Ailtons Tränen im größten Erfolg

Ailton in Folge 58 des WERDER PODCASTs
Der SVW wird nach einem 3:1-Sieg in München Deutscher Meister (Foto: nordphoto).
Podcast
Mittwoch, 19.02.2020 / 16:35 Uhr

Von Lukas Kober

Die Kamera schwenkt durch das ausverkaufte Olympiastadion in München. Bittere Ernüchterung bei den Gastgebern in Rot, Ekstase und Erleichterung in Grün-Weiß. Momente zuvor krönte sich der SV Werder Bremen nach einer spektakulären Saison, in der die Mannschaft von Thomas Schaaf zwischenzeitlich 23 Partien ungeschlagen blieb, mit der vierten und bis dato letzten Deutschen Meisterschaft der Vereinshistorie. Einzigartige Bilder zeigen Allofs, Micoud, Klasnic und Co. im Freudentaumel, ehe die Kamera Werders Nummer 32 einfängt. Fanliebling Aílton liegt weinend am Boden, die Hände über den Kopf geschlagen – „eine dramatische und schwere Situation“, an die sich der Brasilianer in diesen Momenten erinnert.

Der Ailton der Saison 2003/04, das ist Begeisterung, das sind Tore. Genau genommen 28 an der Zahl. Der kleine Angreifer, der den liebevollen Spitznamen „Kugelblitz“ trägt, setzte zu einer Leistungsexplosion an und beflügelte damit die gesamte Werder-Offensive: Insgesamt 79 Tore schoss das Team von Trainer Thomas Schaaf. Beim legendären 3:1-Auswärtssieg in München erzielte Ailton den „besten“ Treffer seiner Karriere, erklärt er in Folge 58 des WERDER PODCASTs. Den Schuss zum zwischenzeitlichen 3:0 zog er an Verteidiger Thomas Linke vorbei, in das linke obere Eck. Kapitän und Nationaltorhüter Oliver Kahn streckte sich vergebens.

Doch der Ailton der Saison 2003/04, das ist auch Konzentration und Trauer. Trauer, um den im Jahr zuvor verstorbenen großen Bruder. Bei einem Autounfall in Brasilien ist er ums Leben gekommen. „Das war ein kompletter Schock. Ich habe mit Thomas Schaaf und dem ganzen Präsidium gesprochen, ob ich nach Brasilien fliegen kann. Meine Familie braucht Ailton“, blickt er zurück. Denn: „Meine Familie ist meine Priorität“, verdeutlicht der jetzige Vater von fünf Kindern.

"Meine Familie ist meine Priorität"

28 Tore in der Bundesliga bescheren Ailton die Torjägerkanone (Foto: nordphoto).

Die Emotionen aus dieser Zeit nahm er mit in die neue Saison. Der Angreifer, der in seiner Karriere immer wieder mit Konzentrationsschwierigkeiten kämpfte und sich nach der Heimat sehnte, fokussierte sich auf seine "Liebe zum Fußball". "Ich habe mit meiner Frau oft gesprochen. Sie sagte: 'Ailton, bleib weiter so konzentriert!'“. Das zahlte sich aus: Am Ende der Saison wird er als erster Ausländer zum Fußballer des Jahres gekürt, ist Torschützenkönig der Bundesliga und feiert mit den Grün-Weißen nach dem Gewinn des DFB-Pokals das Double. Die historisch erfolgreichste Saison in der Geschichte des SV Werder Bremen.

"Jetzt vorbei, vorbei, vorbei!", ruft der damals 30-Jährige in die Kameras und Mikrofone der Journalisten im Olympiastadion. Die Erleichterung und Erlösung der harten Saison sind ihm anzusehen. „Wenn du in München Meister wirst, dann kannst du alles. Dann wird gefeiert und getanzt zu lauter Musik“, erklärt Ailton Moderator Markus Biereichel. Dass dabei ein Kameramann die Mannschaft begleitet, merkt der gelöste „Kugelblitz“ viel zu spät. Die Szenen aus dem Ermüdungsbecken der Werder-Kabine sind bekannt: „Seitdem weiß ganz Deutschland, wie groß mein… mein Fuß ist“, lacht der Brasilianer im WERDER PODCAST. Mit seinen Teamkollegen konnte er der temperamentvolle, gut gelaunte Ailton sein. Den erlösenden Moment auf dem Rasen des Olympiastadions widmete er in Gedenken an seinen großen Bruder.

Was Ailton weiter über seine Familie erzählt, welche Vereinbarung er mit seinen Geschwistern traf und wie ihm die Eleganz seiner Mutter bei "Let's dance" weiterhelfen soll, hört ihr in der neusten Folge des WERDER-PODCAST - dem Audio-Medium in der grün-weißen Online-Familie – Die neue Episode gibt es auf dem offiziellen Soundcloud-Profil, dem iTunes-Account und dem Spotify-Kanal des SV Werder. Hört rein!

 

 

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