Wer liesst denn noch heutzutage?

Dieses Thema im Forum "Off Topic" wurde erstellt von Schmolle, 24. Juni 2008.

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  1. Oh ja, die Schweden! Vor allem die, die eigentlich Finnen sind, oder zumindest als solche behandelt werden.

    Wozu fuehrt uns das? Mikael Niemi "Populaermusik aus Vittula". Und nein Schmolle, dieses Mal bitte nicht in Originalfassung.
    :grinsen: (Scheisse, diese giftigen Smilies hier ueberall...)

    Das Buch ist ganz grosses Tennis, wurde in punkto Intensitaet von dem dazugehoerigen Film nie erreicht. So ehrlich und schmutzig, und dabei doch ungemein tiefsinnig. Seit ich dieses Buch gelesen habe, will ich unbedingt nach Tornedal.
     
  2. @ Kink
    Ich hab das Buch gelesen, weil das aber auch schon 5 Jahre her ist, weiß ich gerade nicht so ganz genau was du meinst.
    Du meinst nicht die Geschichte mit dem Tiger auf dem kleinen Rettungsboot, sondern eine Geschichte vor der Auswanderung?
    Ich fürchte du musst mir noch ein klein wenig mehr auf die Sprünge helfen, zu viele Romane zwischen dem Buch und heute :D
     
  3. @untersommer
    Nicht so ne gehässigen Untertöne bitte :D
    Nen Finnen im Original zu lesen, würde mir Respekt abnötigen. Bin froh, nicht in Tampere geboren worden zu sein!
     
  4. Dann könntest Du aber (hoffentlich) 'nen Finnen im Original lesen! :D

    An Sjöwall / Wahlöö mag ich zum Beispiel die manchmal geradezu unerträglich wirkende lakonische Gelassenheit und Unaufgeregtheit der Erzählweise, verbunden mit dem "Vermied" auf reißerische Action!

    Das hat was! :tnx:
     
  5. Nochmal zu Schweden. Weiß nicht, ob Larsson bekannt ist... Leider wird nichts mehr kommen, weil er an einem Herzinfarkt verstorben ist. Was ist das besondere: Vielleicht eine Verbindung von Gegensätzen auf hohem literarischem Niveau:: Ein logischer, glasklarer Handlungsaufbau und gleichzeitig entfaltet sich zwangsläufig so ein Sog des Verstricktseins, Schuldig Werdens, Rächens und Befreiens. Tiefe Themen das aber in einer modernen Welt und mit klaren Szenarien.
    Die beiden Haupt-Charaktere sind herrlich unsentimental, unmystisch, dafür aber abgründig, unberechenbar und geben einfach nicht auf. Die aufgeworfenen Themen sind kritisch und die Figurenhaltungen fordern in ihrer 'Kompromisslosigkeit' auch heraus, was ja nicht so typisch für einen Krimi sein muss. Sicher auch, weil sie um das 'Gute' Ringen, schonungslos Korruption aufdecken und dabei selber - jeder/jede für sich auf andere Art - ambivalente Typen sind. Schwierig auf den Punkt zu bringen. Vielleicht habe ich länger nichts 'kriminelles' gefunden, wo gesellschaftskrit. Haltungen der Figuren auf mich wahrhaftig wirken. Sie sind keine Ausnahmegeschöpfe aber erfrischend eigenwillig. Weil sie etwas verstehen wollen, immer wieder was ist, in Frage stellen. Mankells Helden kommen ja in den beiden letzten auch so aus dem Alltag heraus, etwas passiert und sie lassen sich sympathisch besessen auf einen riskanten Weg ein, weil sie ein Verbrechen aufklären wollen bzw. müssen, eben nicht anders können.

    Larsson schafft eine geniale Komplexität über drei Romane hinweg bis hin zur Auflösung. In jedem Teil werden neue Weichen gestellt, andere Situationen entwickelt und etwas völlig Überraschendes passiert. Ich hatte nie das Gefühl, es nutzt sich ab, ich bin gesättigt etc., das eigene Involviertsein, die Spannung hat mich bis zum Schluß und länger festgehalten.
     
  6. Gerade ausgelesen:

    "Die Letzten ihrer Art" von Douglas Adams. Adams besuchte im Auftrag der BBC die abgelegensten Regionen der Erde, um vom Aussterben bedrohte Tiere zu finden, die wirklich "letzten ihrer Art". Ein sehr kurzweiliges und humorvolles, aber auch traurig und nachdenklich machendes Buch. Sehr zu empfehlen!
     
  7. Kink

    Kink

    Ort:
    Am Meer
    @schmolle:

    Ja, lesen Sie Schiffbruch mit Tiger! Das Buch lohnt sich sehr, allein wegen der Buchgestaltung schon...


    @donHawk:

    Ich spreche von dem Ende der Geschichte, als der Junge, nachdem er gestrandet ist, von Japanern "vernommen" wird und er ihnen zunächst die Geschichte erzählt, wie sie im Buch steht. Sie zweifeln diese Geschichte jedoch an, woraufhin er eine alternative Geschichte erzählt. Eine, die plausibler und letztlich wohl die wahre Geschichte ist, jedoch auch fast unerträglich grausam. Der Schiffbrüchige fragt daraufhin die Japaner, welche Geschichte denn die bessere sei. Sie entscheiden sich für die Geschichte mit dem Tiger. Daraufhin sagt der Junge: "Danke. Und genauso ist es mit Gott."

    Das ist der Clou der Geschichte. Ich möchte einfach nur sichergehen, ihn richtig zu verstehen. Sollte meine Interpretation von oben richtig sein, finde ich ihn nämlich ziemlich platt und irgendwie enttäuschend.
     
  8. Da hier scheinbar einige Leseratten unterwegs sind, werfe ich gerne mal eine Frage in den Raum: als kleiner "Piratenfetischst" seit kleinauf interessiere ich mich für Piratenromane. Kennt da jemand ein lesenswertes Buch? Trotz längerem Suchens habe ich damals eigentlich nix gefunden.

    Bis dato habe aus diesem Genre eigentlich nur Captain Blood von Rafael Sabatini gelesen und fand es klasse. (Stevensons "Die Schatzinsel" klammer ich mal aus...)
     
  9. @Kink
    Ahh, ja jetzt weiß ich was du meinst.
    Das Ende ist natürlich äußerst befremdlich. Man kann es aber auch so sehen: Obwohl die andere Geschichte unlogischer und an den Haaren herbeigezogen klingt, kann sie trotzdem wahr sein. Die Wahrheit muss nicht immer auf der Hand liegen wie die grausame Geschichte am Ende. Das wäre dann gleichbedeutend mit Gott/Religion, der ja in der heutigen Zeit auch für manche, die sich eher an Naturwissenschaften halten, auch leicht an den Haaren herbeigezogen scheint. Also wäre Gott die Tigergeschichte (ne schöne Geschichte die aber leicht unlogisch und erfunden rüber kommt) und Naturwissenschaft die grausame Geschichte (Evolution etc. alles logisch aber nicht so schön und flauschig angenehm wie sich einfach an eine höhere Macht an zu vertrauen).
    Ich habs jedenfalls so verstanden, und ich hoffe ich habs halbwegs erklären können.
    Den Roman kann ich übrigens genauso empfehlen. Es bietet sehr viel verschiedenes. Man kann es einfach als spannende schöne Geschichte lesen, oder sich in die Religion/Mystik/Philosophische Ebene des Romans versteigen wie hier gerade.
     
  10. Kink

    Kink

    Ort:
    Am Meer
    @ Patkaz

    Nein, Piraten direkt nicht, aber das von mir just vorgestellte Buch Schiffbruch mit Tiger spielt zumindest auf dem Meer, und ebenso maritim geht es in Goulds Buch der Fische von Richard Flanagan zu (Berlin Verlag).

    Ein grandioses Buch, ich würde mich fast dazu versteigen es "Meisterwerk" zu nennen. Es spielt auf Tasmanien, dieser Australien vorgelagerten Insel, die im 19. Jahrhundert als britische Strafkolonie diente.

    In einer Zelle, die jede Nacht vom Ozean geflutet wird, sitzt William Buelow Gould, ein Künstler (übrigens eine historische Person) und schreibt seine Geschichte mit Fischblut oder Kot auf Zettel, die er zwischen den Steinen der feuchten Zellendecke versteckt. (In der gebundenen Ausgabe sind die Letter in der Farbe der jeweils benutzten "Tinte" gedruckt. Rot für Blut, braun für Kot etc...)
    Und die Geschichte des William Buelow Gould ist eine Geschichte voller Suff und Ausschweifung, prallen Lebens, Lug und Trug, Einbildung und Wahn, größten Glücks und fürchterlichen Elends. Sie ist die Geschichte Tasmaniens. Eine verworrene, intelligente, leidenschaftliche Satire auf die "dunkle" Vergangenheit dieser Insel.

    Man kann gar nicht anders, als ständig den Faden zu verlieren, denn Flanagan kümmert sich wenig um konventionelle Erzählmuster. Dieses Buch zieht einen ganz tief in seine fantastische Welt und am Ende bleibt eigentlich nichts übrig, nur das Gefühl, dass dieses Buch ein Schatz ist. Vergleichbar nur mit einem ordentlichen Gelage unter guten Freunden. Ein rührender Rausch.

    Ich würde sagen, von allen Büchern, die ich in den letzten Jahren gelesen habe, kommt das einem Piratenroman am nächsten.
     
  11. Kink

    Kink

    Ort:
    Am Meer
    @Patkaz

    Ach, und bevor ich es vergesse:

    Wenn Sie wie ich ein Comic-Freund sind, dann sollten Sie sich "Falken der Meere" vom legendären Altmeister Will Eisner nicht entgehen lassen. Klassische Piratenstorys, erdacht und gezeichnet von Eisner himself, damals unter dem Pseudonym "Willis Rensie". Die englischsprachige Ausgabe heißt "Hawks of the sea". Ich besitze nur einen zweiten Teil, deshalb weiß ich nicht, wie viele Bände insgesamt in Deutschland erschienen sind. Jedenfalls hat die "Comicothek" in Wien das ganze 1991 deutschsprachig aufgelegt und ich bin mir sicher, dass Ebay ein Paar Exemplare für sehr wenig Geld zu bieten hat.

    Will Eisner gehört zu den besten Geschichtenerzählern der Comicgeschichte und ich habe bis heute keinen besseren Zeichner gelesen! Diese Piratenstorys von 1937 waren die erste große Serie für ihn, aber nichtsdestotrotz sind sie wunderbar ausgestaltet und für Piratenfans bestimmt genau das Richtige! Man würde nie darauf kommen, dass sie schon siebzig Jahre auf dem Buckel haben.
     
  12. @ Kink: Danke für die Tipps!
     
  13. gelöscht

    gelöscht Guest

    Ort:
    NULL
    Ich stelle mir gerade wieder einmal eine kleine Buchbestellung zusammen. "Ilias und Odyssee" von Jens Walter ist dabei. Sein Ost-Kollege, Empfehlung von Koschnik, wenn ich mich nicht irre, ist leider vergriffen. Dazu zwei philosophisch angehauchte Büchlein über Architektur im weitere Sinne, "Ins Leere gesprochen" von Adolf Loos und "Architektur Denken" von Peter Zumthor. Wenn schon kopflastig, dann auch richtig. Dazu also noch "Der Weg der leeren Hand" von Joe Hyams und "Shaolin" von Bernhard Moestl mit netten Kampfkunstgeschichtchen, wie ich hoffe. Um das alles überhaupt lesen zu können, kommt noch "Visual Reading" von Christian Grüning drauf. Puh... Könnte teuer werden.

    MfG/d.na
     
  14. @d.na:
    Also: erstens heißt der Mann Walter (Vorname) Jens (Familienname), zweitens ist der "Ost-Kollege" der leider zu früh verstorbene Franz Fühmann (der sich mMn wesentlich besser liest - aber das ist Ansichtssache) und drittens empfehle ich dringend die Anschaffung und/oder Lektüre von "Kempo - Die Kunst des Kampfes" von Dr. Alexander Dolin. Vormals im Sportverlag Berlin (Ost) erschienen, sollte es das Teil im Antiquariat oder bei amazon.de geben ...
     
  15. gelöscht

    gelöscht Guest

    Ort:
    NULL
    Siehste mal, dann steht der hier falsch in meinem Verzeichnis. Franz Führmann war auch nach deiner Empfehlung mein Favorit. Da ich aber die Bücher über meinen Verlag bestelle, kann ich nur aktuelle Ausgaben beziehen. Sollte mir Walter Jens nicht gefallen, werde ich mich im Antiquariat umsehen. "Kempo" hört sich ad hoc etwas zu wissenschaftlich an. Aber das kann ja noch kommen - zumal es noch erhältlich ist.

    MfG/d.na
     
  16. @all
    Schön wie hier gefachsimpelt wird. :tnx:

    Bin im Moment beruflich etwas eingespannt - werde aber alsbald meinen Teil wieder beitragen!
     
  17. Kann mir hier jemand vielleicht eine Hilfestellung geben, um in Nabokovs "Ada" hineinzukommen? Habe das Buch geschenkt bekommen und bin mehr als willens, mich hineinzulesen. Beim zweiten Anlauf habe ich die Lektüre aber wieder nach ein paar - wenigen - Seiten abgebrochen.

    Muss man erst einmal unverzagt weiterlesen, erschließt sich der Roman nach anfänglichem Widerstreben?
     
  18. Kink

    Kink

    Ort:
    Am Meer
    @stiltskin

    Ich habe Ada nicht gelesen, kann Ihnen aber sagen, dass es Zeitverschwendung ist, Bücher zu lesen, mit denen man nichts anfangen kann.
    Warum sollte man das tun? Man löffelt doch auch keine Suppe aus, die einem nicht schmeckt! Nur, weil es ein Geschenk ist?

    Lesen Sie erstmal etwas anderes. Irgendwann sind Sie vielleicht in der Stimmung für Nabokov. Wie soll man Ihnen denn helfen, es zu lesen?
    Es ist meines Wissens ein erotischer Philiosophieschinken, oder umgekehrt ein philosophischer Erotikschinken mit Geschwisterliebe und solchwelch unerbaulichen Intimitäten. Muss man einfach für bereit sein. Ich lese manchmal 2-3 Bücher gleichzeitig. Wenn das eine nicht flutscht, nehm ich mir das andere vor. Vielleicht sollten Sie es so versuchen.

    Wenn Ihnen ein Buch aber schlicht nichts sagt, dann lassen Sie es. Dann wurde es nicht für Sie geschrieben. Pech für den Autor.
     
  19. @kink

    Man muss mich wirklich nicht siezen. Vor allem nicht in einem Forum.

    Ich finde nicht, dass es Zeitverschwendung ist, Bücher zu lesen, mit denen man - zunächst - nichts anfangen kann. Bei manchen Büchern braucht man eine Zeit, bis man hineinkommt, dann "rollt" die Lektüre und man ist froh, dass man zunächst durchgehalten hat. Manchmal hat ein Buch auch ein paar Längen in der Mitte. Aber deswegen gebe ich es doch nicht auf - täte ich das, wäre ich um einige schöne Lektüreerfahrungen ärmer.

    Meine Bitte um Lektürehilfe war auch weniger ein Wunsch nach Erklärung, sondern vielmehr der Wunsch danach, dass mir jemand, der "Ada" gern gelesen hat, erklärt, ob es ihm/ihr beim Lesen ähnlich gegangen ist wie mir.

    Mehrere Bücher nebeneinander lesen, das mache ich auch oft, dabei kommt es für mich aber auch auf die Bücher selbst an. Manche erfordern volle Aufmerksamkeit, andere fühlen sich in der Gruppe wohler.
    Im Moment gehe ich - bildlich gesprochen - mit Kerkeling den Jakobsweg ab - da störte mich eine Ablenkung nur...