Wieder anknüpfen am Maßstab des HSV-Heimsieges

Am Mittwoch waren Wesley Sneijder und Co. meist einen Schritt schneller - in Leverkusen wollen Philipp Bargfrede und Kollegen den Spieß umdrehen.
Profis
Donnerstag, 01.01.1970 // 01:00 Uhr

Die zurückliegende Bundesliga-Aufgabe wurde auf bravouröse Art und Weise bewältigt, daraufhin stand die Reise zu einem amtierenden Europapokalsieger an… Und genau bis zu diesem Punkt hatte das jüngst Erlebte von Bayer Leverkusen und Werder Bremen, deren Wege sich nunmehr am kommenden Sonntag, 03.10.2010, um 17.30 Uhr in der BayArena kreuzen, beinah identische Züge angenommen.

 

„Wir alle müssen uns diesen Schuh anziehen“

 

Im vergangenen Februar köpfte Per Mertesacker in letzter Minute zum 2:2-Endstand.

Die anschließenden Geschehnisse auf internationalem Parkett jedoch hätten unterschiedlicher nicht sein können. Während Bayers Torwart René Adler nach dem 1:1 in der Europa League bei Atletico Madrid gar einem möglichen Sieg nachtrauern musste und gegenüber dem Kölner Stadtanzeiger auf das „bisschen blöde Ergebnis“ hinwies, waren die Grün-Weißen ab Mitte der ersten Halbzeit machtlos gegen die „entfesselte Spielfreude“ (Süddeutsche Zeitung) von Inter Mailand. Trotz einer kaum verträglichen Verletztenliste, trotz dieser „nicht guten Vorrausetzungen und schweren Phase“, die Geschäftsführer Klaus Allofs am Freitag noch einmal ansprach, wiederholte er auch: „Wir wollten eine andere Visitenkarte abgeben, darüber sind wir sehr enttäuscht.“ Doch wie ist in Folge des deutlichen Resultats ein bestmöglich konstruktives Erforschen der Gründe möglich? Vor allem, „da man sehr schnell in die Gefahr gerät, auf Einzelnen herumzuhacken, dürfen die Emotionen nicht überstrapaziert werden“, wie Cheftrainer Thomas Schaaf bemerkte. Ganz einfach: „Sehr sachlich bleiben, die Fakten klar ansprechen und die nötigen Hinweise geben, um die Dinge wieder besser zu machen. Denn die gesamte Mannschaft hat in Mailand nicht das gezeigt, was in der Champions League nötig ist. Wir alle müssen uns diesen Schuh anziehen.“

 

Der fortschreitende Terminkalender offenbart derweil selbst nach einer derartigen Alptraum-Episode gleich die nächste hochanspruchsvolle Prüfung - Bayer Leverkusen. Vier Punkte trennen die Teams im aktuellen Bundesliga-Klassement.

Gegenseitige Hochachtung: Jupp Heynckes und Thomas Schaaf.

Für Thomas Schaaf jedenfalls verursacht das bevorstehende Duell schon allein darin einen großen Ansporn, dass „wir froh sein müssen, uns so schnell gegen einen so guten Gegner beweisen zu können. Und gerade nach so einer Partie wie gegen Inter muss jeder Spaß und Lust mitbringen, es besser zu gestalten.“

 

Die förderlichste Empfehlung: Der Heimsieg gegen den HSV

 

Die nahe liegende und förderlichste Empfehlung findet sich problemlos im vergangen Wochenende. Einstimmig geheißen die Werder-Verantwortlichen, „dort weiterzumachen“ (Schaaf), wo gegen den HSV aufgehört wurde, die gezeigte „gute Reaktion“ (Allofs) zu wiederholen. Bayer-Trainer Jupp Heynckes wird sein Team jedenfalls genau darauf vorbereiten. Er kennzeichnet ausdrücklich: „Ich messe Werder nicht am 0:4 in Mailand, sondern am Heimsieg über den HSV. Die Mannschaft kann auf Negativerlebnisse reagieren. Sie ist für uns sehr gefährlich, weil gut zusammengestellt, mit guten Strukturen, einer top Organisation im Spiel und außerdem sehr laufstark.“

 

DFB-Kapitän Michael Ballack fällt noch länger aus, Bayer-Kapitän Simon Rolfes hofft auf einen Einsatz.

Nicht bloß in Bremen herrschen Personalsorgen. Auch das Leverkusener Lazarett wird derzeit von so prominenten Leistungsträgern gefüllt wie Stefan Kießling (Syndesmose-Riss), Gonzalo Castro (Muskelfaserriss) und natürlich Bundesliga-Rückkehrer Michael Ballack (Bruch des Schienbeinköpfchens). Zuletzt gesellte sich am Freitag noch Renato Augusto (Bänderüberdehnung) hinzu. Erleichtert nimmt Heynckes da die steten Fortschritte von Kapitän Simon Rolfes nach dessen langwieriger Rekonvaleszenz (Knorpelschaden) zur Kenntnis. Allerdings ist er noch kein Thema für die Startelf. „30 Minuten, 45 Minuten - das ist im Moment besser für ihn“, erläutert der 65-Jährige, „wenn ich erkenne, dass er wieder mit Leichtigkeit sein Pensum herunterspielen kann, dann ist er soweit.“

 

Bange Blicke in beide Lazarette

 

Gleichwohl der angespannten Personalsituation und den Ergebnis-Schwankungen der ersten Saison-Wochen ist die ‚Werkself‘ nunmehr im Begriff, sich in Bundesliga sowie in ihrer Europa-League-Gruppe oben festzubeißen. „Die jungen Spieler müssen sich an den Drei-Tages-Rhythmus erst gewöhnen. Das haben sie bisher außerordentlich gut gemacht. Wir haben uns leistungsmäßig gesteigert, unser Spiel wird von Mal zu Mal besser“, lautet die befriedigte Feststellung von Heynckes. Diese Stetigkeit fehlt den Grün-Weißen bis dato. Und das ihnen derartig viele Korsettstangen ausfallen, hat daran zweifellos einen gehörigen Anteil. Dennoch „haben wir eine gute Mannschaft, die am Sonntag auf dem Platz stehen und sich der Aufgabe stellen wird“, stellt Thomas Schaaf klar.

 

von Maximilian Hendel