Double-Keeper, Landwirt, Auswanderer

Andreas Reinke in Episode #40 des WERDER-PODCAST
Andreas Reinke inmitten der frisch gekürten Doublesieger nach dem 3:2-Erfolg über Alemannia Aachen im Endspiel des DFB-Pokals 2004 (Foto: Nordphoto).
Podcast
Mittwoch, 11.09.2019 / 16:30 Uhr

von Maximilian Hendel

Den jahrelang eigens renovierten und unterhaltenen Bauernhof samt kleiner Viehzucht nahe seines Geburtsortes Krakow am See hat Andreas Reinke nicht ohne Wehmut aufgegeben, um sich noch mal einen Traum zu erfüllen. Seit drei Jahren lebt Werders Stammkeeper der Doublesieger 2004 nun wieder im südostspanischen Murcia – diesmal mit seiner Frau Kirsten und Sohn Pepe.

Von dort aus war Reinke vor über eineinhalb Jahrzehnten im Sommer 2003 in seinen unverwüstlichen VW-Bus gestiegen, um die weit mehr als 2.000 Kilometer nach Bremen zurückzulegen. „Du kannst durchfahren, dann bist du in 30 Stunden hier. Wir haben es damals in zwei Nächten gemacht und zwischendurch noch Geburtstag gefeiert“, erinnert sich der gebürtige Mecklenburger in Episode #40 des WERDER-PODCAST.

Werder hatte für die seinerzeit anstehende Saison 2003/04 noch einen erfahrenen Torwart gesucht und den bärenstarken 34-jährigen Rückhalt von Real Murcia in der zweiten spanischen Liga ins Visier genommen. Thomas Schaafs Co-Trainer Karl-Heinz Kamp und Torwarttrainer Dieter Burdenski machten sich auf zur Beobachtung. „Haben eine grandiose Tour gehabt, haben sie erzählt“, lächelt Reinke.

„Wir haben teilweise 12 Uhr mittags gespielt bei 45 Grad im Schatten. Da sind sie morgen um 6 Uhr losgeflogen, haben sich das Spiel angeguckt, zwei gehaltene Bälle von mir gesehen und sind wieder losgeflogen. Da hätten sie wenigstens warten können, dann wären wir was trinken gegangen.“ Stattdessen „haben sie dann auf ganz geheimnisvoll gemacht“, frotzelt der heute 50-Jährige.


Brauchten sie nicht – um wieder näher bei den in Schwerin lebenden Kindern zu sein, entschied sich der frisch zum besten Torhüter des Jahres in Spanien gekürte Reinke trotz Reals erstmaligem Wiederaufstieg in die Primera Division nach 14 Jahren für einen Wechsel an die Weser, den er wohl nur für einige wenige Momente am Tag seiner Ankunft aus Murcia zum Trainingsauftakt bereute.

„Ich kam hier an, stehe fünf Minuten, komme aus der Geschäftsstelle zurück und habe schon mein erstes Parkticket direkt vor der Haustür. Da wollte ich schon wieder abreisen“, erzählt der 228-malige Bundesliga-Profi trocken. Und es wurde noch ungemütlicher. Nach der ewig langen Autofahrt kam er in die Kabine und fragte: „Was machen wir heute? ‚Laktattest’, ja klar. Du hast die Beine noch krumm, kannst kaum geradeaus gehen, kommt Herr Schaaf an und sagt: ‚Heute machen wir ein kleines Läufchen’.“

Was folgte, war Werders unvergessliche Saison, an deren Ende die Grün-Weißen ihre vierte Meisterschale und nur Tage später ihren fünften DFB-Pokal in die Höhe stemmten. Andreas Reinke blieb vier Jahre und ist bis heute der einzige Torhüter der Bundesligageschichte, der als Nummer 1 mit zwei Teams (neben Werder noch mit Kaiserslautern 1998) deutscher Meister wurde.

Mit 20 Jahren, die Grenze war gerade ein halbes Jahr nach dem Mauerfall offen, verließ Andreas Reinke den damaligen DDR-Zweitligisten und Pokalfinalisten Schwerin in Richtung Hamburg. In Episode #40 des WERDER-PODCAST berichtet er unter anderem von der schwierigen Zeit beim HSV, seinem Durchbruch beim FCK, Otto Rehhagels plötzlicher Ankunft auf dem Betzenberg, einer Schubkarre voller Bier als Retter einer Pfälzer Provinzmannschaft und blickt auch zurück auf jene schwere Verletzung, die er sich im Februar 2006 bei Werders Auswärtsspiel in Stuttgart zugezogen hatte. Der Podcast verbindet die schönste Nebensache der Welt mit dem geilsten Verein der Welt. Hier wird nicht nur über alles geredet, was das grün-weiße Herz höher schlagen lässt, sondern wir sprechen mit Werder. Die neue Folge gibt es auf dem offiziellen Soundcloud-Profil, dem iTunes-Account und dem Spotify-Kanal des SVW. Hört rein!

 

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