"Alle überzeugen, dass der vorgeschlagene Weg richtig ist"

Präsident Dr. Hubertus Hess-Grunewald im Interview zu den Strukturreformen

Dr. Hubertus Hess-Grunewald spricht auf der Mitgliederversammlung
Dr. Hubertus Hess-Grunewald steht auf der #WerderMv zur Wiederwahl (Foto: Gumz).
Mitglieder
Montag, 10.10.2022 / 09:30 Uhr

Das Interview führte Martin Lange

Der Sport-Verein „Werder“ von 1899 e. V. steht erneut vor einer wegweisenden Mitgliederversammlung. Werder-Präsident und Geschäftsführer Dr. Hubertus Hess-Grunewald blickt auf die Veranstaltung voraus und wirbt für die geplanten Veränderungen in Struktur und Satzung, die am 20. November 2022 vom Präsidium zur Abstimmung gestellt werden.

WERDER MAGAZIN: Mit welchen Gedanken blicken Sie gut sechs Wochen vor der diesjährigen Mitgliederversammlung der Veranstaltung entgegen?

Dr. Hubertus Hess-Grunewald: "Ich hoffe darauf, dass es uns bis dahin gelingt, bei den Mitgliederversammlungen der Sportabteilungen und bei weiteren Vereinsveranstaltungen für die Strukturänderung zu werben. Sie wurde von der Strukturkommission entwickelt und vom Präsidium mit großer Mehrheit übernommen und auf den Weg gebracht. Nun geht es darum, dass die daraus resultierenden Vorschläge zur Änderung der Vereinssatzung mit breiter Mehrheit mitgetragen werden. Denn diese Veränderungen sind dringend nötig, damit wir Werder Bremen für die Zukunft noch besser und moderner aufstellen können."

WERDER MAGAZIN: Welches sind die wichtigsten Veränderungen?

Dr. Hubertus Hess-Grunewald: "Wir wollen mit der neuen Struktur die Personenidentität des Präsidenten des e. V., der bisher auch Geschäftsführer der Kapitalgesellschaft ist, aufheben und eine klare Trennung vornehmen. Dennoch soll der Einfluss des e. V. auf diese wichtige Position in der Geschäftsführung auch zukünftig gewahrt bleiben, indem das Präsidium beim Auswahlprozess mitbestimmt. Anstelle des bisherigen formalen Entsenderechts tritt also ein sehr weitgehendes Mitbestimmungsrecht für das Präsidium. Denn auch wenn der Präsident zukünftig nicht mehr im operativen Geschäft der KG tätig ist, soll der Einfluss des Vereins als Gesellschafter insgesamt nicht geschwächt werden. Daher gehört zum zukünftigen Gesamtkonstrukt auch eine Stärkung des Vereins bei der Besetzung des Aufsichtsrats. Ab 2025 werden drei, statt bisher zwei, Aufsichtsratsmitglieder entsendet, unter anderem der Präsident. Im Falle einer Stimmengleichheit soll der Präsident als Aufsichtsratsvorsitzender das doppelte Stimmrecht bekommen."

Kritikpunkte an der aktuellen Struktur eliminieren

WERDER MAGAZIN: Warum sind diese strukturellen Veränderungen zum jetzigen Zeitpunkt notwendig?

Dr. Hubertus Hess-Grunewald: "Wir haben hochkompetente Menschen intensiv von außen auf das Unternehmen Werder Bremen schauen lassen, auch aus dem Blickwinkel eines möglichen Minderheiten-Gesellschafters, der sich an der KG beteiligen könnte. Dabei wurde stets die Frage gestellt, warum der Mehrheitsgesellschafter, also der e. V., sowohl im operativen Geschäft, als auch im Aufsichtsrat vertreten ist und ein möglicher Minderheiten-Gesellschafter nur im Aufsichtsrat. Hier müssen wir eine Struktur mit sauberer Trennung zwischen den Organen schaffen, um den Compliance- und Governance-Regeln gerecht zu werden."

WERDER MAGAZIN: Sie haben Ende August im Vorgriff auf die geplante Strukturänderung erklärt, dass Sie Ihren Vertrag als Geschäftsführer, der bis zum 31. Dezember 2022 läuft, nicht verlängern werden.

Dr. Hubertus Hess-Grunewald: "Mit dieser Entscheidung möchte ich für die geplanten Veränderungen werben, frühzeitig ein Signal geben und meinen Teil dazu beitragen, dass wir mit modernen Strukturen in die Zukunft gehen können. Denn ich fühle mich dem Verein und dieser notwendigen Modernisierung verpflichtet."

WERDER MAGAZIN: Zu den Empfehlungen der Strukturkommission gehört, die Profi-Mannschaften der Sportarten Tischtennis, Schach und Handball unter dem Dach der KG zu belassen. Warum ist das eine gute Entscheidung?

Dr. Hubertus Hess-Grunewald: "Die Bundesliga-Mannschaften in den weiteren Sportarten können das Budget, das wir ihnen gerne bereitstellen wollen, nicht aus sich heraus erwirtschaften. Unter dem Dach der Kapitalgesellschaft können wir sie so professionell ausstatten, wie wir es seit Jahren tun – durch eine Quersubventionierung aus den Erlösen der Männer-Fußball-Bundesliga-Mannschaft. Das ist in dieser Struktur am einfachsten und flexibelsten möglich, wenn die anderen Profi-Mannschaften weiterhin in der KG verwaltet werden."

WERDER MAGAZIN: Wie haben Sie die Arbeit der Strukturkommission erlebt?

Dr. Hubertus Hess-Grunewald: "Es war eine sehr konstruktive Diskussion, in der wir um Lösungen gerungen haben, die die Kritikpunkte an der aktuellen Struktur eliminieren und gleichzeitig die Einflussnahme des Vereins als Gesellschafter so weit wie möglich erhalten. Letztlich haben wir ein Gesamtpaket geschnürt, das für die Zukunft tragfähig ist. Da alle Gremien vertreten waren und die Kommission zudem einige externe Mitglieder hatte, gab es zu Beginn sehr unterschiedliche Positionen und Sichtweisen. Dadurch war die Diskussion häufig kontrovers, aber immer lösungsorientiert."

Ich habe zweifellos auch Fehler gemacht. Und einiges würde ich heute anders sagen oder nicht mehr so machen. Aber insgesamt bin ich mit mir im Reinen, was meine Arbeit als Geschäftsführer angeht.
Dr. Hubertus Hess-Grunewald

WERDER MAGAZIN: Die Arbeit der Strukturkommission ist ein Meilenstein der zu Ende gehenden aktuellen Amtsperiode des Geschäftsführenden Präsidiums. Welche weiteren gab es?

Dr. Hubertus Hess-Grunewald: "Wir haben die Mitgliedschaft zunehmend attraktiver ausgestaltet und die Mitgliederzahl kontinuierlich gesteigert. Wir haben die Gremien des e. V. in ihrer Wahrnehmung und in ihrem Handeln enorm gestärkt, zum Beispiel dadurch, dass nicht mehr nur das Geschäftsführende Präsidium bei der Hauptversammlung der KG vertreten ist, sondern das Gesamtpräsidium. Die Rolle als Gesellschafter haben wir so deutlich selbstbewusster wahrgenommen als früher. Zudem haben wir uns einem Strategieprozess geöffnet, in dem wir uns der Zukunft des Sport-Verein „Werder“ widmen. In unseren Liegenschaften haben wir energetische Maßnahmen ergriffen und zum Beispiel die Sporthallen mit LED-Beleuchtung ausgestattet. Insgesamt haben wir es aus meiner Sicht sehr gut geschafft, zum einen unseren Mitgliedern optimale Sportbedingungen zu bieten und zum anderen deutlich zu machen, dass wir uns unserer gesellschaftlichen Verantwortung als Leuchtturm der Region bewusst sind."

WERDER MAGAZIN: Sie haben dem Wahlausschuss signalisiert, erneut für die Wahl zum Präsidenten zur Verfügung zu stehen. Welche Pläne haben Sie für die nächsten vier Jahre?

Dr. Hubertus Hess-Grunewald: "Wir wollen den Strategieprozess des e. V. fortsetzen, den Verein weiterentwickeln und uns weiter den sehr bedeutenden Fragen der ökologischen und sozialen Nachhaltigkeit widmen. Wir wollen unser Sportangebot zeitgerecht, altersgerecht, interessengerecht aufstellen. Wir werden uns damit zu beschäftigen haben, ob wir eine Fanabteilung einführen. Und es geht auch in Zukunft darum, wie wir die Rolle als Gesellschafter der Kapitalgesellschaft in der neuen Struktur bestmöglich ausfüllen können."

WERDER MAGAZIN: Die Arbeit im Aufsichtsrat, die aus der Präsidentschaft resultieren würde, wäre für Sie kein Neuland. Bereits von 1999 bis 2014 gehörten Sie dem Gremium an, viele Jahre als Stellvertretender Vorsitzender...

Dr. Hubertus Hess-Grunewald: "... dennoch müsste ich komplett umdenken, denn ich habe zuletzt acht Jahre lang operativ gewirkt und werde zum einen dadurch und zum anderen durch die zukünftige Position als Vorsitzender des Aufsichtsrats eine andere Öffentlichkeit haben als früher. Ich werde mich zu Themen öffentlich äußern müssen, bei denen man erwarten darf, dass ein Präsident und Aufsichtsratsvorsitzender seine Stimme erhebt. Und auch nach innen hätte ich einen durch die Mitglieder legitimierten Führungsanspruch.

WERDER MAGAZIN: Der aktuelle Aufsichtsrat ist seit einem Jahr im Amt. Wie erleben Sie die Zusammenarbeit?

Dr. Hubertus Hess-Grunewald: "Die neuen Mitglieder des Aufsichtsrats, die zuvor im Fußball-Business noch keine größeren Erfahrungen hatten, haben sich sehr intensiv und mit großem zeitlichem Aufwand in die neue Rolle eingefunden. Der Aufsichtsrat hat eine wahrnehmbare öffentliche Präsenz und nimmt zu inhaltlichen Themen Stellung. Und im Zusammenwirken von Aufsichtsrat und Geschäftsführung, in der Aufstellung von Budgets, im Abwägen von wirtschaftlichen und sportlichen Risiken ist es eine sehr vertrauensvolle und konstruktive Zusammenarbeit."

WERDER MAGAZIN: Vize-Präsident Jens Höfer, der zugleich als Direktor Verwaltung & Verein arbeitet, hat frühzeitig angekündigt, in diesem Jahr nicht mehr zur Wahl zu stehen, und wird auch in seiner hauptberuflichen Tätigkeit in den Ruhestand gehen. Was bedeutet sein Ausscheiden für Werder?

Dr. Hubertus Hess-Grunewald: "Das Ende einer Ära – das muss man so deutlich sagen. Jens Höfer gehört zum SV Werder, seit ich denken kann. Er steht für eine hohe Identifikation, lebt den Verein mit Haut und Haaren, kennt alle Personen, Abläufe und Strukturen. Wenn dieses Wissen nicht mehr vorhanden ist, ist es schwierig, es sofort zu ersetzen. Jens Höfer hinterlässt eine gewaltige Lücke."

WERDER MAGAZIN: Sie gehören der Geschäftsführung seit Januar 2015 an. Wie fällt Ihr Fazit der knapp acht Jahre aus?

Dr. Hubertus Hess-Grunewald (überlegt): "Ich weiß nicht, ob es der richtige Zeitpunkt ist, um ein Fazit zu ziehen. Nach meiner Entscheidung und der öffentlichen Bekanntgabe, zum Ende des Jahres aus der Geschäftsführung auszuscheiden, habe ich viele positive Rückmeldungen zu meiner Arbeit bekommen, die mich sehr gefreut haben. Ich habe zweifellos auch Fehler gemacht. Und einiges würde ich heute anders sagen oder nicht mehr so machen. Aber insgesamt bin ich mit mir im Reinen, was meine Arbeit als Geschäftsführer angeht."

WERDER MAGAZIN: Fällt es Ihnen schwer, die Geschäftsführung zu verlassen?

Dr. Hubertus Hess-Grunewald: "Natürlich fällt es mir schwer. Denn ich bin mit einer anderen Lebensplanung angetreten, habe meine vorherige berufliche Tätigkeit als Rechtsanwalt für das Amt als Geschäftsführer aufgegeben, meine Kanzlei verkauft. Und bin davon ausgegangen, dass meine Rolle in dieser Struktur stabil ist. Schon 2016 musste ich dann feststellen, dass diese Stabilität nicht gegeben ist. Und seitdem hatten wir immer wieder Struktur- und Satzungsdebatten. Das hat meine Arbeit nicht erleichtert. Und mir war irgendwann klar, dass nur ich diesen Knoten durchschlagen kann. Daher habe ich mich an die Spitze des Strukturprozesses gesetzt und unter anderem im Gesamtpräsidium – gegen anfängliche Widerstände – für Veränderungen geworben. Ich bin der Überzeugung, dass die neue Struktur für Werder Bremen die richtige Entscheidung ist, auch wenn es für mich persönlich nicht einfach ist."

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WERDER MAGAZIN: Ihre Rolle als Präsident wird sich verändern, wenn Sie nicht mehr zugleich Geschäftsführer sind...

Dr. Hubertus Hess-Grunewald: "... weil ich keinen direkten Zugriff mehr auf das operative Geschäft habe. Wenn zukünftig Themen an mich herangetragen werden, dann kann ich nicht sofort selbst für die Umsetzung sorgen, sondern ich muss sie als Aufsichtsrat über die Geschäftsführung anstoßen, kann also sozusagen nur noch „über Bande spielen“. Wichtig ist aber: Wenn Werder Bremen als Gesamtkonstrukt funktionieren soll, dann müssen wir alle in unseren zugewiesenen Rollen professionell agieren, Klarheit in der Rollenverteilung haben, müssen diese Rollen ausfüllen und dürfen sie nicht verlassen."

WERDER MAGAZIN: Es gibt die Absichtserklärung von Aufsichtsrat und Präsidium, Anne-Kathrin Laufmann in der neuen Struktur ab Januar 2023 in die Geschäftsführung zu berufen. Warum ist das die richtige Entscheidung?

Dr. Hubertus Hess-Grunewald: "Wir haben eine neue Struktur gestaltet, die dieser Tätigkeit in der Geschäftsführung klare Verantwortungen zuordnet – das strategische Ziel der Nachhaltigkeit, der Diversität und das gesamte soziale Engagement, dazu die Sportvereinsentwicklung. Also brauchen wir jemanden, der diese Schwerpunkte inhaltlich kompetent besetzen kann. Anne Laufmann ist seit vielen Jahren bei Werder, arbeitet derzeit als Direktorin CSR und als Nachhaltigkeitsbeauftragte. Sie hat eine hohe Expertise und hat sich bundesweit in vielen Gremien, bei der DFL, beim DFB und in übergeordneten Organisationen, ein hohes Maß an Anerkennung erworben. Dazu kennt sie den Verein sehr gut. Sie war als Jugendreferentin Mitglied des Präsidiums. Und aus diesen unterschiedlichen Erfahrungen und Kompetenzen kann sie idealtypisch und authentisch die Anforderungen auf dieser Position in der Geschäftsführung erfüllen. "

WERDER MAGAZIN: War der Abpfiff des Heimspiels gegen Regensburg und der damit geschaffte Wiederaufstieg der bisher wichtigste Werder-Moment in diesem noch jungen Jahrtausend?

Dr. Hubertus Hess-Grunewald (überlegt): "Natürlich war das ein ganz besonderer und wichtiger Moment. Aber wenn man das Jahrtausend betrachtet, dann gab es einige Meilensteine: Zum Beispiel im Jahr 2003 die Ausgliederung des wirtschaftlichen Geschäftsbetriebs aus dem Verein, mit dem wir damals die Struktur, die wir nun verändern wollen, geschaffen haben. Auch das war eine Jahrhundert-Entscheidung von sehr großer Bedeutung. Genau wie die Mitgliederversammlung im September 2021, bei der wir unter ganz besonderen Umständen mit Pandemie, Abstieg und einer breiten kritischen Öffentlichkeit zur Kandidatenfindung im Aufsichtsrat ein deutliches Zeichen der Mitglieder bekommen haben, welchen Weg sie mit uns gehen wollen. Danach hatten wir wieder Ruhe, Klarheit und Orientierung innerhalb der gesamten Werder-Familie."

WERDER MAGAZIN: Waren diese Ruhe und Klarheit auch ganz entscheidend für den weiteren Saisonverlauf in der zweiten Liga, an dessen Ende der Wiederaufstieg stand?

Dr. Hubertus Hess-Grunewald: "Entscheidend war vor allem, dass wir nicht schon zu Beginn das Ziel ‚Wiederaufstieg‘ ausgegeben haben. Wir wollten eine junge entwicklungsfähige Mannschaft aufbauen, die um den Aufstieg mitspielen kann. Wir mussten Transfererlöse erzielen, die neue Mannschaft musste sich erst finden. Und wir haben keinen unnötigen Druck aufgebaut, von dem man gewusst hätte, dass das Team dem gar nicht standhalten kann. Wir haben jederzeit die Ruhe bewahrt, dann beim Wechsel von Markus Anfang zu Ole Werner professionelles Krisenmanagement betrieben und mit dieser Personalie auf der Position des Cheftrainers einen echten Glücksgriff getan."

WERDER MAGAZIN: Wie beurteilen Sie den Saisonstart der Bundesliga-Profis?

Dr. Hubertus Hess-Grunewald: "Die Mannschaft hat gezeigt, dass wir mit unserer Spielidee auch in der ersten Liga konkurrenzfähig sind und erfolgreich sein können. Wir stehen für attraktiven Fußball, zu Saisonbeginn sogar für Spektakel. Dennoch müssen wir uns immer wieder klarmachen, dass der Wettbewerb knallhart ist und dass wir 34 Endspiele haben. Nur wenn wir weiterhin fokussiert sind, werden wir in der Liga bleiben. Ich bin davon überzeugt, dass wir das schaffen."

WERDER MAGAZIN: Der Frauenfußball geht zukünftig in den Verantwortungsbereich von Frank Baumann über. Sie haben sich stets für die Fußballerinnen stark gemacht. Wie beurteilen Sie die derzeitige Entwicklung?

Dr. Hubertus Hess-Grunewald: "Wir konnten den Frauenfußball bei Werder in den vergangenen Jahren trotz Pandemie entwickeln, auch wenn wir uns gewünscht hätten, dass wirtschaftlich noch mehr möglich gewesen wäre. Der Stellenwert des Frauenfußballs nimmt immer weiter zu, auch durch die Euro in England im vergangenen Sommer. Und die gesellschaftliche Akzeptanz wird größer. Mit dem geplanten Spiel unserer Mannschaft im wohninvest WESERSTADION setzen wir ein Highlight und wollen deutlich machen, welchen Wert der Frauenfußball für Werder hat. Zukünftig wird es darum gehen, dass wir uns strukturell noch besser aufstellen. Unter der Verantwortung von Frank Baumann als Geschäftsführer Fußball wird es möglich sein, weitere Synergien zwischen dem Männer-, dem Nachwuchs- und dem Frauenfußball zu schaffen."

WERDER MAGAZIN: Der Neubau des WERDER Leistungszentrum ist ein zentrales Thema. Wie ist der aktuelle Stand?

Dr. Hubertus Hess-Grunewald: "Das Moderationsverfahren ist so weit fortgeschritten, dass wir die ersten Beteiligungsspaziergänge mit Interessierten durchgeführt haben. Dabei wurden noch einmal viele Fragen aufgenommen, die allerdings die bekannten Themen und Probleme abbildeten. Wir haben bereits den ersten von sechs geplanten Workshops zu verschiedenen Themenfeldern durchgeführt. Und im Frühjahr 2023 werden wir entscheiden, ob wir die Zuversicht haben, diesen Prozess letztlich zu einem Konsens führen zu können. Oder ob die Widerstände und Bedenken so groß sind, dass es keinen Konsens zwischen Anwohnern, Ortsteilpolitik und Werder Bremen gibt. Ich bin nach wie vor sehr optimistisch, dass wir eine Lösung an unserem Standort in der Pauliner Marsch finden werden."

"Den Gedanken, dass wir 'Ein Werder' sind, weiter leben"

WERDER MAGAZIN: Welche Themen liegen Ihnen für Werder Bremen in den nächsten Jahren besonders am Herzen?

Dr. Hubertus Hess-Grunewald: "Wir müssen uns wirtschaftlich weiter stabilisieren, die Infrastruktur verbessern, zum Beispiel durch den Neubau des Leistungszentrums. Und wir müssen uns den großen gesellschaftlichen Themen stellen: dem Klimawandel, den Nachhaltigkeitsthemen. Denn auch wir haben uns vorgenommen, dass wir unsere CO2-Bilanz bis 2040 auf null bringen und bereits bis 2030 um die Hälfte reduzieren. Wir wollen sportlich und mit unserer gesellschaftlichen Verantwortung auch zukünftig ein Leuchtturm für die Menschen der Region sein. Und ich wünsche mir, dass wir bei diesen großen Herausforderungen den Gedanken, dass wir alle zusammen „Ein Werder“ sind, bewahren und weiter leben."

WERDER MAGAZIN: Muss der SV Werder sein Profil weiter schärfen und zu gesellschaftlichen Themen noch klarer Stellung beziehen?

Dr. Hubertus Hess-Grunewald: "Ich sehe uns diesbezüglich sehr gut aufgestellt. Als Sportverein sind wir nicht berufen, uns zu jedem Thema zu äußern. Wir dürfen andererseits auch nicht beliebig werden, sondern sollten eine klare Grundhaltung haben, für Respekt und Toleranz eintreten, allen Menschen in unserem Verein ein Zuhause geben, egal welcher Hautfarbe oder Herkunft, welcher sexuellen Orientierung. Das ist ein Grundpfeiler des Denkens und Handelns bei Werder. Und wenn wir durch den Sport gesellschaftliche Themen transportieren können, dann werden wir das auch zukünftig tun."

WERDER MAGAZIN: Sie werden bei der Bürgerschaftswahl in Bremen im Mai 2023 für die SPD kandidieren. Warum haben Sie sich dazu entschieden?

Dr. Hubertus Hess-Grunewald: "Ich wurde von der Partei gefragt, ob ich mir eine Kandidatur als Quereinsteiger vorstellen kann. Und ich bin zu der Entscheidung gekommen, dass ich mir gut vorstellen kann, als Abgeordneter eines Landesparlaments an der Gestaltung des Gemeinwesens mitzuwirken. Das ist eine tolle Herausforderung. Ich war schon immer ein politischer Mensch. Und ich habe eine Haltung und einen Wertekompass, mit denen ich mich am ehesten in der SPD wiederfinde."

WERDER MAGAZIN: Werder-Präsident und Bürgerschaftsabgeordneter – passt das zusammen?

Dr. Hubertus Hess-Grunewald: "Mit meiner Tätigkeit als Geschäftsführer wäre es sicher nicht vereinbar gewesen. Aber als Präsident und Aufsichtsratsvorsitzender werde ich andere Zeitbudgets haben. Außerdem ist die Bremer Bürgerschaft ausdrücklich als Teilzeitparlament ausgewiesen. Es ist gewünscht, dass die Abgeordneten weiterhin beruflich tätig sind. Mit Björn Fecker habe ich im Übrigen ein tolles Vorbild. Er ist Präsident des Bremer Fußball-Verbands und Fraktionsvorsitzender in der Bremer Bürgerschaft. Und ich habe nicht den Eindruck, dass eines seiner Ämter leidet."

WERDER MAGAZIN: Die Mitgliederversammlung am 20. November findet ausnahmsweise nicht in Werder-Räumlichkeiten statt. Das gab es noch nicht so häufig, auch wenn die Veranstaltung früher schon mal in der damaligen Stadthalle abgehalten wurde.

Dr. Hubertus Hess-Grunewald: "Wenn man die Resonanz im vergangenen Jahr mit weit mehr als 1.000 teilnehmenden Mitgliedern betrachtet, dann wären wir bei einer Rückkehr in die Werder-Halle Hemelinger Straße eventuell Gefahr gelaufen, dass die Kapazität nicht ausreicht. Zumal wir mit den Satzungsänderungen und der Wahl des Geschäftsführenden Präsidiums wieder emotionale Themen haben. Daher haben wir einen großen, zentral gelegenen Veranstaltungsort gesucht und uns für ‚Die Glocke‘ entschieden. Dort haben wir beste Bedingungen für die Mitgliederversammlung. Ich hoffe daher auf eine gute Resonanz der Mitglieder, einen harmonischen Verlauf der Versammlung und am Ende auf ein Ergebnis, bei dem wir die große Mehrheit der Mitglieder überzeugen konnten, dass der vorgeschlagene Weg der richtige für Werder Bremen ist."

Dieses Interview ist im WERDER MAGAZIN Nr. 353 im Oktober 2022 erschienen.

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