Unsere beiden Ziele in Einklang bringen

Werders Geschäftsführer Klaus-Dieter Fischer hält auch die neu strukturierte Regionalliga für sehr attraktiv.
U23
Donnerstag, 01.01.1970 // 01:00 Uhr

Mit der Partie bei Arminia Bielefeld am kommenden Samstag ist das „Abenteuer 3. Liga" für Werders U 23-Talente vorerst beendet. Geschäftsführer Klaus-Dieter Fischer blickt auf WERDER.de noch einmal auf die Spielzeit 2011/2012 zurück, spricht über die Schwierigkeiten für zweite Mannschaften in der 3. Liga, Ziele und neue Herausforderungen in der neu strukturierten Regionalliga...

Mit der Partie bei Arminia Bielefeld am kommenden Samstag ist das „Abenteuer 3. Liga" für Werders U 23-Talente vorerst beendet. Geschäftsführer Klaus-Dieter Fischer blickt auf WERDER.DE noch einmal auf die Spielzeit 2011/2012 zurück, spricht über die Schwierigkeiten für zweite Mannschaften in der 3. Liga, Ziele und neue Herausforderungen in der neu strukturierten Regionalliga.

36 Jahre lang war Werders U 23 ein fester Bestandteil der dritthöchsten deutschen Spielklasse. Wie schwer fällt es nun den Gang in die 4. Liga antreten zu müssen?
Klaus-Dieter Fischer: Ein Abstieg ist immer unerfreulich und ich wäre sehr stolz gewesen, wenn wir den Klassenerhalt gepackt hätten. Aber wenn man die Umstände erkennt, die zu dem Abstieg geführt haben, kommt er für uns nicht ganz überraschend.

Welche Umstände meinen Sie?
Klaus-Dieter Fischer: Wir haben ja bereits seit dem Bestehen der 3. Liga um den Klassenerhalt gekämpft. Die Bedingungen für zweite Mannschaften sind seit dem Jahr 2008 enorm verschärft worden, so dass es für unseren Nachwuchs schwierig ist, in dieser Klasse zu bestehen. Durch die U 23-Regelung tritt unsere Mannschaft mit einem Altersdurchschnitt von gerade mal zwanzig Jahren gegen gestandene Teams an, die im Schnitt fünf bis acht Jahre älter sind. Diese Mannschaften mit vielen ehemaligen Bundesligaspielern haben uns in Sachen Erfahrung und Cleverness einiges voraus.

Aber in den vergangenen Jahren hat die U 23 trotzdem den Klassenerhalt geschafft.
Klaus-Dieter Fischer: Das stimmt, aber in den letzten beiden Jahren ist noch ein weiterer Umstand hinzugekommen: Ein Konflikt bei unseren Saisonzielen. Zum einen wollen wir junge Spieler an die Bundesliga heranführen und zum anderen auch sportlich Erfolg haben. Mit Florian Trinks, Lennart Thy, Onur Ayik, Felix Kroos, Niclas Füllkrug, Tom Trybull und auch Florian Hartherz sowie Alexandar und Predrag Stevanovic haben gleich neun Spieler an das Tor zur Bundesliga geklopft und sind dort zu ihren ersten Einsätzen gekommen. Das ist eine fantastische Quote, über die wir uns sehr freuen. Schließlich ist jeder Spieler, der bei den Profis Fuß fasst, eine Bestätigung für unsere tägliche Arbeit im Leistungszentrum. Doch die positive Entwicklung der Talentförderung macht es für unsere U 23 natürlich auch nicht einfacher. Denn genau diese Spieler standen Thomas Wolter und Frank Bender dadurch im Training und Spiel nur eingeschränkt zur Verfügung. Aber ich betone noch einmal: Die Entwicklung zum Bundesliga-Spieler hat Vorrang.

Sehen Sie in dem Abstieg in die Regionalliga auch einen Imageverlust für Werders Talentförderung?
Klaus-Dieter Fischer: Ganz abstrakt gesehen natürlich schon, da ein Abstieg immer ein Imageverlust ist. Aber wenn man die Hintergründe für den Abstieg, die ich eben angeführt habe, kennt, weiß man auch, wie man ihn einordnen muss. Daher fällt der Imageverlust auch nicht ganz so hoch aus.

Wird es jetzt schwerer junge Talente für Werder zu begeistern?
Klaus-Dieter Fischer: Das denke ich nicht. Die Spieler schauen doch zunächst auf die Perspektive, also welche Chancen haben sie bei Werder den Sprung in die Bundesliga zu schaffen. Und gerade die letzten Jahre haben gezeigt, dass wir mit Thomas Schaaf einen Trainer haben, der immer wieder junge Talente in sein Team einbaut und ihnen die Möglichkeit eröffnet. Außerdem werden wir unser Umfeld bei der U 23 auch in der Regionalliga nicht verändern. Wir werden weiterhin unter Drittliga-Bedingungen trainieren und spielen, nur eine Klasse tiefer.

Gerade in den vergangenen Jahren haben zahlreiche Spieler den Sprung aus der 3. Liga in die erste oder zweite Bundesliga geschafft. Wird den Talenten diese Entwicklung in der Regionalliga schwerer fallen?
Klaus-Dieter Fischer: Bei uns haben in den letzten 30 Jahren rund 100 Talente ihren Weg in die beiden Profi-Ligen gefunden. Das zeigt, was für eine erfolgreiche Arbeit bei uns geleistet wird. Daran möchten wir auch in der Regionalliga anknüpfen. Auch dort werden es die Jungs mit starken Gegnern zu tun bekommen, gegen die sie sich bewähren können. Ich bin mir auch sicher, dass es zu der Entwicklung eines jungen Sportlers gehört, Spaß und Erfolg zu haben. Das sind zwei wichtige Faktoren. Gerade in diesem Jahr mussten wir viele Niederlagen einstecken und haben permanent gegen den Abstieg gespielt. In der Regionalliga kommt unsere spielerische Note wieder etwas mehr zum Tragen. Und es ist vielleicht auch ein sehr wichtiger psychologischer Aspekt mal nicht um den Klassenerhalt, sondern um den Aufstieg zu spielen.

Also ist die Rückkehr in die 3. Liga das Ziel?
Klaus-Dieter Fischer: Da sind wir wieder bei dem Konflikt unserer beiden Ziele. Auf der einen Seite möchte wir unsere Talente ausbilden und auf der anderen sportlich erfolgreich sein. Wir müssen abwarten, wie wir diese beiden Ziele in Einklang bringen. Ein fester Bestandteil unserer Philosophie ist es jedoch auch, mit unseren Team in der für sie jeweils höchsten Liga zu spielen. Das ist bei der U 23 die 3. Liga. Also möchten wir da natürlich wieder hin. Das wird aber ein schwerer Weg.

Wen zählen Sie in der kommenden Saison in der Regionalliga zu dem Favoritenkreis für den Aufstieg in die 3. Liga?
Klaus-Dieter Fischer: Der ist schwer zu umreißen. Sicherlich werden wir als Absteiger aus der 3. Liga dazuzählen. Aber wie schwer sich die zweiten Mannschaften auch in der Regionalliga tun, hat bereits die Vergangenheit gezeigt. Es bleibt abzuwarten, ob Kiel nicht doch noch diese Saison den Aufstieg schafft. Ansonsten sind sie nächste Saison der Top-Favorit. Auch die zweiten Teams vom Hamburger SV, VfL Wolfsburg und Hannover 96 sind nicht zu unterschätzen. Dazu wird es sicherlich auch die eine oder andere Überraschungsmannschaft geben. Lübeck oder Meppen könnten das sein.

Was werden Sie an der 3. Liga vermissen?
Klaus-Dieter Fischer: Die Duelle gegen namhafte Vereine wie Braunschweig, Offenbach, Osnabrück und auch Fortuna Düsseldorf, die vielleicht sogar gerade die Rückkehr in die Bundesliga schaffen. Dazu den Fokus der Öffentlichkeit. Die Berichterstattung war sehr umfangreich, vor allem im Fernsehen.

Auf was freuen Sie sich in der Regionalliga?
Klaus-Dieter Fischer: Auch die neue Regionalliga wird nicht unattraktiv sein, vor allem für die Zuschauer. Ein Derby gegen Oldenburg, Wilhelmshaven und Oberneuland oder auch ein Duell gegen Kiel und Lübeck wird den einen oder anderen Zuschauer in die Stadien locken. Insgesamt hoffen wir wieder auf mehr Zuschauer bei den Spielen unserer zweiten Mannschaft.

Das Interview führte Norman Ibenthal