"Kann auch nicht schlecht operieren, wenn Werder verliert"

Arnd Zeigler in Folge #56 des WERDER-PODCAST
Arnd Zeigler ist schon seit über 18 Jahren Stadionsprecher beim SV Werder Bremen (Foto: nordphoto).
Podcast
Mittwoch, 05.02.2020 / 16:30 Uhr

Von Philipp Burde

Jeder kennt ihn – den Morderator Arnd Zeigler, den Stadionsprecher Arnd Zeigler oder auch den Sänger Arnd Zeigler. Egal, ob im Fernsehen, an den Spieltagen am Mikrofon oder im Radio: Der 54-Jährige ist deutschlandweit bekannt, genau wie seine große Zuneigung gegenüber Werder Bremen. Eine Liebe, der er sich nicht immer so hingeben kann, wie er das gerne möchte. Es spricht der Fan aus ihm, den er über die Jahre besser kennengerlernt hat und mittlerweile weiß, wie er den Spagat zwischen Stadionsprecher und Werder-Anhänger zu meistern hat. 

Das DFB-Pokal-Duell gegen Dortmund war mal wieder eines dieser Spiele, die es lange nicht mehr an der Weser gab. Egal wie schlecht die Rahmenbedinungen auch waren, hat der Pokal-Wettbewerb zur Freude Vieler einmal mehr bewiesen, dass er seine eigenen Gesetze hat. Mit einem Sieg aus den vergangenen sechs Spielen war Werder in dieses Duell gegen den scheinbaren „Übergegner“ der Rückrunde gestartet und bestand am Ende mit Bravur. Auch für Arnd Zeigler war es kein üblicher Abend. Der Stadionsprecher des SV Werder geht sogar so weit und bezeichnet ihn als ein erneutes „Wunder von der Weser.“ Und wenn jemand solch besondere Geschehnisse einzuordnen weiß, ist es Arnd Zeigler, der in seiner 18-jährigen Stadionsprecher-Zeit schon so einige Wunder am Osterdeich miterlebt hat.

Seit seinem Amtsantritt im Jahr 2001 kann er sich diesen einzigartigen Momenten aber auch nicht mehr so hingeben, wie es der Fan in ihm möchte. Eine Kehrseite mit der er in den vergangenen Jahren gelernt hat umzugehen: „Das ist mittlerweile Routine“. Wer nun aber denkt, dass sich der deutschlandweit bekannte Moderator seiner eigenen Sendung „Zeiglers wunderbare Welt des Fußballs“ deswegen verstellen muss, liegt falsch. Ganz im Gegenteil: „Ich habe in den vergangenen Jahren gelernt, dass ich keine gewisse Objektivität ausstrahlen muss, da alle in Deutschland wissen, dass ich Werder-Fan bin“, erklärt Zeigler, der die Raute schon seit vielen Jahren in seinem Herzen trägt, in Folge #56 des WERDER PODCAST.

Genau deshalb kann der 54-Jährige die Geschehnisse am Wochenende auch nicht ausblenden. Wenn am Abend mal wieder ein Sendetermin ansteht und es bei Werder im Vorfeld nicht so lief, wie es sollte, vergeht ihm die Lust am Moderieren. „Da funktioniere ich wie jeder andere Fan und habe eigentlich gar keinen Bock über Fußball zu reden“, erklärt er, weiß in solchen Momenten aber wiederum die Professionalität zu beweisen: „Da muss ich meinen Frust dann eben eine halbe Stunde hintenanstellen. Das ist bei anderen Berufsfeldern nicht anders. Ein Herzchirurg kann auch nicht schlecht operieren, bloß weil Werder verloren hat.“  

"Ich haue auf keinen Verein drauf, der eine schwere Zeit durchmacht"

Um seine eignen grün-weißen Wunden nicht weiter aufzureißen, wählt Zeigler aber einen diplomatischen Weg. Wenn es bei Werder nicht läuft, läuft es bei ihm auch nicht in der Sendung. Das hat in gewisser Weise aber auch etwas mit Zeiglers fairer Einstellung gegenüber dem Sport zu tun: „Ich haue auf keinen Verein drauf, der gerade eine schwere Krise durchlebt. Auch weil ich merke, wie die Fans leiden.“ Dass er Werder in solchen Fällen aber nochmal eine kleine Sonderstellung gibt, möchte er auch nicht verneinen – gerade weil er Fan ist, und das schon seit vielen Jahren.

Umso weniger kann er einige Reaktionen der grün-weißen Anhängerschaft verstehen, mit denen er Woche für Woche am Osterdeich oder in den sozialen Medien konfrontiert wird. Oft ist es nicht die Suche nach dem Guten, dem Positiven, sondern eher die Jagd nach einem Schuldigen: „Ich verstehe oft die Häme nicht. Bei negativen Ereignissen wird immer nochmal von oben drauf gehauen.“ Das soll aber nicht heißen, dass er den Frust vieler Fans nicht verstehen kann. Es liegt auch mit daran, dass er teilweise eine ganz andere Sicht auf die Dinge hat, die sich Woche für Woche an der Weser abspielen: „Ich arbeiten in den Medien, bin auf der anderen Seite großer Fan, aber auch zugehörig als Stadionsprecher hier im Verein.“

Dementsprechend sammelt er auch viel mehr Eindrücke auf und neben dem Spielfeld, mit denen er sich viel besser in die Situation der Spieler und auch des Trainers hineinversetzen kann. Das Stichwort Empathie spielt dort eine ganz entscheidende Rolle. Gerade dann, wenn es wie aktuell, nicht rund läuft: „Es gehört einfach dazu, dass man in Spielen wie gegen Hoffenheim auf dem Platz steht und angesichts der schweren Tabellensituation schwache Nerven hat. Das ist menschlich“, betont Zeigler. Nach solchen Spielen Cheftrainer Florian Kohfeldt zu sehen, der traurig das Spielfeld verlässt, weiß er nicht nur als Fan, sondern auch als Mensch zu beurteilen: „Ich weiß ganz genau, wie gerne Florian Kohfeldt den Zuschauern in diesem Moment etwas zurückgeben möchte.“ Das hat spätestens seine Reaktion nach dem Schlusspfiff gegen Dortmund gezeigt. Ein Bild was nicht nur beim Morderator oder Stadionsprecher Arnd Zeigler, sondern auch beim Werder-Fan Arnd Zeigler für große Ekstase gesorgt hat. 

Was er sonst noch über seine Fan-Vergangenheit an der Weser zu erzählen hat und warum sein Vorgänger Christian Günter für ihn so ein besonderer Mensch war, erfahrt ihr in Episode #56 des WERDER-PODCAST. Der Podcast verbindet die schönste Nebensache der Welt mit dem geilsten Verein der Welt. Hier wird nicht nur über alles geredet, was das grün-weiße Herz höher schlagen lässt, sondern wir sprechen mit Werder. Die neue Episode gibt es auf dem offiziellen Soundcloud-Profil, dem iTunes-Account und dem Spotify-Kanal des SV Werder. Hört rein!

 

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