Dominik Schmidt: "Wir haben nur noch Endspiele"

Tragende Stütze I Dominik Schmidt zählt trotz seines jungen Alters zu den erfahrenen Spielern in Werders U 23.
U23
Sonntag, 03.05.2009 // 10:54 Uhr

Dominik Schmidt (21) ist ein Arbeiter. Ein Typ, der von sich selbst sagt, dass er selten mit einer filigranen Technik auf dem Platz glänzen wird. Dafür überzeugt der robuste Innenverteidiger aber umso mehr mit einem starken Stellungsspiel, energisch geführten Zweikämpfen und unermüdlichen Siegeswillen. Tugenden, die Werders U 23 im Kampf um den Klassenerhalt gut zu Gesicht stehen.

 

Die Saison neigt sich dem Ende entgegen und Werders U 23 steht immer noch auf einem Abstiegsplatz. Was macht dich so zuversichtlich, dass ihr am Ende doch noch den Klassenerhalt schafft?

Es ist angesichts der guten Rückrunde ärgerlich, dass wir da unten stehen. Trotz teils sehr guter Spiele haben wir uns zu selten belohnt und viele Punkte liegen gelassen. Es wird nun für uns von Spiel zu Spiel nicht leichter aber jetzt kommen mit Aalen, Burghausen und den Stuttgarter Kickers noch drei Mannschaften, die mit uns da unten drin stecken. Das sind drei Spiele, die man unbedingt gewinnen muss, da darf man sich keine Fehler erlauben. Aber ich gehe das optimistisch an. Die Mannschaft ist in Takt. Viele Teams hätten sich in unserer Situation bestimmt schon zerfleischt, das ist bei uns nicht geschehen, gemeinsam haben wir das Ziel vor Augen, pushen uns gegenseitig hoch und daher werden wir am Ende auch in der Liga drin bleiben. Alles andere wäre eine herbe Enttäuschung.

 

Wie gehst du persönlich mit der Situation um?

Es schwirren einem viele Gedanken im Kopf herum. Schließlich ist es keine einfache Situation für uns. Ich persönlich hatte schon nach einigen Spielen in dieser Saison mit mir selbst zu kämpfen. Wir haben so oft einen enormen Aufwand betrieben, sind an unsere Grenzen gegangen, waren nach den Spielen einfach nur kaputt und doch ist man mit leeren Händen nach Hause gekommen. Das geht nicht spurlos an einem vorbei.

 

Sind nun vor allem die erfahrenen Spieler gefordert, zu denen du sicherlich auch zählst?

Ich bin zwar schon im dritten Jahr dabei, aber auch für mich ist die Situation neu. Wir haben in den letzten beiden Spielzeiten schließlich sehr erfolgreich gespielt. Wir haben auch nicht so viele ältere Spieler, die schon Erfahrungen im Abstiegskampf vorweisen können. Doch aus eigener Erfahrung kann ich nur jedem jungen Spieler empfehlen, sich die älteren Spieler zum Vorbild zu nehmen. Bei mir war es Florian Mohr, von ihm habe ich mir sehr viel abgeschaut. Nicht nur spielerisch, sondern auch charakterlich, denn zu einem erfolgreichen Fußball gehört nicht nur die spielerische Klasse, sondern auch die Charaktere, die diese Klasse auf dem Platz zur Entfaltung bringen können und die Mitspieler mitreißen.

 

Hattest du während der Saison schon einmal das Gefühl, dass es am Ende nicht zum Klassenerhalt reichen könnte?

Wenn ich ehrlich bin, ja. Wir hatten Spiele, die wir klar dominiert haben, teilweise schon geführt haben und am Ende dann doch nur einen Punkt geholt haben. Da fragt man sich dann schon, welche Spiele man gewinnen will, wenn nicht diese. Aber die Gedanken sind meistens schnell wieder verschwunden. Ich bin ein positiver Mensch, der optimistisch an Aufgaben herangeht. Ich sehe, wie hart jeder Einzelne hier für den Erfolg arbeitet und dann blickt man auch schon wieder nach vorne. Unser Trainer ist dabei ein gutes Beispiel.

 

Warum?

Weil er die Ruhe behält und auch nach Enttäuschungen der Mannschaft immer wieder Mut macht. Das spiegelt auch ein wenig die Philosophie bei Werder wieder. In anderen Clubs hätte man in unserer Situation sicherlich anders reagiert. Aber er hat zu Recht dieses sichere Standing. Das gesamte Trainerteam macht eine super Arbeit, stellt uns hervorragend auf die Spiele und den Gegner ein. Aber gewinnen, müssen wir schon selbst. Wir sind diejenigen, die auf dem Platz gefordert sind.

 

Immer wieder muss man leider lesen, dass die zweiten Mannschaften nicht in der 3. Liga spielen sollten. Du bist in einer zweiten Mannschaft zum Herrenspieler geworden. Hast du diesen Schritt jemals bereut?

Nein, niemals. Ich würde diese Entscheidung jedes Mal wieder treffen. Ich hätte damals auch zu einer ersten Mannschaft wechseln können und der Reiz wäre sicher auch da gewesen. Aber ich habe mich bewusst für Werder entschieden. Werders U 23 möchte Talente fördern und diese Aufgabe steht hier im Vordergrund. Der Schritt von der Jugend in den Herrenbereich ist riesengroß. Ich bin damals mit 19 Jahren von zu Hause weggegangen und war plötzlich auf mich allein gestellt. Aber ich habe in Bremen fast eine zweite Familie gefunden. Man wird hier nicht einfach in das kalte Wasser geworfen, sondern es gibt so viele Anlaufstationen, bei denen man Unterstützung in den verschiedensten Lebenslagen erhält. Und auch die sportliche Seite spielt eine große Rolle. Die Zusammenarbeit zwischen den Profis und der U 23 ist sehr eng. Etwas Besseres kann dir doch gar nicht passieren!

 

Wie schwer würde der Abstieg wiegen?

Das wäre schlimm. Man hat so hart gearbeitet und gekämpft um in dieser Klasse zu spielen. Wenn man einmal in dieser Liga gespielt hat und die Spiele in Dresden, Braunschweig oder Berlin erlebt hat, dann will man nicht absteigen. Das würde auch nicht unsere Arbeit und unser Potenzial widerspiegeln. Man will sich als Spieler immer mit den Besten messen und das geht mit Werders U 23 nur in der 3. Liga. Als junger Fußballer hat man die Bundesliga, also bei Werder die Profi-Mannschaft als Ziel. Wenn man absteigt, liegen aber nicht mehr nur zwei, sondern drei Ligen dazwischen. Also würde man sich von seinem Ziel wieder entfernen. Das kann nicht der Anspruch sein und gerade deshalb ist es so wichtig, dass wir alles dafür tun, um die Liga zu halten.

 

Am letzten Spieltag müsst ihr in Düsseldorf ran. Kommt es dort zu einem Endspiel?

Wir haben nur noch Endspiele vor uns. Düsseldorf ist noch weit weg. Für uns zählt immer nur das nächste Spiel. Wenn wir jetzt nicht so punkten, wie wir uns das vorgestellt haben, dann spielt auch die Partie in Düsseldorf vielleicht schon keine Rolle mehr. Das muss auch jedem bewusst sein. Sicher könnte es in Düsseldorf noch einmal zu einem besonderen Spiel kommen, wenn wir um den Klassenerhalt und Fortuna um den Aufstieg kämpft. Mir wäre es aber lieber, wenn die Entscheidungen schon vorher zu unseren Gunsten gefallen sind.

 

Bei den bisherigen Spielen konnte man sehen, dass du dich bekreuzigst, wenn du den Platz betrittst und verlässt. Was hat es damit auf sich?

In meiner Vergangenheit ist bei mir und meiner Familie viel vorgefallen, so dass ich ein sehr gläubiger Mensch geworden bin. Wenn ich den Platz betrete, möchte ich, dass Gott mich beschützt und sobald ich ihn verlasse, bedanke ich mich dafür, dass er es getan hat. Hinzu kommt, dass ich aus Aberglauben den Platz immer erst mit dem linken Fuß betrete und auch noch meine beiden Tattoos auf dem rechten Arm küsse.

 

Was hat es mit den Tattoos auf sich?

Die stehen für meine beiden Patenkinder, zu denen ich eine sehr enge Bindung habe. Ich leide sehr darunter, dass ich sie nicht so oft sehen kann und auch nicht sehe, wie sie aufwachsen. Der Kleinere von beiden ist absoluter Werder-Fan, er hat glaube ich alles von Werder. Die beiden sind wie meine Mutter das Wichtigste in meinem Leben.

 

Auf dem anderen Arm sind noch zwei Sterne zu sehen. Wofür stehen die?

Der eine steht für meinen Bruder und der andere für meine Mutter. Für meinen anderen Bruder und meinen Vater sollen auf dem anderen Arm noch zwei Sterne folgen. Dann ist die Familie komplett. Das mache ich auch nicht aus einer Laune heraus, sondern weil die Familie für mich das Wichtigste ist. Sie hat mich mein gesamtes Leben unterstützt, ich habe ihr viel zu verdanken und daher trage ich sie auch mit Stolz auf meinem Körper.

 

Im Sommer läuft dein Vertrag bei Werder aus. Deine Familie ist in Berlin. Denkst du daran zurückzukehren?

Erst einmal ist nur Werder wichtig. Ich habe diesem Verein so viel zu verdanken. Das möchte ich mit dem Klassenerhalt gerne zurückzahlen. Daher musste ich auch letztes Jahr nicht lange überlegen und habe noch ein Jahr drangehängt. Und auch jetzt ist Werder mein erster Ansprechpartner. Wohin mein Weg mich führt, wird man erst danach sehen.

 

Interview: Norman Ibenthal

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