SSC Neapel

Werder bezwingt 1989 sensationell den Spitzenklub SSC Neapel. Diego Maradonna kann es nicht fassen.

Diego Maradonna saß nur noch wie ein Häufchen Elend auf der Mittellinie des Weser-Stadions und schüttelte den Kopf. Auch der argentinische Weltklassespieler, für viele Menschen heute noch der beste Fußballer, den es je gegeben hatte, konnte nichts daran ändern, dass sein SSC Neapel gerade aus der dritten Runde des UEFA-Cups geworfen wurde. Gegen Werder war für die italienische Ausnahmemannschaft mit Fußball-Größen wie Zola, Careca, de Napoli oder eben Diego Maradonna nichts zu holen. Im Hinspiel genauso wie im Rückspiel. 

Werders Kapitän Mirko Votava und Neapels Diego Maradonna bei der Platzwahl.

Werder hatte keinen Maradonna. Werders Spieler hießen Jonny Otten, Karl-Heinz Riedle oder Wynton Rufer. Und diese drei sorgten bereits im Hinspiel in Neapel für grenzenlosen Jubel auf Seiten der Bremer. Nachdem Otten und Riedle die Hanseaten bereits in Führung gebracht hatten, glichen Alemao und Careca für die Italiener aus. Rufer gelang in letzter Minute der 3:2-Siegtreffer. Eine mehr als gute Ausgangsposition für das Rückspiel in Bremen war gelegt.

Aber ruhig ließ es die Elf von Trainer Otto Rehhagel zwei Wochen später im Weser-Stadion nicht angehen. Nach einer guten Stunde führte Werder gegen die Weltklasse-Elf aus Italien nach einem Doppelpack von Riedle und einem Treffer durch Rufer mit 3:0. Die 38.500 Zuschauer im grün-weißen Rund waren außer sich vor Freude. Daran änderte auch das zwischenzeitlich 1:3 der Napolitaner durch Careca nichts.

Als Libero Gunnar Sauer auch noch gefühlvoll den Gästetorwart Giuliani überlupfte und Dieter Eilts zum 5:1 einnetzte, war der Kantersieg perfekt. Fans stürmten das Feld, Reporter Rolf Töpperwien interviewte Coach Otto Rehhagel noch auf dem Feld. „Neapel hat Alemao - ich habe den Ostfriesen-Alemao", verkündete Rehhagel in Richtung Dieter Eilts. Und Diego Maradona? Der saß fassungslos auf der Mittellinie des Bremer Rasens.

Von Timo Sczuplinski

Verfolgte Neapels Kapitän Diego Maradonna auf Schritt und Tritt: Werders Uli Borowka

Werder schaffte es in dieser UEFA-Cup-Saison noch bis ins Halbfinale. Dort war nach zwei engen Remis gegen den AC Florenz nur aufgrund der weniger erzielten Auswärtstore Schluss für Werder.

UEFA-Cup, Achtelfinale, Saison 1989/90


Neapel, 22.11.1989, Stadio San Paolo
SSC Neapel - Werder Bremen 2:3 (0:1)
SSC Neapel: Giuliani - Renica (46. Mauro), Ferrara, Baroni, Francini, de Napoli, Fusi, Maradonna, Alemao (68. Corradini), Careca, Carnevale
Werder: Reck - Bratseth, Borowka, Otten, Bockenfeld, Eilts, Votava, Neubarth (69. Wolter), Hermann, Riedle, Rufer
Tore: 0:1 Frank Neubarth (42.), 0:2 Karlheinz Riedle (46.), 1:2 Alemao (52.), 2:2 Careca (65.), 2:3 Rufer (90.)
Schiedsrichter: Bo Karlsson (Schweden)
Zuschauer: 50.000

Bremen, 06.12.1989, Weser-Stadion
Werder Bremen - SSC Neapel 5:1 (1:0)
Werder: Reck - Bratseth (77. Sauer), Borowka, Otten, Bockenfeld (84. Wolter), Votava, Neubarth, Eilts, Hermann, Riedle, Rufer
SSC Neapel: Giuliani - Corradini, Ferrara, Baroni (46. Carnevale), Francini, de Napoli, Zola (59. Renica), Fusi, Maradonna, Crippa, Careca
Tore: 1:0 Karlheinz Riedle (25.), 2:0 Wynton Rufer (55.), 3:0 Karlheinz Riedle (62.), 3:1 Careca (71.), 4:1 Gunnar Sauer (88.), 5:1 Dieter Eilts (90.)
Schiedsrichter: Soriano Aladren (Spanien)
Zuschauer: 38.500

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