Eine Persönlichkeit, die den Verein bis heute prägt

Werders früherer Präsident Alfred Ries wäre heute 125 Jahre alt geworden

Alfred Ries überreicht Arnold Schütz Blumen.
Unter Präsident Alfred Ries (re.) gewann Werder erstmals die Deutsche Meisterschaft.
Sonstiges
Montag, 05.12.2022 / 09:00 Uhr

Alfred Louis Ries ist einer der größten Grün-Weißen in der Geschichte des SV Werder Bremen. Mit seinem Organisationstalent und seinen Führungsqualitäten trug er 1964/65 als Präsident maßgeblich zum erstmaligen Gewinn der Deutschen Meisterschaft bei, dem bis dahin größten Erfolg der Vereinsgeschichte nach dem Pokalsieg 1961. In seiner, in der Summe 20-jährigen Amtszeit, entwickelte sich der SVW nicht nur zu einem der größten Sportvereine inNorddeutschland, sondern bezog auch das heutige wohninvest WESERSTADION, das nach wie vor die Spielstätte und Heimat des Vereins bildet. Heute wäre der 125. Geburtstag von Alfred Ries gewesen.

Ries kam 14 Monate vor der Gründung unseres heute als ‚SV Werder Bremen‘ bekannten Sportvereins als Sohn jüdischer Eltern auf die Welt. Bereits als Schüler trat Ries um 1910 damals noch dem ‚Fußball-Verein „Werder“‘ bei, spielte in der Jugendfußballmannschaft. Sein nach  eigenen Aussagen „schönstes persönliches Sporterlebnis“ wiederfuhr ihm, als er 1914 aufgrund zahlreicher, sich im Kriegseinsatz befindender Spieler, in der ersten Herrenmannschaft zum Einsatz kam und ein Tor zum 2:1-Sieg gegen den Bremer Ballspiel-Verein beitrug. Zu dieser Zeit begann Ries zudem, sich als 2. Schriftführer im Verein zu engagieren.

Vom Schriftführer zum Präsidenten und eine neue sportliche Heimat

1920 übernahm Ries das Amt des 1. Schriftführers beim nun umbenannten ‚Sport-Verein „Werder“‘. Gleichzeitig kümmerte er sich ehrenamtlich um die interne und externe Vereinskommunikation und lief für die zweite Herrenmannschaft auf. Werder zählte in diesen Jahren schon über tausend Mitglieder. Ries übernahm die Leitung der Fußballabteilung und wurde 1923 in das Amt des Vereinsvorsitzenden gewählt, das er mit kurzen Unterbrechungen bis 1931 ausübte. Er war der erste Werder-Präsident jüdischen Glaubens.

Werder entwickelte sich in dieser Zeit zu einer der besten Fußballmannschaften in Norddeutschland und bezog unter Präsident Ries Anfang der 1930er Jahre das heutige wohninvest WESERSTADION, nachdem die Grün-Weißen zuvor unter anderem beim Kuhhirten, auf dem Neuenlander Feld und am Krähenberg gespielt hatten.

Rückzug aus Bremen

Als Anfang der dreißiger Jahre die Nationalsozialisten an Macht gewannen, verzichtete Ries 1931 auf die Wiederwahl zum Präsidenten und übernahm einen Posten als Beisitzer. Ein Jahr später kündigte der gläubige Jude an, Bremen wegen der politischen und gesellschaftlichen Veränderungen zu verlassen. Im Januar 1933 verabschiedete Werder den mehrmaligen Vorsitzenden mit der Verleihung der Vereinsnadel und der Ehrenmitgliedschaft. Dennoch verschwindet er anschließend recht schnell aus dem Gedächtnis des Vereins. Während Wegbegleiter von Ries begannen den Verein im Sinne des Nationalsozialismus umzugestalten, zog sich Ries aus Bremen zurück. Nach kurzem Aufenthalt in München, lässt sich Ries nach Jugoslawien versetzen, wo er zunächst als Repräsentant für seinen damaligen Arbeitgeber Kaffee HAG und später für andere Firmen arbeitet.  Hier überlebte er den Holocaust, während seine Eltern Eduard und Rosa Ries in das Konzentrationslager Theresienstadt deportiert und hier ermordet wurden.

Wiederaufbau mit Erfolg

Mit Ende des Zweiten Weltkriegs kehrte Ries 1946 nach Bremen und zum SV Werder zurück, wo er sich am Wiederaufbau des Sports beteiligte. Nur ein Jahr später wurde er erneut zum Präsidenten des Vereins gewählt. Im Jahr 1953 entschied sich Ries jedoch für eine diplomatische Laufbahn und legte seine Ehrenämter im Sport nieder. Während seiner Zeit in Kalkutta und Liberia blieb er dem SV Werder jedoch als Ehrenvorsitzender verbunden. Nach seiner Versetzung in den Ruhestand wurde Ries 1963 ein weiteres Mal Vorsitzender der Grün-Weißen. In den folgenden Monaten führte er den Verein in die neugegründete Bundesliga und zwei Jahre später zum bis dahin größten Erfolg der Vereinsgeschichte: Dem Gewinn der Deutschen Meisterschaft 1965. Bis zu seinem Tod im August 1967 füllte Ries das Amt des Vereinsvorsitzenden aus.

„Wenn es um das Schicksal jüdischer Mitglieder des SV Werder Bremen geht, dann spielt Alfred Ries eine zentrale Rolle“, betont Werder-Präsident Dr. Hubertus Hess-Grunewald. „Sein Wirken wird für uns immer unvergessen bleiben. Neben seiner großartigen Arbeit für den SV Werder bleibt sein Kampf für Weltoffenheit, Vielfalt, Toleranz und Respekt in Erinnerung. Sein Credo lautete: ‚Wer Versöhnung will, muss sie praktizieren‘. Als bedeutende Persönlichkeit, deren Strahlkraft weit über die Grenzen Bremens hinausreichte, nimmt Alfred Ries in unserer Vereinsgeschichte zweifellos einen besonderen Platz ein. Wir sind dazu angehalten, sein Vermächtnis weiterzuführen.“ Dabei betont Hess-Grunewald den großen Einfluss, den das Wirken von Alfred Ries bis heute auf den SV Werder Bremen hat: „Auch Alfred Ries ist es zu verdanken, dass der SV Werder heute ein menschlicher und weltoffener Verein ist, der sich deutlich für Toleranz sowie kulturelle Vielfalt und gegen Diskriminierung, Homophobie und Antisemitismus positioniert.“

Zum Erinnern: Alfred-Ries-Platz

Lange Zeit war in Bremen die Person Alfred Ries in Vergessenheit geraten. 2017 machte es sich eine kleine Gruppe Werderfans aus dem Umfeld des Bremer Fanprojektes zur Aufgabe, die Erinnerung an den so wichtigen Werderaner erneut mit Leben zu füllen. Es entsteht eine Broschüre, die sich seiner Person widmet. Zum Gedenken an den früheren Präsidenten, der mit seiner Arbeit großes für den SV Werder geleistet hat, wurde am Tag der Fans 2018 der ‚Alfred-Ries-Platz‘ eingeweiht. Der Platz befindet sich auf der Westseite des wohninvest WESERSTADIONS. Um dafür zu sorgen, dass der bei vielen Fans eher unbekannte Ries in Erinnerung bleibt, wird es in Zukunft zudem eine Ehrenort im Umlauf des Ost-Oberrangs geben.

 

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