbar ein nazi und als solcher wurde er nicht seiner jugend beraubt, sondern hat sich das wenn dann nunmal selber angetan.
     
  7. Bremen

    Bremen Moderator

    Kartenverkäufe:
    +2
    :facepalm::facepalm::facepalm:

    Trautmann war in jungen Jahren offenbar ein Nazi. Doch bevor man ihm pauschal vorwirft, daß das er sich damit selbst seiner Jugend beraubt hätte, sollte vorab hinter die Fassade geblickt (z.B. mit Lesen dessen Biographie) bzw. nachgedacht werden, daß sich nur die wenigsten seiner Altersstufe dieser Gesinnung entziehen konnten:

    Als die braune Pest an die Macht kam, war Trautmann gerade ein neunjähriges Kind. Wie bitte sollte ein so junger Mensch in der Zeit heranwachsend zwischen politisch richtig und falsch differenzieren, wenn er die Demokratie zuvor nicht bewußt (bzw. nur als instabil) erlebte? Wie soll ein Heranwachsender erkennen, daß die von Schule und Propaganda indoktrinierten Ideologien von Nationalismus, Antisemitismus, Militarismus etc. in Wirklichkeit zu den größten Widerlichkeiten der Menschheit gehören? Solche Gehirnwäschen besonders bei Kindern und Jugendlichen gehören bis heute zu Systematik von totalitären Staaten, so daß der Nachwuchs um ihre Jugend beraubt wurde bzw. wird. So trat selbst die 2 Jahre vor Trautmann geborene Widerstandskämpferin Sophie Scholl trotz eines NS-kritischem Elternhaus als 13jähriges Mädel freiwillig dem BDM (ebenso wie ihr älterer Bruder Hans der HJ) bei, wo sie sich sogar zur Gruppenführerin hochdiente. Erst mit ca. 17 Jahren erkannte sie die Diskrepanz zwischen der NS-Propaganda und den christlich-liberalen Werten ihres Elternhauses dadurch, daß die aufgeklärten bürgerlichen Eltern (Robert Scholl war Steuerberater und Wirtschaftsprüfer) mit ihren Kindern über die abscheulichen Gesinnung der Nazis sprachen.

    Wer die Biographie von Bernd Trautmann gelesen hat, weiß, daß er nicht über einen solchen "Input" wie z.B. die Geschwister Scholl verfügte, um vorzeitig seine Weltanschauung zu überdenken, denn sein Vater war ein einfacher Arbeiter, der Doppelschichten in einer Düngerfabrik im Hafen schob.
    So kamen ihm erst mit fortgeschrittener Kriegsdauer sukzessive Zweifel über das Regime - besonders als in dem Moment als er mit Kameraden zufällig beobachtete, wie SS-Angehörige jüdische Zivilisten hinrichteten - welchem er lange mit Überzegung diente und wobei er vermutlich auch Unrecht tat. Dennoch muß man ihm zugutehalten, daß er bei der Machtergreifung der Nazis noch ein Kind gewesen ist und somit nicht zu den Steigbügelhaltern dieser unmenschlichen Diktatur, sondern vom selbigen indoktriniert und instrumentalisiert wurde. Menschlichkeit von und zu Menschen anderer Herkunft, Religon etc. erlebte Trautmann erst ab Ende des Krieges von den englischen "Feinden", wodurch er zu einem selbstkritischen, geläuterten Menschen und ihm bewußt wurde, wie sehr ihn dieses menschenverachtende System verblendete, vereinnahmte und ihm somit seiner Jugend beraubte.
     
  8. Cyril Sneer

    Cyril Sneer

    Ort:
    Duisburg
    Kartenverkäufe:
    +5
    Nein, Nazi ist vor allem vor `45 immer gleich Nazi! :opa:
     
  9. dieeeter

    dieeeter

    Ort:
    NULL
    Kartenverkäufe:
    +3
    ich kritisiere trautmann nicht dafür, dass er als kleiner bubi dem jungvolk beigetreten ist, ich stelle lediglich infrage, dass er seiner jugend beraubt wurde. einen großteil seiner jugend wird er vermutlich, wie geschrieben, als guter sportler und mitglied der hj bzw. des jungvolks ziemlich privilegiert verbracht haben (auf kosten anderer!), mit 17 hat er sich dann freiwillig und lt. eines berichts des tagesspiegels gegen den willen der eltern zur wehrmacht gemeldet. und selbst nach dem krieg war er ja anscheinend noch der meinung, hitlers herrschaft hätte ja auch gute seiten gehabt. da passt die opferrolle irgendwie nicht.
     
  10. Dann müssen wir darüber diskutieren, was "seiner Jugend beraubt wurde" bedeutet. Wenn man seit dem Alter von 9, 10 Jahren weitgehend fremdbestimmt und von dafür ausgebildeten Jugendgruppenführern mit dem Gift des NS-Regime indoktriniert wird, dürfte man wohl die Jugend nicht als unbeschwert erlebt haben in dem Sinne, dass es keine Denkverbote gab und man ungezwungen das tun konnte, was man tun wollte.

    Was sollen denn diese Privilegien gewesen sein? Dass er als erster in der Reichsprogromnacht die Geschäfte von Juden plündern durfte?

    Überleg mal. Ein Jugendlicher ist in der HJ. Er bekommt die volle Breitseite der NS-Propaganda ab. Ein Teil dieser Propaganda war es auch, den Jugendlichen beizubringen, dass ihr Einsatz die Wende zum glorreichen Sieg im "Totalen Krieg" bringen könne. Und wenn aus seiner Einheit der HJ sich einer nach dem anderen meldet, entsteht ein Gruppenzwang. Rationales Denken wurde jedenfalls in der HJ nicht propagiert.
    Und dass die Eltern dagegen waren, dass ihr Sohn zur Wehrmacht geht, lag wohl weniger an ideologischen Bedenken als an der Angst, dass er fallen könne, wie so viele andere Kinder von Freunden und Bekannten.

    Bis in die 60er Jahre war es in Deutschland weit verbreitet, dass die Hitler-Zeit "etwas gutes gehabt" hätte. Das wurde erst mit der 68er Bewegung hinterfragt und schließlich als Illusion entlarvt. Wobei es auch heute nicht wenige gibt, die etwa Hitlers Autobahnsystem als Errungenschaft wahrnehmen. Auch wenn dieses hauptsächlich dazu dienen sollte, Truppen- und Waffentransporte innerhalb des Dritten Reichs einfacher zu machen.

    Es fällt immer sehr leicht, aus einer Position mehrere Jahrzehnte später Kritik zu üben. Ohne die Verhältnisse und Gegebenheiten der damaligen Zeit wirklich zu kennen. Insofern wäre ich mit solchen Unterstellungen stets sehr vorsichtig.
     
    Cyril Sneer gefällt das.
  11. Cyril Sneer

    Cyril Sneer

    Ort:
    Duisburg
    Kartenverkäufe:
    +5
    Vor allem zum letzten Satz vollste Zustimmung.
    Heute hauen Leute die Sätze schön locker bequem von der Couch raus.
    Dabei war keiner.
    Analog zu der DDR,was ist denn die Alternative?
    Hier ist es ein Bengel,der nichts anderes kennt und mit Pauken und Trompeten sich der falschen Sache anschließt auf der anderen Seite Familienväter,die auch schlicht aus Angst um ihre Familie sich dieser Scheisse abschließen.
    Alle bekommen den Stempel Nazis und gut is.
    Jemand selbst hätte naturlich Alles riskiert um diesen Wahnsinn aufzuhalten.
    Herzlichen Glückwunsch.
     
  12. dieeeter

    dieeeter

    Ort:
    NULL
    Kartenverkäufe:
    +3
    was anderes fällt dir nicht ein? :denk:
    ja und? dass jemand erst gräueltaten im krieg miterlebt und danach dann sagt, dass der nationalstolz beispielsweise ja aber was gutes war, was das hitler regime gebracht hat, war vielleicht auch einfach zeitgemäß. das machts aber nicht besser. ebenso wie, dass er nicht der einzige aus der hj war, der sich freiwillig zur wehrmacht gemeldet hat, ihn nicht zu einem opfer des regime macht. dann kommt man nämlich am ende an den punkt, dass die meisten deutschen ja irgendwie eher opfer denn täter waren. war halt zu der zeit so, was hätte man denn machen sollen?
     
    Zuletzt bearbeitet: 19. September 2019
  13. Hui, selbe Argumentation wie sie in England vor dem berühmten Spiel in Bezug auf Bert Trautmann über ihn geführt wurde.

    Habe zwei sehr wundervolle Kurzgeschichten Bände bekommen "secret europe " und "inner europe "
     
  14. Ich sehe gerade daß mein alter Freund Sir esq Flashmann hier im Strang postete.
    Ich bin zutiefst gerührt, euer Gnaden!
     
  15. Als nächstes oder übernächstes Buch lese ich mir "vor dem Fest "