„Kann das alles noch gar nicht glauben“

Handball-Talent Amelie Standke will in die Bundesliga

Amelie Standke hat sich mit der A-Jugend für die Jugend-Bundesliga qualifiziert (Foto: privat)
Handball
Dienstag, 25.06.2019 // 07:09 Uhr

von Denis Geger

Werders Nachwuchshandballerin Amelie Standke nimmt viel auf sich, um für ihren Traum zu kämpfen. Die 16-jährige Schülerin aus Varel pendelt bislang fast täglich aus dem Landkreis Friesland nach Bremen, um ihrem Hobby nachzugehen. Mit der A-Jugend des SV Werder Bremen hat sie sich für die Jugend-Bundesliga qualifiziert und auch das Pendeln soll nach den Sommerferien ein Ende haben.

Vor drei Jahren noch spielte Amelie Standke bei der JHSG Varel, wagte dann den ersten Schritt zur JHSG Wilhelmshaven und dann in den Nachwuchs des VfL Oldenburg. Der Wechsel nach Oldenburg war ein großer Schritt in Richtung leistungsorientierter Handball, doch nach einer Saison zog es die talentierte Handballerin weiter zum SV Werder Bremen. Seit knapp einem Jahr spielt Standke, die lang eMitglied des „Team Niedersachsens“ war und durch den HVN gefördert wurde, nun an der Weser.

Bislang lautet der Alltag: Schulbesuch im Jade-Gymnasium in Jaderberg, Mittagessen und Hausaufgaben erledigen und um 15.30 Uhr auf den Weg zum Bahnhof machen, um mit dem Zug nach Bremen zum Training zu fahren. Dann wird meist um 18 Uhr für etwa zwei Stunden trainiert, ehe es mit dem Zug zurück nach Hause geht. „In der Regel bin ich erst gegen 22 Uhr zu Hause. An das Zugfahren habe ich mich gewöhnt und das belastet mich nicht. Ich nutze die Zeit entweder zum Lernen oder einfach zum Entspannen“, erzählt sie. Dabei ist Amelie Standke nicht die einzige junge Werder-Handballerinnen, die weite Wege zum Training in Kauf nimmt: Auch die beiden U17-Nationalspielerinnen Naomi Conze und Nina Engel, ihre Schwester Ronja Engel sowie Larissa Gärdes, Sarah Seidel und weitere kommen aus dem Bremer Umland.

Die Zeit des Pendelns soll dennoch bald ein Ende haben. Amelie Standke will das Elternhaus verlassen und nach Bremen ziehen: „Ich gehe nach den Sommerferien auf die sportbetonte Schule an der Ronzelenstraße in Bremen und möchte dann auch in Bremen wohnen.“ Mit 16 in die eigenen vier Wände? „Ich habe zwei ältere Geschwister und meine Schwester ist auch früh ausgezogen, daher sind meine Eltern es gewohnt, auch wenn sie natürlich Sorgen haben, aber ich bin froh, dass sie mich dabei trotzdem voll unterstützen“, so Amelie Standke, die das gesamte Vorhaben noch gar nicht wirklich realisiert hat.

Ebenso wenig wie das Erreichen der Jugend-Bundesliga mit der A-Jugend des SV Werder: „Ich kann das alles noch gar nicht glauben. Vor drei Jahren habe ich noch in Varel gespielt, recht weit weg vom Leistungshandball und nun steht die Jugend-Bundesliga bevor. Ich bin unheimlich stolz überhaupt bei der A-Jugend dabei zu sein, denn ich gehöre vom Alter her noch zum Kader der B-Jugend. Dass wir die Qualifikation geschafft haben, ist einfach der Wahnsinn.“

Damit es mit der Qualifikation überhaupt klappt, mussten sich Amelie Standke und ihre Mitspielerinnen in drei Qualifikationsrunden durchsetzen. „Man hat am Montag schon gemerkt, dass die Spiele am Wochenende sehr viel Kraft gekostet haben. Wären wir in der letzten Runde gescheitert, wäre das sehr, sehr schmerzhaft gewesen, doch so haben sich die Mühen gelohnt. Die Jugend-Bundesliga ist das Höchste, was wir erreichen können. Diese Erfahrung wird alle weiterbringen und uns noch einmal pushen. Ich hoffe natürlich, dass ich auch in der Jugend-Bundesliga zum Einsatz komme“, so die Nachwuchshandballerin.

Die Chance, sich in der A-Jugend zu beweisen, wird sie vom Trainer bekommen. Dominic Buttig trainiert in der kommenden Saison sowohl die Frauen-Mannschaft in der 2. Bundesliga als auch die A-Jugend: „Wir wollen Amelie in der nächsten Saison in der A-Jugend mit einbinden. Sie hat sich sehr gut entwickelt, auch wenn sie manchmal ein wenig zu selbstkritisch ist. Zu ihren Stärken zählt ihr gutes Abwehrspiel und auch ihr taktisches Verständnis ist für ihr Alter schon sehr ausgeprägt.“

Amelie Standke hofft, dass sich der Aufwand lohnt und sie eines Tages den Sprung in den Bundesliga-Kader des SV Werder schafft: „Das wäre schon ein Traum, mein anderes Ziel ist ein Medizinstudium.“ Bis beide Ziele erreicht werden, ist es noch ein weiter Weg, den die 16-Jährige aus Varel aber zielstrebig verfolgt.

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