Ein ständiger Prozess

Marco Grote im Interview

Erkennbar: Trainer Marco Grote sieht in den letzten Wochen deutliche Fortschritte (Foto: WERDER.DE).
Junioren
Mittwoch, 14.11.2018 // 17:15 Uhr

Das Interview führte Marcel Kuhnt

Der Endspurt des Kalenderjahres naht für Werders U19. Noch drei Partien hat das Team von Trainer Marco Grote vor sich. Während der Länderspielpause in der A-Junioren-Bundesliga (siehe Extrameldung) können die Grün-Weißen kurz durchschnaufen und ein Zwischenfazit ziehen. Im Interview mit WERDER.DE blickt Marco Grote auf den Saisonstart, die Fortschritte der letzten Wochen und das anstehende Nordderby.

WERDER.DE: Elf Spiele sind in der A-Junioren-Bundesliga gespielt. Bisher habt ihr 20 Punkte geholt. Bist du mit der Punktausbeute zufrieden?

Marco Grote: „Die Punktausbeute ist für mich nicht entscheidend. Die Momentaufnahme des Leipzig-Spiels stimmt mich aktuell zufrieden. In der Partie haben die Jungs zum ersten Mal während einer Wettkampfsituation in allen Bereichen überzeugt - und das über die gesamte Spielzeit. Das ist in der Vorbereitung und den restlichen zehn Ligaspielen nicht der Fall gewesen. Die Leistungen waren schwankend, was bei einer Ausbildungsmannschaft mit unseren Voraussetzungen aber immer möglich ist. Umso mehr freut es mich, dass wir letztes Wochenende eine stabile Partie gezeigt und einen Schritt in die richtige Richtung gemacht haben."

Der Trend bei der U19 zeigt nach schwankenden Leistungen zum Start nach oben (Foto: Rospek).

WERDER.DE: Woran liegt es, dass die Leistungen schwanken?

Marco Grote: „Wir hatten ein paar kleinere Baustellen, an denen wir intensiv arbeiten mussten. Gerade die letztjährigen U17-Spieler müssen sich erst noch an das Niveau gewöhnen. Außerdem sind einige Spieler nicht im Kader, da sie bereits in den Herrenbereich hochgezogen wurden oder zumindest teilweise dort trainierten, was sich ebenfalls bemerkbar macht. Nicht zuletzt haben wir einige Verletzte. Ab und zu spielt auch ein sehr guter Gegner mit. All diese Faktoren haben Auswirkungen auf ein Team und sie haben inhaltliche Anpassungen der Trainingsschwerpunkte zur Folge.“

WERDER.DE: An welchen Schwerpunkten arbeitet ihr genau?

Marco Grote: „Grundsätzlich geht es bei unserer Spielweise in erster Linie um das Spiel mit dem Ball. Deshalb sind zum Beispiel die Techniken des Passspiels, die Ballmitnahme oder die räumliche Orientierung zu nennen. In den ersten Monaten zählte der mannschaftstaktische Spielaufbau zu unseren Trainingsschwerpunkten. Da waren wir die ganze Zeit ganz gut mit beschäftigt. Im Laufe der letzten Wochen haben wir am Defensiv- und Kettenverhalten samt Zweikampfführung gearbeitet, weil uns dort Probleme aufgefallen und unsere Leistungen noch nicht zufriedenstellend waren. Außerdem waren Mentalität und Geschlossenheit wichtige Themen.“

WERDER.DE: Eine positive Entwicklung ist allerdings zu beobachten...

Marco Grote: „Ja, ein Entwicklungsprozess ist zu erkennen. Wir haben eine talentierte Mannschaft. Das gilt sowohl für den älteren als auch den jüngeren Jahrgang. Aber natürlich ist es gerade für die ehemaligen U17-Spieler schwer, sofort auf höchstem Level zu agieren. Diese Erfahrung haben wir mit einer sehr jungen Mannschaft bereits letztes Jahr gemacht. Damals haben wir aber in den ersten Monaten viele Spiele knapp für uns entscheiden können. Die A-Junioren-Bundesliga zeichnet sich durch stetig steigende Dynamik und Körperlichkeit aus. Hinzukommt, dass die Qualität, gerade der Top-Vereine, im technisch-taktischen Bereich so hoch ist, dass nur noch Kleinigkeiten die Spiele entscheiden.“

Du hast automatisch eine neue Rollenverteilung in der Mannschaft
Marco Grote

WERDER.DE: Du sprichst von einem Unterschied zwischen U17 und U19, obwohl beide Altersklassen Bundesliga-Niveau haben. Liegt es daran, dass die U19 der letzte Schritt vor dem Herrenbereich ist?

Marco Grote: „Unter dem Strich ist das so. Es ist die letzte Ausbildungsstufe. In der U19 spielen ganz viele Faktoren eine Rolle, die in jüngeren Altersklassen noch nicht so ausgeprägt sind. Spiele ich weiter bei Werder? In welcher Klasse im Herrenbereich lande ich? Wie ist meine Situation überhaupt? Einflussfaktoren im direkten persönlichen Umfeld sind ebenfalls nicht zu unterschätzen. Zudem sind Spieler Teil des Team, die schon bei den Profis mitmachen und Begehrlichkeiten anderer Klubs wecken. Diese Faktoren können die Arbeit schwieriger machen als die mit jüngeren Nachwuchsteams. Deshalb ist die inhaltliche Arbeit in einer U19 mit dem Ziel der optimalen individuellen Förderung nicht immer so einfach, wie es von außen erscheint. Wir brauchen schlicht Zeit, verbunden mit einem hohen Maß an Gemeinschaft und die Jungs brauchen ein bisschen Geduld.“

WERDER.DE: Der 2000er-Jahrgang, der in der U17 Deutscher Vize-Meister wurde, geht in seine zweite U19-Saison. Merkt man den Spielern an, dass sie eine andere Rolle einnehmen?

Marco Grote: „Na ja, das Team von damals ist so nicht mehr vorhanden. Es fehlt eine ganze Reihe an Spielern, die zum Teil gar nicht mehr bei Werder spielen. Dadurch, dass einige Spieler wie Manuel Mbom, Luca Plogmann oder Julian Rieckmann hochgezogen wurden, gibt es automatisch eine neue Rollenverteilung innerhalb der Mannschaft. Diese Veränderung kann bestimmten Spielern gut tun und ihnen im weiteren Karriereverlauf helfen, da sie mehr Verantwortung übernehmen müssen. Diese Rollen müssen sich Stück für Stück entwickeln.“

Jean-Manuel Mbom wurde bereits in den Herrenbereich hochgezogen (Foto: nordphoto).

WERDER.DE: Wo sie keine Erfahrungen mehr sammeln können, ist der DFB-Pokal. Wie sehr ärgert dich das Ausscheiden in Magdeburg noch?

Marco Grote: „Das sollte so langsam abgehakt sein. Ich hoffe, dass die Mannschaft aus diesem Spiel ihre Schlüsse gezogen hat. Dennoch ist es schade, dass wir diesen Wettbewerb hergeschenkt haben. Das hat mich schon gestört. Natürlich kann man in Magdeburg mal verlieren, aber diese Partie mit der Vorerfahrung des Punktspiels und ihrem positiven Beginn herzugeben, war hochgradig unnötig.“

WERDER.DE: Wie bei den Profis ist auch bei euch im Moment Länderspielpause. Ändert sich bei den Abläufen etwas? Oder ist es wie immer, da mit David Philipp und Maik Nawrocki nur zwei Spieler fehlen?

Marco Grote: „In der jetzigen Phase ist es tatsächlich so, dass einfach nur zwei Spieler nicht dabei sind. Da ändert sich nicht viel. In vorherigen Pausen waren durch Länderspiele, Länderpokale oder Trainingseinheiten bei den Profis gelegentlich mehrere Spieler zugleich weg, was man dann schon merkt. Die Belastungssteuerung ist dabei nicht immer so einfach. Anderseits ist das ein guter Zeitpunkt um in kleineren Trainingsgruppen noch individueller zu arbeiten. Die Gegnervorbereitung fällt diese Woche aber weg.“

WERDER.DE: Für das kommende Nordderby gegen den Hamburger SV seid ihr trotzdem bestens vorbereitet?

Marco Grote: „Ja. Ich freue mich auf das Spiel, weil das Nordderby immer interessant ist und uns zudem eine ganz andere gegnerische Spielweise erwartet als zuletzt in Leipzig. Der Hamburger SV setzt auf den fußballerischen Ansatz mit Kombinationsspiel. Ich bin gespannt, wie sich die Jungs präsentieren und ob wir wirklich bereits die Konstanz haben, sowohl gegen den HSV als auch in den letzten beiden Spielen des Jahres in Dresden und gegen Hannover unsere Leistung stabil über die gesamte Spieldauer abzurufen. Das wird nötig sein, wenn wir erfolgreich sein wollen."