Ein Jahrzehnt lang auf der Trainerbank

Seit 2002 sind Thomas Wolter und Frank Bender als Trainerduo für Werders U 23 verantwortlich.
U23
Donnerstag, 01.01.1970 // 01:00 Uhr

Seit zehn Jahren sitzen Thomas Wolter und Frank Bender gemeinsam auf der Trainerbank von Werders U 23. Kaum ein Trainergespann in Deutschland arbeitet länger zusammen. In ihrem Jubiläumsjahr blicken die beiden gemeinsam auf das letzte Jahrzehnt zurück. 

Das erste Spiel:
Wolter: Das war in der Saison 2002/2003. Im Heimspiel hatten wir den SC Verl zu Gast. Frank hat sie eine Woche zuvor noch im Testspiel gegen den FC Bayern München gesehen und wir wussten nicht so richtig wie wir sie einschätzen sollten. Wir haben uns lange schwer getan, doch letztendlich durch ein Kopfballtor von Björn Schierenbeck mit 1:0 gewonnen.

Die beste Saison:
Bender: So negativ die aktuelle Saison verlaufen ist, so positiv war die Spielzeit 2007/2008, in der wir den Aufstieg in die 3. Liga geschafft haben und im Pokal den 1. FC Köln und den FC St. Pauli geschlagen haben.
Wolter: Wir hatten eine richtig klasse Mannschaft beisammen, sowohl von der Qualität als auch von den Charakteren. Bis auf Sandro Stallbaum sind aus dieser Mannschaft alle Spieler in der 1. oder 2. Bundesliga gelandet.

Das beste Spiel:
Bender: Wir hatten viele gute Spiele dabei. Aber an zwei Partien kann ich mich noch sehr gut erinnern. Zum einen war das in der Saison 2006/2007 ein Auswärtsspiel beim 1. FC Union Berlin. Gegen eine gute Unioner Mannschaft haben wir 2:0 gewonnen. In der Pressekonferenz hat der Berliner Trainer Christian Schreier später gesagt, dass er als Trainer und als Spieler noch nie so dahergespielt wie von dieser Bremer Mannschaft. Ein größeres Kompliment kann man als Team kaum bekommen. Zwei Jahre später haben wir ein ähnlich gutes Spiel in Paderborn gemacht. Wir mussten unbedingt gewinnen, um nicht abzusteigen und der SC kämpfte um den Aufstieg. Die Jungs haben eine unglaubliche Leistung gezeigt und mit 2:0 gewonnen.

Das schlechteste Spiel:
Wolter: Da fällt mir spontan unser Spiel bei der zweiten Mannschaft des VfL Wolfsburg im Jahr 2007 ein. Das war wirklich unfassbar, wie schlecht wir da gespielt und mit 0:1 verloren haben. Das war wirklich das Schlimmste, was wir mitgemacht haben. Danach konnte man sich wirklich fragen, wie wir es in dieser Saison geschafft haben, in die 3. Liga aufzusteigen.

Bremer Landespokal:
Bender: Da sind wir in unserer Zeit drei Mal gescheitert. Das hätte bei unseren Ansprüchen nicht passieren dürfen, schließlich waren wir die am höchsten spielende Mannschaft. An eine Niederlage kann ich mich noch ganz genau erinnern. In Brinkum haben wir ganz kurz vor dem Ende der Verlängerung das Gegentor bekommen. Da haben wir zur Erheiterung der Zuschauer beigetragen, aber nicht zu der von den Verantwortlichen.

DFB-Pokal:
Wolter: Die Begegnungen im DFB-Pokal waren schon echte Highlights. Egal ob gegen Köln. St. Pauli, Stuttgart oder Bayern, wir haben immer richtig gute Spiele gemacht. Man hat den Jungs angemerkt, dass es auch für sie etwas Besonderes war, im Pokalwettbewerb zu spielen. Schade, dass wir nicht mehr teilnehmen dürfen.

Bender: Vor allem das letzte Spiel gegen den VfB Stuttgart habe ich noch vor Augen. In allen Spielen, in denen wir sie zuvor beobachtet haben, hat Mario Gomez nicht mitgespielt. Da haben wir unsere Chance gewittert und gesagt, wenn Gomez auch nicht gegen uns spielt, dann können wir gewinnen. Leider hat er dann gespielt und in der ersten Halbzeit alle drei Tore gemacht. Aber ein großes Lob an die Mannschaft, die weiterhin an sich geglaubt hat. Wir sind im zweiten Durchgang noch auf 2:3 herangekommen und waren kurz davor, für eine weitere Überraschung zu sorgen.

Besondere Spieler:
Bender: Eine Vorlage für einen Hollywood-Streifen hat wohl Nelson Valdez bei uns geliefert. Quasi eine Erfolgsgeschichte vom Tellerwäscher zum Millionär. Als er zu uns kam, hatte er nur eine Tragetasche dabei und das, was er am Körper getragen hat. Dazu aber auch enorm viel Willen, Ehrgeiz und Leidenschaft. Das hat er in jedem Spiel und in jedem Training eingebracht und dadurch seinen Weg gemacht. Dazu noch einen ganz tollen Charakter. Als wir in der Saison 2004/2005 mit der U 23 richtig schlecht in der Regionalliga standen, hat er extra seinen Urlaub verlegt, um uns noch zu unterstützen. Wie wichtig das war, hat man dann am vorletzten Spieltag in Dortmund gesehen. Da haben wir 4:2 gewonnen und er hat drei Tore geschossen. Das war der entscheidende Sieg im Kampf um den Klassenerhalt.

Wolter: In den letzten zehn Jahren waren so viele Spieler bei uns, so viele Gesichter und tolle Charaktere. Und zu jedem Gesicht gibt es eine ganz eigene Geschichte. Einer der besten Fußballer, die wir je bei uns hatten, war Stefan Beckert. Er hatte aber auch mit vielen Verletzungen zu tun und hat dann irgendwann für sich entschieden, einen ganz anderen Weg zu gehen. Jens Wemmer ist ein weiteres Beispiel. Bei uns hat er es in der U 23 sehr schwer gehabt, aber auch er hat seinen Weg gemacht und spielt jetzt eine tragende Rolle beim SC Paderborn. Letztendlich werden wir für uns nie den Anspruch erheben, wir haben den oder den Bundesligaspieler produziert. Wir machen keine Bundesliga-Karrieren, wir verhindern aber auch keine. Wir begleiten die Spieler nur ein Stück auf ihrem Weg. Für das, was sie aus diesem Weg machen, sind sie selbst verantwortlich.

Das emotionalste Spiel:
Wolter: Das war sicherlich das letzte Auswärtsspiel in der Saison 2008/2009 in Düsseldorf. Das war unheimlich wichtig für beide Teams. Wir konnten noch absteigen und Düsseldorf spielte um den Aufstieg. Vor einer unfassbaren Kulisse von 51.000 Zuschauern haben wir dann beide das Ziel erreicht. Aber es gab auch ganz viele andere emotionale Momente. Wie zum Beispiel als wir nach den DFB-Pokalspielen gegen St. Pauli und Köln mit Standing Ovations vom Platz begleitet wurden. Oder uns auch die gegnerischen Fans nach einem 4:1-Erfolg in Dreden mit Sprechkören verabschiedet haben.

Auswärtsfahrten:
Wolter: Da waren einige dabei. Vor allem die erste Fahrt in der 3. Liga nach Unterhaching war kurios. Unsere Betreuer sind mit einem Kleinbus vorgefahren und haben die Trainings- und Spielkleidung mitgenommen. Der eine Teil der Mannschaft ist geflogen und der andere Teil ist mit dem Bus aus dem Trainingslager der Profis aus Österreich gekommen. Einen Tag vor dem Spiel hatten wir somit die Situation, dass einige Spieler sich erst kennengelernt haben. So ging es Max Kruse, der die ganze Vorbereitung bei den Profis war und Thorsten Oehrl, den wir damals aus Braunschweig geholt haben. So etwas kommt nicht so häufig vor (schmunzelt).

Bender: Mir fällt dabei vor allem die Rückreise aus Burghausen ein. Da haben wir an einem Freitagabend gespielt und hatten noch Doping-Kontrolle. Wir sind dann erst um 23 endlich mit dem Bus losgekommen waren 10 Stunden später in Bremen. Das war bislang die längste Busreise. Aber in den ganzen zehn Jahren ist mir nicht ein längerer Stau in Erinnerung geblieben. Das spricht wohl für unseren Busfahrer.

Schiedsrichter:
Wolter: Eigentlich äußern wir uns zu Schiedsrichtern ganz selten, da sie auch nur versuchen, ihren Job so gut wie möglich zu machen. Manchen gelingt das, manchen aber auch manchmal nicht ganz so gut (schmunzelt). In Erinnerung ist natürlich das manipulierte Spiel von Robert Hoyzer in Wuppertal geblieben. Kurios war vor allem, dass ich auf der Pressekonferenz schon gesagt hatte, dass wir selten so beschissen worden sind. Dass es letztendlich so war, konnte ich damals ja noch nicht wissen. Traurig fand ich bei der ganzen Manipulationsgeschichte, dass unser Spiel anscheinend gar nicht so wichtig genommen wurde, obwohl es das erste manipulierte Spiel war. Aber wahrscheinlich sagte man sich, es ging eh um nix mehr und es war auch nur eine zweite Mannschaft. Das hat mich geärgert.

Gelbe und rote Karten:
Bender: Da hatten wir mit Francis Banecki mal einen Spieler, der hat die fleißig gesammelt. Aber auch Dominik Peitz und Finn Holsing waren echte Kartenkönige bei uns (lacht).

Kuriose Auswechslungen:
Wolter: Da fallen mir gar nicht so viele ein. Aber wir haben viele Spieler mal auf völlig anderen Positionen spielen lassen. Der eine oder andere hätte sich nie träumen lassen, dort mal spielen zu müssen. Sebastian Schachten ist bei uns zum Verteidiger geworden. Florian Nagel haben wir auch mal hinten rechts ausprobiert, das ging aber völlig in die Hose. Dominik Schmidt spielte mal im Sturm, Florian Heidenreich in der Abwehr. Jerôme Polenz haben wir sogar in einem Spiel hin und her geschoben. Erst hat er als Verteidiger angefangen, dann haben wir ihn in den Sturm gestellt, er hat schnell ein Tor gemacht und ist dann wieder nach hinten gegangen.

notiert von Norman Ibenthal