„Leute, wenn ich jetzt noch einmal da rauf muss ...“

Otto Rehhagel in Episode #20 des WERDER-PODCAST

Alles Gold, was glänzt: Otto Rehhagel und Thomas Schaaf mit der DFB-Pokal-Trophäe auf dem Bankett 2009 nach dem Finalsieg über Leverkusen (Foto: Nordphoto).
Podcast
Mittwoch, 06.02.2019 // 16:32 Uhr

von Maximilian Hendel

Es gibt Drehbuchideen, die einem sämtliche Filmproduzenten aufgrund eines zu kitschigen Pathosfaktors um die Ohren hauen würden. Die epische Szenerie, die das denkwürdige Aufeinandertreffen der Grün-Weißen mit Borussia Dortmund gestern Abend urplötzlich annahm, würde sich fraglos in diese Kategorie einreihen. Umso besser, dass Otto Rehhagel Werder-Redakteur Markus Biereichel am vergangenen Wochenende mit auf eine kurzweilige Reise in die Vergangenheit nahm, aus der Episode #20 des – von Technikpartner Media Markt ermöglichten – WERDER-PODCAST geworden ist.

Wer, wenn nicht die 80-jährige Trainer-Legende, steht sinnbildlich für die großen und kleinen fußballerischen Triumphe, Tränen und Tragödien der Grün-Weißen bis Mitte der 1990er Jahre, ehe wenig später Thomas Schaaf die nächste außergewöhnliche Ära begründen sollte. Nicht erst seit Dienstagabend ist der DFB-Pokal den Bremern ein ganz besonderes Pflaster, das sie alljährlich betreten. Beinah 28 Jahre mussten vergehen, bevor der Pokalsieger von 1961 im Juni 1989 wieder einmal in das mittlerweile in Berlin ausgetragene Endspiel eingezogen war.

Aber im Vergleich dazu löste dieser vorletzte Schritt eine erst recht aufwühlende Geduldsprobe aus. Es galt, zwei bittere Finalniederlagen – zunächst gegen den BVB (1:4), dann gegen Kaiserslautern (2:3) – mitsamt des für die Geschlagenen stets bittersüßen, schier nie enden wollenden Zeremoniells im Anschluss zu verkraften. „Sie müssen unten von der Tartanbahn rauf“, erzählt Rehhagel, vorbei an jubelnden Zuschauern und mitleidigen Schulterklopfern, „die alle sagen, ‚ach, Otto, nimm’s nicht so tragisch’. Wenn man ins Pokalendspiel kommt, ist man natürlich happy, aber wenn man’s verliert, das ist furchtbar und wenn man das nächste mal wieder verliert, das ist schrecklich.“


Es ist daher nur zu erahnen, wie groß die Erleichterung im Jahr darauf nach Werders drittem Finale in Serie gewesen sein muss. „Beim dritten Mal habe ich gesagt, ‚Leute, wenn ich jetzt noch einmal unten von der Tartanbahn da rauf muss zu dieser Loge, dann stürze ich mich von oben auf die Tartanbahn’, und das wollten die Jungs nicht“, frotzelt Rehhagel. Dank Uli Borowkas eisernen Nerven im entscheidenden Versuch des Elfmeterschießens mit dem 1. FC Köln vertrieben die Grün-Weißen 1991 ihren aufkeimenden Berlin-Fluch mit der zeitlosen bremischen Binsenweisheit: Dreimal ist Bremer Recht.

Dieser Erfolg war bekanntermaßen nur der Grundstein für die Sensation in der Folgesaison. Selbst von Arsène Wengers AS Monaco um den späteren Weltfußballer George Weah war Werder im Europapokal der Pokalsieger nicht zu stoppen. Doch Rehhagels nimmersatte Titelhamster hatten noch lange nicht genug. Als er den Osterdeich 1995 gen München verlassen hatte, hinterließ er viel mehr als nur eine rappelvolle Glasvitrine mit zwei Meisterschalen, zwei DFB-Pokalen und der angesprochen Europacup-Trophäe. „Ich habe Glück und Erfolg gehabt. Manche Trainer träumen ein ganzes Leben davon“, sagt Otto Rehhagel zufrieden, wie es nur jemand sein kann, der im weiteren Verlauf seiner Karriere sogar noch den 1. FCK zur höchstwahrscheinlich einzigen deutschen Meisterschaft eines Aufsteigers führte (1998) und mit dem griechischen Nationalteam bei der EM 2004 ein weiteres ebenso kaum wiederholbares Fußballwunder vollbrachte.
 

Wer erfahren möchte, warum es Otto Rehhagel einst für Werder „fast bis an den Nordpol“ verschlagen hatte, ob Marco Bode wirklich nur spielte, weil Ehefrau Beate ihn so gut leiden konnte, was nach dem traumatischen Kutzop-Elfmeter 1986 geschah und wie es um sein Griechisch bestellt ist, sollte sich Episode #20 des WERDER-PODACST keinesfalls entgehen lassen - und sowieso, wer sich vom musikalischen Talent des Erfolgstrainer überzeugen will. Der Podcast verbindet die schönste Nebensache der Welt mit dem geilsten Verein der Welt. Hier wird nicht nur über alles geredet, was das grün-weiße Herz höher schlagen lässt, sondern wir sprechen mit Werder. Die neue Folge gibt es auf dem offiziellen Soundcloud-Profil, dem iTunes-Account und dem Spotify-Kanal des SVW.

 

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