Erdbeben und Tsunami in Japan

Dieses Thema im Forum "Off Topic" wurde erstellt von werder-w, 11. März 2011.

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  1. Hast Du da genauere Zahlen bzw. Infos? Mir gehts da ähnlich wie LaraLara, ich hab keine Ahnung von der Materie. Wenn es bisher immer hieß "Wir haben AKW xy abgeschaltet wg. technischer Probleme", dann hätte das also noch mehrere Tage lang trotzdem hochgehen können, wenn die Kühlung versagt hätte? Wie lange brauchen denn aktive Brennstäbe, bis sie sich von selbst abgekühlt hätten?

    Man beschäftigt sich irgendwie viel zu wenig mit dem Thema. Wahrscheinlich, weil einem dann nur unwohl werden würde.
     
  2. Werdiknight

    Werdiknight Guest

    :tnx:

    Bis dato fehlten mir doch noch etwas die Worte, meinem Empfinden diesbezüglich Ausdruck zu verleihen. Du hast sie mir hiermit vorweg genommen.

    Völlig richtig. Es gibt keine absolute Sicherheit. Die gab es nie und wird es nie geben. Auf so etwas gewaltiges wie in Japan geschehen, kann man sich kaum vorbereiten. Was man für uns Mitteleuropäer aber wohl zumindest weitestgehend ausschließen kann, ist, dass Naturkatastrophen ähnlichen Ausmaßes wie nun in Japan zu ähnlichen Vorfällen in unseren AKWs führen könnten.

    Da gibt es eher andere denkbare Szenarien. Das Thema "Terroranschlag" wurde ja zu recht schon angesprochen.



    Zum Thema Informationspolitik mancher Medien, die explizit ausführlich über potentielle deutsche Opfer berichteten, möchte ich noch kurz etwas sagen. Ich sehe dies ähnlich wie Lonewolff und empfand manches, was zu lesen/ hören war auch etwas sehr selbstbezogen und vor allem auch recht taktlos den vielen Opfern gegenüber.

    Für mich kommt hier erschwerend hinzu, dass das Argument der Information etwaiger Angehöriger hier zu Lande mir massiv überschätzt scheint. Ich verstehe natürlich, wenn man sich in diesem Fall große Sorgen macht, wenn man selbst Angehörige im Gefahrengebiet hat, sehe aber keinen Wert in diesen vorschnellen Meldungen. So grausam dies zu konstatieren ist: Weite Teile des Nordosten Japans gleichen einem Schlachtfeld und niemand kann nun auch nur erahnen, wie viele Menschen dort wirklich betroffen sind. Diese Katastrophe hat doch vor allem auch aufgrund ihres Domino-Effektes dermaßen große Ausmaße, dass es mMn einfach nicht seriös ist, zum jetzigen Zeitpunkt vollkommen auszuschließen, dass unter den Opfern auch Deutsche sein könnten.

    Alleine die Tatsache, dass kein bisher geborgenes Opfer Deutscher ist, sagt da mMn überhaupt nichts aus. Dies ist mir persönlich viel zu spekulativ. Da könnte man ebenso darauf vertrauen, dass die Anzahl der Opfer auch nur ansatzweise in den Bereichen bleiben würde, die nun spekuliert werden. Ich gehe davon aus, dass es v.A. auch durch die teils zerstörte Infrastruktur noch eine ganze Weile dauern wird, bis man einen groben Überblick über das ganze Ausmaß dieser Katastrophe haben wird. Wie gesagt: Auf SO ETWAS ist niemand vorbereitet, nicht einmal eine solch hochtechnisierte Nation wie die japanische.

    Einfach schrecklich, diese Geschichte.... man kann nun nur noch hoffen, dass nicht noch eine große, umfassende Atomkatastrohe im Landesinneren ins Haus steht. Denn wie in der derzeitigen Situation Hunderttausende, geschweigedenn Millionen Japaner evakuiert werden sollen, kann ich mir beim besten Willen nicht vorstellen. :(
     
  3. Das Problem liegt in der Nachzerfallswärme, die von den Brennelementen ausgeht. Diese Wärme kann die Brennelemente zum Schmelzen bringen, wenn kein Kühlmittel vorhanden ist.
    Das geschmolzene Material sammelt sich am Boden des Reaktors und kann sich durch dessen Wände "fressen".
    Dieses soll durch Kühlung verhindert werden, infolge des Tsunamis ist die Kühlung ausgefallen / unreichend vorhanden. Wie lange die Brennelemente zur Abkühlung brauchen ist mir nicht bekannt.


     
  4. 111% agree
    :tnx: :tnx:
     
  5. Also ist die Situation und die Folgen damit nicht mehr kontrollierbar?
     
  6. Ja und Nein
    Das hängt von der Kühlung ab und daran arbeiten die Japaner gerade.
    Eine endgültige Bewertung der Situation kann man, meiner Meinung nach, noch nicht treffen.
     
  7. ich habe gestern genau zu dem zeitpunkt eingeschaltet und mich gewundert, warum der ton aus ist. kam also wirklich sehr gut rüber. grundsätzlich bin ich aber natürlich auch bei hasenbommels meinung.

    wollen wir hoffen, dass die evakuierung, die man im gegensatz zu tschernobyl ja durchführen konnte, die auswirkungen wenigstens etwas eingedämmt hätte, falls es tatsächlich noch schlimmer kommen sollte in fukushima.
     
  8. Mir ging es eigentlich mehr darum, dass du meintest, das sei kontrollierbar alles. Aber vielleicht hab ich dich auch falsch verstanden. Vielleicht gibt es darauf keine einfache Antwort. ;)
     
  9. Ich verweise einfach mal auf diesen Post. Natürlich gibt es Alternativen. Die sind jedoch nicht in der Lage, AKW's zu ersetzen, solange nicht jeder bereit ist, auf viel Energie zu verzichten. Natürlich könnte man auch Strom aus dem Ausland importieren, nur dann wird es teuer (abgesehen von der Tatsache, dass dafür die entsprechende Infrastruktur geschaffen werden muss).
     
  10. Felissilvestris

    Felissilvestris

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    Wir gehen mit der der Nutzung der Kernenergie bewusst ein kalkuliertes Risiko ein. Und alle, die jetzt hier am lautesten Schreien, dass wir die Kernenergie nicht bräuchten, sollten am besten gleich den PC, Laptop, Fernseher und alle anderen elektrischen Geräte abschalten.

    Zum Ökostrom. Als ökologisch kann man wahrscheinlich nur Wasser- und Windkraft bezeichnen, wobei bei der Wasserkraft auch schon gehörige Abstriche machen muss. Zur Photovoltaik habe ich mich ja schon lang und breit in einem anderen Thread geäußert. Ökostrom kann nur in den Netzen fließen, wenn dies durch konventionelle Kraftwerke (Kohle, Gas oder Atom) abgesichert ist. Da zum einen die Grundlast aufrecht erhalten werden muss und zum anderen Spannungspitzen abgefedert werden müssen.

    Und wenn wir von der Kernenergie weg wollen, dann müssen wir neue Kohle-, Gas- und Biomassekraftwerke bauen. Dazu off- und onshore Windparks. Und neue Netze. Das Problem ist, die will auch keiner vor seiner Haustür haben. Aus völlig unterschiedlichsten Gründen. Meist werden irgendwelche Umweltgründe vorgeschoben. Meist geht es aber um handfeste wirtschaftliche Interessen: Der Wert der eigenen Immobilie.


    Was die Sicherheit der Atomanlagen in Deutschland angeht. So haben wir tatsächlich die höchsten Sicherheitsstandards weltweit. Nur eine 100%ige Sicherheit gibt es nicht. Zur Terrorgefahr kann ich nur sagen, dass es aktive Sicherheistmaßnahmen gibt, die bewusst nicht an die Öffentlichkeit dringen. Aber auch hier gibt es keine 100%ige Sicherheit.
     
  11. :tnx: Ebenfalls Ingenieur bzw. E-Technik Student? ;)
     
  12. Felissilvestris

    Felissilvestris

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    Nein! Student der Rechstwissenschaften. Aber eben politisch aktiv und deswegen umfassend mit der Thematik befasst. Und ich gehöre auch einer der Laufzeitverlängerparteien an. Und man beschließt so etwas auf einem Parteitag nicht mit, wenn man sich nicht informiert.
     
  13. Ist das wirklich so oder ist das nur die deutsche Sichtweise? Ich kann mir das nicht so ganz vorstellen, da

    a) eben z.B. Japan aufgrund von Erdbeben da ganz andere Sicherheitsstandards ansetzen müsste und

    b) wir seit vielen Jahren keine AKWs mehr bauen und nun nur die "alten Dinger" immer länger am Netz halten.

    Die alten Meiler wurden ja damals unter anderen Gesichtspunkten und sogar noch vor Tschernobyl geplant und errichtet, und sind noch immer die besten bzw. sichersten weltweit?

    Schlafen die anderen Nationen? Gibt es keinen Fortschritt seit 30 Jahren?

    Das passt für mich nicht so wirklich zusammen..
     
  14. Vielleicht wissen wir nur häufiger davon wegen der weltweiten sekundenschnellen Nachrichtenvernetzung, ähnliches Phänomen bei Missbrauchsfällen.
     
  15. Felissilvestris

    Felissilvestris

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    In Deutschland dürfen bzw. durften keine AKWs in seismischen aktiven Gebieten gebaut werden. Es wurd eienmal ein Genehmigungsfehler gemacht, so dass das KKW Mühlheim-Kärlich damals in einer seismisch aktiven Zone gebaut wurde. Folge war, dass das Kraftwerk nach 100 Tagen wieder vom Netz genommen wurde.
    Die Sicherheitsstandards sind hier schon noch mal höher.


    Es ist zwar richtig, dass bei uns die "alten Dinger" laufen aber sich immer den neusten Stand der Technik anpassen müssen. Das heißt sie werden sukzessive immer auf neusten Stand der Technik gebracht. Das ist in Deutschland eben so vorgeschrieben. Es gab da mal eine kurze Zeit - nämlich im seit dem vom Rot/Grün ausgehandelten Ausstiegskompromiss - mussten die Kraftwerksbetreiber nicht ständig nachrüsten. Das ist mit der Laufzeitverlängerung wieder geändert worden.
     
  16. Und das steht jetzt wo? Behaupten die Japaner übrigens auch. Zudem rühmen sich doch gerade die Finnen, das ihre neuen Druckwasserreaktoren die weltweit sichersten seien. Passt also irgendwie nicht zusammen.
     
  17. Das lässt sich natürlich nicht auf Japan übertragen, solange man dort Kernenergie betreiben will. Seismisch aktiv ist ja das komplette Land. Es fällt uns also leichter dieses Auswahlkriterium so zu treffen. Davon abgesehen stehen aber auch bei uns AKWs in gefährdeten Gebieten, z.B. Biblis im seismisch aktiven Oberrheingraben. So gesehen bringt und dieses Kriterium wenig, wenn wir es nicht einmal konsequent anwenden.

    Auch wurde in Japen erst vor wenigen Jahren ein neu errichtetes AKW direkt wieder stillgelegt, da dieses bei einem möglichen Erdbeben als zu unsicher eingestuft worden ist.

    Ich erkenne da nun nicht, dass wir den Japanern entscheidend voraus sind.
     
  18. Felissilvestris

    Felissilvestris

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    Es gibt Gesetze und Verordnen zum Betrieb der Kraftwerke. Und wenn die weltweit vergleicht, dann setzen wir die höchsten Anforderungen.

    Apropos Finnland und ihre neuen Kraftwerke. Der Reaktorblock 3 vom KKW Olkiluoto wird derzeit gebaut, soll 2013 ans Netz gehen und dann 60 Jahre laufen. Reaktorblock 4 ist in Planung und soll 2018 ans Netz gehen. Insgesamt befinden sich in Europa derzeit 13 neue Reaktorblöcke im Bau. Selbst wenn wir in D aus der Atomenergie augestiegen sind, werden unsere europäischen Nachbarn uns mit der Technologie noch ein paar Jahrzehnte beglücken.
     
  19. Im Reaktor 3 hat wohl doch keine Kernschmelze stattgefunden.