„Ein echtes Vorbild“: Werder-Elch Rune Bratseth wird 60!

Der Werder-Elch und sein Geweih: Rune Bratseth prägte die späten 80er und frühen 90er beim SVW. Nun feiert er seinen 60. Geburtstag (Foto: WERDER.DE).
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Freitag, 19.03.2021 / 08:55 Uhr

Von Martin Lange

Rune Bratseth gehört nicht nur zu den herausragenden Spielern, sondern auch zu den eindrucksvollsten und sympathischsten Menschen der Werder-Geschichte. Nun wird der ehemalige norwegische Nationalspieler, der von 1986 bis 1995 bei den Grün-Weißen als Libero glänzte, 60 Jahre alt.

Als „Wunder von der Weser“ gelten gemeinhin Fußballspiele, bei denen der SV Werder am Osterdeich vorher für unmöglich Gehaltenes möglich machte. Zumindest als kleines „Wunder von der Weser“ darf aber getrost auch der Weg von Rune Bratseth bei den Grün-Weißen bezeichnet werden. Sicher: Wer Otto Rehhagel kennt, der weiß, dass sich Werders Trainerlegende etwas dabei dachte, als er während der Saison 1986/1987 den langen Abwehrschlaks von Rosenborg Trondheim in die Bundesliga holte – obwohl überliefert ist, dass Bratseth beim Probetraining ziemlich blass blieb. Doch im Gegensatz zum zeitgleich im Training überzeugenden Offensivspieler Vegard Skogheim, der zunächst wieder weggeschickt wurde und erst anderthalb Jahre später den Weg an die Weser fand, durfte der damals immerhin schon 25-Jährige, der in Norwegen bereits ausgebildeter Lehrer war und bis zum Alter von 22 Jahren lediglich in der vierthöchsten Liga gekickt hatte, bleiben.

Rune Bratseth wurde 1991 und 1994 DFB-Pokalsieger mit Werder Bremen (Foto: Bjoern Hake Sport- und Pressefoto).

Und schnell wurde klar, warum es dazu kam: Es dauerte nur wenige Spiele, schon war Rune Bratseth aus der Werder-Defensive nicht mehr wegzudenken. Er beeindruckte mit herausragendem Stellungsspiel, mit seiner Kopfballstärke, seiner beidfüßigen Schusstechnik und der intelligenten und kompromisslosen Zweikampfführung. Zudem wurde schon in den ersten Wochen deutlich, welch fairen Sportsmann und tollen Menschen die Grün-Weißen mit Bratseth für sich gewonnen hatten – und das mit geringen finanziellen Mitteln.

Rune Bratseth sammelte Titel mit dem SV Werder und hatte maßgeblichen Anteil daran. Er wurde Deutscher Meister 1988 und 1993, DFB-Pokalsieger 1991 und 1994 und holte den Europapokal der Pokalsieger 1992. Während seiner Zeit an der Weser war er drei Mal „Fußballer des Jahres“ in Norwegen (1991, 1992, 1994). Zudem führte der 60-fache Nationalspieler das Team Norwegens bei der WM 1994 als Kapitän an. In der Bundesliga lief Bratseth insgesamt 230 Mal für Werder auf und erzielte dabei zwölf Tore.

Werders heutiger Aufsichtsratsvorsitzender Marco Bode schaffte 1989 als junger Spieler der Sprung in die Bundesliga und spielte sechs Jahre lang gemeinsam mit dem erfahrenen Rune Bratseth für die Grün-Weißen. „Rune gehört fußballerisch und menschlich zu den größten Spielern, die Werder je hatte“, betont Bode. „Er war sehr ehrgeizig, ist stets mit seiner Leistung vorangegangen, wollte immer gewinnen, aber nicht um jeden Preis. Ehrlichkeit und Fairness hatten für Rune eine große Bedeutung. Nichts hat ihn mehr gestört als Ungerechtigkeit. Er hat damals gewissermaßen das verkörpert, was auch heute noch Werder-Haltung ist.“ 

Rune gehört fußballerisch und menschlich zu den größten Spielern, die Werder je hatte.
Marco Bode über Rune Bratseth

Zudem, so Bode, habe Rune Bratseth den Fußball zwar immer sehr ernstgenommen und durch sein professionelles Verhalten bestochen, aber stets auch über den Tellerrand hinausgeschaut und gewusst, dass der Fußball nicht immer das Wichtigste im Leben ist. „Auf dem Platz und auch außerhalb war Rune mit seiner Einstellung für mich ein echtes Vorbild“, gibt Bode zu. Und so entstand zwischen den beiden Werder-Profis, die damals in der Kabine nebeneinandersaßen (Bode: „Direkt neben dem berühmten Elchkopf über Runes Platz…“), eine Freundschaft, die bis heute gehalten hat.

Rune Bratseth 1991 im Werder-Trikot.
Spielte von 1986 bis 1995 als Libero für den SVW: Rune Bratseth (Foto: nordphoto).

Kein Wunder, verkörpert Rune Bratseth doch wie Marco Bode eine selten gewordene Vereinstreue. Denn natürlich riefen die herausragenden Leistungen des Norwegers im Werder-Trikot große europäische Clubs auf den Plan, die den Abwehrspieler gerne in ihren Reihen gehabt hätten. Doch Bratseth widerstand allen Offerten, spielte in der Bundesliga ausschließlich für die Grün-Weißen und kehrte nach dem Ende seiner Karriere in seine Heimatstadt Trondheim zurück. Er arbeitete mehr als zehn Jahre lang als Manager bei Rosenborg Trondheim. Heute ist er Berater des norwegischen Top-Clubs und Fußball-Experte für das norwegische Fernsehen.

Mit Ehefrau Marit, einer Deutsch-Lehrerin, hat Familienmensch Rune Bratseth drei (mittlerweile erwachsene) Kinder, die allesamt in Bremen geboren wurden. Einen Hirnschlag im März 2016 überstand er glimpflich und ohne Folgeschäden. „Ich habe großes Glück gehabt“, sagt Bratseth, der in den vergangenen Jahren einige Male nach Bremen („meine zweite Heimat“) zurückkehrte, unter anderem, um mit den früheren Teamkollegen auf Einladung des SV Werder Bremen die Jubiläen der damaligen Titelgewinne zu feiern. In der Hansestadt war Rune Bratseth in seiner aktiven Zeit ein echter Publikumsliebling. In Norwegen ist er eine Sportlegende. Alles Gute zum 60. Geburtstag, Rune!

In der Europapokal-Ausgabe des Zimmerduells auf dem Werder YouTube-Kanal ließen Rune Bratseth und Marco Bode ihre gemeinsame Zeit als Kabinen-Sitznachbarn bei den Grün-Weißen Revue passieren und traten zusammen an. Hier geht es zum Video!

 

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