Erdbeben und Tsunami in Japan

Dieses Thema im Forum "Off Topic" wurde erstellt von werder-w, 11. März 2011.

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  1. Felissilvestris

    Felissilvestris

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    Wird drauf ankommen wie hoch die Strahlenwerte tatsächlich sind. Eine "erhöhte Strahlung" sagt ja nun noch nicht viel aus. Selbst die natürliche Strahlung variert von Ort zu Ort auf diesem Planeten extrem.

    Wenn man den bisherigen Berichten glauben schenken darf und sich die Lage jetzt stabilisiert, dann dürfte man dort tatsächlich mit einem "blauen Auge" davon kommen.
     
  2. Naja, es wird vor der Benutzung des Leitungswassers als Trink- und Brauchwasser gewarnt. Die japanische Regierung stellt Trinkwasser aus LKWs bereit.
    Aber hoffen wir, dass das da halbwegs gut geht.
     
  3. Doch, auch auf die Antwort darauf, denn dass das Risiko bei Betrachtung eines Einzelereignisses sich zusammensetzt a) aus der Eintrittswahrscheinlichkeit für ein betrachtetes Ereignis und b) den Auswirkungen bei Eintreten des Ereignisses (Risikoformel) ist ja mittlerweile Allgemeingut, welches m. E. bei der Bewertung der Atomtechnologie bei bestimmten Damen und Herren der Schöpfung argumentativ unzureichend berücksichtigt wird. Dass das zeitlich und räumlich ausgedehnte Schadensausmaß sehr groß ist erkennst Du z. B. auch daran, das Versicherungen, die doch eher nüchtern kalkulieren und auch sonst ohne große ideologische Vorbehalte operieren, nicht bereit sind, die Risiken deutscher Atomkraftwerke zu versichern, da das Risiko hierfür - als Rechenexempel - einfach zu groß ist (es gibt zwar Haftpflichtversicherung für Atomkraftwerke, doch sind diese auf die Summe von 256 Millionen EUR begrenzt). Es ist wie bei der Bankenkrise: Die Risiken und Schäden werden sozialisiert, die Gewinne privatisiert. Wenn man die Risiken der Atomwirtschaft versichern müsste, wäre der Atomstrom für den Konsumenten wahrscheinlich kaum noch bezahlbar. Darüber hinaus gibt es natürlich noch eine Menge ethischer Gesichtspunkte, die man bei einem zeitlich und räumlich ausgedehnte Schadensausmaß berücksichtigen muss, doch dies lass ich jetzt erst mal außen vor.
     
  4. Felissilvestris

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    Nüchtern betrachtet musst du dann auch alle Chemiefabriken dicht machen. Schließlich ist die größte Indsutriekatastrophe unserer zeit Bhopal gewesen. Hier reden wir von Opferzahlen bis 25 000, die sofort gestorben sind und bis zu 500 000 "Verletzten", die ebenfalls unter den Spätfolgen leiden.
     
  5. Die Gefahr, die für die Menschen durch einen Super-Gau in einem

    Atomkraftwerk ausgehen könnte, ist unkalkulierbar. Und das erzeugt

    begründete Angst.

    Wenn solche Angst den Forschungs- und Entwicklergeist antreibt,

    sollte man den doch wohl fördern. Ich sehe darin mehr die Chancen

    als Nachteile : Diese Entwicklung würde einen Fortschritt bedeuten.
     
  6. Sehe ich genauso. :tnx:
    Jeder Fortschritt in der Entwicklung hat seine Opfer gefordert.
     
  7. Felissilvestris

    Felissilvestris

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    Das Risiko, welches von AKWs ausgeht, ist sehr wohl kalkulierbar. Genauso wie das Risiko, welches von jeder Technologie ausgeht. Angst entsteht dadurch, dass die Leute nicht richtig infromiert sind.
    Fragt mal bei den führenden Photovoltaikherstellern nach, wo deren Zulieferer sitzen. Und dann überlegt mal, warum ich das Beispiel Bhopal gebracht habe. Nüchtern betrachtet hat die chemische Industrie in den letzten 60 Jahren mehr Landstriche verseucht und Menschen getötet, als die Atomenergie.
     
  8. Wenn man die Merkmale neuer qualitativer Risiken zugrunde legt (verheerendes Schadensausmaß, räumlich weit ausgedehntes Schadensausmaß, zeitlich weit ausgedehntes Schadensausmaß, Irreversibilität der Folgewirkungen, Multi- und Interkausalität, Komplexität, fehlende sinnliche Wahrnehmbarkeit sowie fehlende statistische Erfahrungsbasis bei erwartet sehr niedriger Eintrittswahrscheinlichkeit), dann zählt wohl nur die Atomtechnologie und die Gentechnologie zu den Techniken mit qualitativ neuen Risiken. Chemiefabriken stellen eher Techniken mit einem Mix aus alten und neuen Risiken zur Verfügung.

    Bhopal ist ein Beispiel für mangelndes Verantwortungsbewusstsein bei den beteiligten Akteuren: Zu einen hat man aus finanziellen Gründen die Fabrik in ein Niedriglohnland mit sehr geringen Sicherheitsvorschriften gelegt, zum anderen waren die Sicherungssysteme technisch mangelhaft oder nicht im Betrieb; selbst wenn die installierten Sicherungssysteme funktioniert hätten, wäre der Unfall nicht verhindert worden, da sie für einen derartigen Störfall nicht ausgelegt waren. Mittlerweile sind mehrere Manager des Unternehmens wegen fahrlässiger Tötung verurteilt worden. Die Folgen für die Menschen waren und sind verheerend: Neben den vielen Toten gehören vor allem Lähmungen, Erblindungen, Hirnschäden, Unfruchtbarkeit, Fehlbildungen an Neugeborenen, Wachstumsstörungen bei Heranwachsenden, Lungenödeme sowie Nieren-, Leber-, Herz- und Magenleiden zu den Folgewirkungen des Unglücks. Die Haftung war natürlich mangelhaft und die Entschädigung der Opfer ist bis heute sehr bescheiden.

    Menschliches Versagen vor dem Hintergrund wirtschaftlicher Interessen ist auch bei dem Betreiben von Atomkraftwerken ein nicht zu unterschätzendes Tatbestand. Die Atomkraftwerke in Fukushima wurden von den Betreibern, wie sich jetzt herausgestellt hat, über Jahre nicht ordnungsgemäß gewartet und ich frage mich, wenn in einem der technisch fortschrittlichsten Ländern selbst die elementarsten sicherheitstechnischen Voraussetzungen nicht gewährleistet werden können, wie man dann noch vor dem Hintergrund des hohen Schadenausmaßes ernsthaft für Atomkraft sein kann. Hinzu kommen die enormen volkswirtschaftlichen Kosten dieser Technologie, die mangelnde Haftung etc.
     
  9. Die Rechnung, die zur Wahrscheinlichkeit eines " Super-Gaus " in

    einem AKW führt, ist eine ganz andere, als die, welche die Folgen

    eines eingetretenen " Super Gaus " errechnen will.

    Wir müßten alle Faktoren kennen. Die können wir aber nicht alle kennen.

    Das Andere ist eben die Chance, die diese Bedrohung eröffnet :

    Angst ist eine Triebfeder, die enormen Fortschritt bewirken kann.
     
  10. Felissilvestris

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    "Kann" ist das entscheidende Wort. Angst kann Fortschritt auch verhindern. Siehe den Beitrag über dir. Da wird schon die nächste Panik geschürt: Die vor der Gentechnik. :rolleyes:
     
  11. Der Autor stellt aber doch nur nüchtern fest, daß die Gentechnologie

    eine neue, uns unbekannte Qualität des Risikos birgt.
     
  12. Es geht nicht um Panik, sondern um Merkmale neuer Risiken, die durch neue Technologien entstehen und die damit verbundene Auseinandersetzung mit dem Phänomen Zukunft – mit solchen schlichten Unterstellungen wie Panik und Fortschrittsfeindlichkeit wirst Du der Debatte einfach nicht gerecht.
     
  13. Felissilvestris

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    Wenn es um eine neue Qualität der Risiken geht, dann kann man schlicht die Atomenergie dort nicht mit einbeziehen. Die Risiken sind seit Jahrzehnten bekannt, die von der Atomenergie ausgehen können.


    Die Atomenergie ist mitnichten eine "neue Technologie". Und die Risiken sind auch seit Jahrzehnten bekannt. Auch ist die Atomenergie in seiner jetzigen Form keine "Zukunftstechnologie". Zukunft wäre vielleicht irgendwann einmal die Kernfusion. Aber da sind wir noch lange nicht soweit, auch weil die Forschungsanstrengungen fehlen, aufgrund der ablehnenden Haltung gegenüber allem, was mit "Atom" oder "Nuklear" zu tun hat.
    Und hier geht es schlicht um Aufklärung. Und da ist auch jeder mal selbst gefragt sich die Mühe zu machen, anstatt sich in den Herdentrieb einzureihen. Die genaue Wirkweise auf den menschlichen Körper - Giftigkeit - von Cadiumtellurid ist noch nicht mal ausreichend erforscht. Dennoch wird das Zeug in einem Haufen Photovoltaikanlagen als Halbleiter verbaut.
    Nur es geht in der ganzen Diskussion nicht um eine sachliche Ebene, sondern um irrationale Ängste, weil man damit einen wirtschaftlichen oder politischen Vorteil erringen möchte. Und dann bringt man es auf eine einfache Formel:

    Atom = böse
    Solar = gut
     
  14. Felissilvestris

    Felissilvestris

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  15. Hey, das ist richtig!:tnx:

    (Sorry Felis, konnte mir die klare und unverschämte Verkürzung deines Beitrags nicht verkneifen!)
     
  16. @ Felissilvestris
    Die Atomenergie weißt alle Merkmale qualitativ neuer Risiken auf, auch wenn die Technologie nicht mehr ganz in den Kinderschuhen steckt. Deine Antwort geht ansonsten weitestgehend an dem vorbei was ich geschrieben habe. Sich selber als Aufklärer hinzustellen, der das sachlich Richtige erkannt hat, während die Skeptiker der Atomtechnologie irrational Verängstigte sind, die über Information aufgeklärt werden müssen, kann nur noch als Ausdruck eines naiven Rationalitätsmythos und blinden Fortschrittglaubens gedeutet werden, der sich einer argumentativen Auseinandersetzung mit dem komplizierten Verhältnis von Mensch, Welt, Technik, qualitativ neuen Risiken und Zukunftsverantwortung verweigert. Wenn dann auch noch die Risiken der Solartechnologie mit denen der Atomtechnologie suggestiv auf eine Stufe gestellt werden, dann frag ich mich ernsthaft, über was hier eigentlich geredet wird.
     
  17. koH

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    7,4 und es droht ein neuer Tsunami :eek:
     
  18. danixx13

    danixx13

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    Waren die Nachbeben nicht auch so um die 7.0?
     
  19. Bei der Tsunamigefahr kann mittlerweile Entwarnung gegeben werden.