Young-Coach-Ausbildung im Libanon

WERDER-Trainer Michael Arends begeisterte junge Menschen im Libanon für Fußball. (Foto: SCORT)
WERDER BEWEGT
Mittwoch, 13.09.2017 // 15:42 Uhr

Von SCORT

Anfang September hat der SV Werder Bremen in Zusammenarbeit mit der Football Club Social Alliance (FCSA), dem UNHCR und der AFC Dream Asia Foundation das Young Coach Ausbildungsprogramm im Libanon erfolgreich gestartet. Bis im Frühling 2018 durchlaufen 40 junge Libanesen und Flüchtlinge insbesondere aus Syrien die FCSA-Ausbildung zum Kinderfussballtrainer und Mentor. Ihr Ziel ist es danach, Kindern in prekären Lebenssituationen durch Fussballaktivtäten und Lernspiele ein sicheres Umfeld zu schaffen und das friedliche Zusammenleben von Libanesen und aufgenommenen Flüchtlingen in konfliktgeprägten Gastgemeinden zu fördern.

Besondere Kulisse in Beirut. (Foto: SCORT)

Michael Arends war als Werder-Instruktor beim Projektstart dabei. ««Es war sehr spannend, unmittelbar in der Nähe von Syrien zu sein. Mir war nicht bewusst, welche Rolle die Flüchtlingssituation im Libanon spielt. Durch den Austausch mit den Young Coaches nehme ich neue Ideen für die eigene Arbeit mit unseren Geflüchteten in Bremen mit. Ich werde jetzt ganz anders auf die Jungs vom Flüchtlingstraining eingehen und ihnen noch mehr Unterstützung bieten können. Interessant war für mich zu sehen, dass der internationale Fussball eine grosse Rolle spielt. Bei vielen hat die soziale Komponente im Fussball, so wie wir sie verstehen, gefehlt. Die Fussballkultur und gesellschaftliche Bewegung sind sehr unterschiedlich. Sie sehen Fussball nicht als Ganzes, sondern nur als Profisport. Durch unseren sozialen Ansatz konnten wir ihnen etwas komplett Neues über den Fussball verraten.»

Souad ist begeistert, die Ausbildung zum Young Coach machen zu dürfen. Sie erklärt: «Ich liebe Fussball und die Arbeit mit Kindern und freue mich, sie glücklich und lachend zu sehen. Wegen der Krise in Syrien haben wir viel Arbeit mit Flüchtlingen. Ich mache bei diesem Programm mit, weil ich mehr Erfahrung und Methoden sammeln will, um ihnen mehr Freude zu schenken.»

Auch Qutaiba, der aus dem Irak geflüchtet war, nimmt viel aus dem ersten Ausbildungsmodul mit. «Für mich war es wichtig zu lernen, wie man die sozialen Werte und Prinzipien des Sports an Kinder weitergibt, und zwar so, dass die Kinder sie verstehen. Ich werde insbesondere die Fun Games und Lernspiele in meine Arbeit integrieren, denn es ist wichtig, dass Kinder durch den Sport lernen, ein friedliches, besseres Leben zu führen.»

Nach dem blutigen Bürgerkrieg (1975-1990) ist Libanon noch immer im Wiederaufbau begriffen. Fast 30% der Bevölkerung lebt unter der Armutsgrenze. Trotzdem hat das Land bereits vor Ausbruch der Syrienkrise zahlreiche Flüchtende aus Palästina und dem Irak aufgenommen. Seit 2011 flohen nochmals weit über eine Million Syrer ins Land, das nun weltweit die höchste Flüchtlingsdichte (ein Viertel der Bevölkerung) aufweist. Die Bewältigung des Flüchtlingsstroms nimmt die Ressourcen des Landes stark in Anspruch. Das Verständnis der Bevölkerung für die Lage der Flüchtlinge nimmt indes ab, während die Frustration und sozialen Spannungen zwischen Flüchtlingen und Libanesen steigen.

Sichtlich viel Spaß beim Training. (Foto: SCORT)

Von der prekären Lage und den fehlenden Mitteln sind benachteiligte libanesische Kinder sowie syrische Flüchtlingskinder besonders betroffen. Um Konflikten vorzubeugen und Kindern in den Gastgemeinden ein förderndes Spiel- und Lernumfeld zu bieten, hat sich die FCSA entschieden, eine Young Coach Ausbildung im Libanon durchzuführen. Dabei werden bis im April 2018 rund 40 junge Frauen und Männer aus dem Libanon wie auch aus den Flüchtlingsgemeinden zu Kinderfussballtrainern mit speziellen sozialen Kompetenzen, zu sogenannten Young Coaches, ausgebildet. Instruktoren der FCSA-Clubs und der lokalen Partner zeigen dabei auf, wie sie den Kindern durch Fussballaktivitäten grundlegende Werte für ein friedliches Zusammenleben beibringen können.

Das Ausbildungsprojekt wird in Zusammenarbeiten mit Scort, dem Hochkommissariat für Flüchtlinge (UNHCR) und der AFC Dream Asia Foundation der asiatischen Fussballkonföderation durchgeführt. Nach Programmen in der Ukraine und Jordanien ist das Ausbildungsprogramm im Libanon bereits das dritte Projekt vom SV Werder Bremen mit der FCSA, welches die schwierige Situation von Flüchtlingen weltweit direkt angeht und jungen Menschen durch die Ausbildung neue Perspektiven aufzeigt, proaktiv der Hoffnungslosigkeit entgegenzuwirken.