Lucescu: Charme-Offensive gegenüber türkischem Publikum

Der rumänische Trainer von Shakhtar Donetsk schmeichelte den türkischen Fußball-Fans auf der offiziellen UEFA-Pressekonferenz.
WERDER Fußballschule
Dienstag, 19.05.2009 // 17:46 Uhr

Das ist die ganz große Fußbballwelt: 63 Objektive, 27 Kameras, und die acht Augen der vier Simultan-Dolmetscherinnen waren am Dienstagabend vor dem Abschlusstraining auf Mesut Özil, Torsten Frings ...

Das ist die ganz große Fußbballwelt: 63 Objektive, 27 Kameras, und die acht Augen der vier Simultan-Dolmetscherinnen waren am Dienstagabend vor dem Abschlusstraining auf Mesut Özil, Torsten Frings und Cheftrainer Thomas Schaaf gerichtet, als das Trio bei der offiziellen Pressekonferenz der UEFA für die internationalen Medien in einem großen Zelt am Stadion Platz nahmen. Nur zwei Armlängen entfernt vom großen UEFA-Pokal beantworteten sie Fragen, die ihnen auch schon in den letzten Wochen immer wieder gestellt worden.

 

Kurzweilig war die Fragestunde vor allem aber aufgrund der Umstände. Der Wind am Şükrü-Saracoğlu-Stadion blies so stark, dass die Wände des Zeltes so stark an ihren Verstrebungen zogen und ratterten, das fast kaum eine Frage zu verstehen war. Ein Szenario, das Cheftrainer Thomas Schaaf immer wieder ein Lachen ins Gesicht trieb. Werders Coach strahlte aus, was er auch den internationalen Medienvertretern in die Blöcke diktierte und auf die Videobänder sprach: "Wir sind einen so langen Weg gegangen, dass wir diesen Pokal jetzt auch holen wollen. Wir freuen uns auf morgen Abend, obwohl wir wissen, dass er nur zwei Varianten anbietet, entweder riesige Freude oder riesige Enttäuschung. Der Mannschaft gebührt ein Kompliment, dass sie es hierher geschafft hat, doch davon wird sie im Falle einer Niederlage nichts wissen wollen."

 

Wenige Stunden zuvor saß die Abordnung von Donetsk neben dem begehrten Pokal. Schon da blies es stark rund ums Medienzelt am Stadion. Trainer Mircea Lucescu blieb ebenfalls gelassen. Seine Freude auf Istanbul war mindestens genauso groß wie die seines Bremer Kollegen. Er hatte vor einiger Zeit hier jahrelang trainiert. "Ich liebe Istanbul, es ist eine sehr interessante Stadt. Ich war über viele Jahre im türkischen Fußball aktiv und es waren sehr schöne Jahre", ging er auf Stimmenfang beim neutralen türkischen Publikum und legte sogar noch eine weitere Charme-Offensive nach: "Ich hatte immer einen guten Draht zu den Fans, egal von welchem Klub sie waren. Türkische Fans sind etwas Besonderes und haben es verdient, dieses Finale austragen zu dürfen."

 

Bei der Einschätzung beider Teams versuchte er ebenfalls die Zuschauer schon im Vorfeld von der größeren Spielstärke seiner Mannschaft zu überzeugen. "Ich bin sicher, dass wir ein hochattraktives Spiel sehen werden, zwischen zwei Mannschaften, die ganz unterschiedliche Spielweisen pflegen. Bremen spielt immer nach vorne, sie sind physisch eine sehr starke Mannschaft mit vielen starken Athleten in ihren Reihen. Unsere Spielweise basiert mehr auf der fußballerischen Qualität unserer Akteure und wir werden versuchen, die Kontrolle über das Spiel zu bekommen."

 

Nicht ganz fair war die Einschätzung des Trainers der Ukrainer, dass Werder vor allem durch Fouls Vorteile herausarbeiten wird. Seine Einschätzung zum Spiel am Mittwochabend: "Der Gegner wird versuchen, uns zu provozieren und mehr Fouls zu begehen oder mehr Ecken rauszuholen, damit sie mehr Möglichkeiten für Standardsituationen bekommen. Aber wir werden versuchen, den Ball näher am Werder-Tor zu halten."

 

Dass die Absicht der Ukrainer nicht ganz aufgehen wird, hofft Mesut Özil, der trotz aller Prognosen, dass Shakhtar in der Gunst der türkischen Fans die bessere Unterstützung bekommen wird, weiter Hoffnung auf ausgegelichene Sympathiewerte hegt. Dass er wegen seiner Entschediung für das deutsche Nationalteam Pfiffe befürchten muss, glaubt der Bremer nicht: "Ich erwarte auch eine große Unterstützung für uns. Ich habe hier in istanbul sehr viele Freunde und eine große Familie. Alle werden zum Spiel kommen und mich anfeuern. Alles andere würde ich ausblenden. Ich werde mich konzentrieren, um der Mannschaft mit einem Super-Spiel zu helfen."

 

Vielleicht kann er den Pott, neben dem er mit Torsten Frings und Thomas Schaaf posieren sollte, schon am Mittwochabend richtig anfassen und herumtragen. Ganz sicher würde er dann noch mehr Kameras auf sich gerichtet wissen, würde das Publikum die angemessene Anerkennung zollen und die ganz große Fußballwelt Werder zu Füßen liegen.

 

aus Istanbul berichtet Michael Rudolph