Schaafs Vorgaben: Aktiv, selbstbewusst, mutig

Torsten Frings und Co. wollen nach der Pleite gegen Mainz in Hannover endlich wieder drei Punkte.
Profis
Donnerstag, 01.01.1970 // 01:00 Uhr

Der Faktor Zeit nimmt für Werder Bremen eine prägnante Rolle ein in dieser flüchtigen Spanne zwischen Abpfiff des zurückliegenden- und Anpfiff des kommenden Bundesliga-Spiels. Bereits am Dienstag, 21.09.2010, um 20 Uhr empfängt Hannover 96 die Grün-Weißen. Nicht einmal 75 Stunden werden dann seit dem herben Rückschlag gegen Mainz vergangen sein. Auf der einen Seite blieb also „nicht viel Zeit, die Dinge groß zur Erläuterung zu bringen“, wie Cheftrainer Thomas Schaaf bemerkte. Deswegen musste man die kritische Nachbetrachtung mit der Mannschaft „sinnvoll angehen: Alles deutlich, genau ansprechen und auf den Punkt bringen. Das haben wir getan.“

 

Schnellstmögliche Gelegenheit für die neue Erfolgsspur

 

Trainer Mirko Slomka beglückwünscht Kapitän Cherundolo zum Auswärtssieg auf Schalke.

Auf der anderen Seite jedoch kann die Englische Woche gleichsam die schnellstmögliche Gelegenheit bieten, geläutert aus erlittenen Negativerfahrungen herauszugehen, um direkt wieder in die eigene Erfolgsspur zu finden. Zuvorderst mit Hilfe einer akuten Leistungssteigerung - und daraus resultierend vor allem auch mit drei Punkten im ersten Teil des Nordderby-Doppels, ehe schon am Wochenende wieder der Hamburger SV wartet. Die wirkungsreichsten Mittel dafür sprach Schaaf ausdrücklich an: „Wir müssen aktiv sein, mit gutem Selbstbewusstsein in die Partie gehen, wobei jeder seine Fähigkeiten einzubringen- und die Aufgabe mutig anzupacken hat.“ Dies sollte insbesondere an den richtigen Orten des Feldes geschehen, denn „Mut heißt nicht Risiko im eigenen Sechszehner, sondern wenn es darum geht, vorne Tore zu schießen, dann kam man auch etwas probieren.“

 

Entsprechend den eigenen Ansprüchen herrscht in Hannover derzeit eine deutlich zufriedenstellende Situation vor. In der letzten Saison sprangen die Roten kurz vor Schluss soeben noch vom rasenden Abstiegsexpress in Richtung 2. Liga, heuer schnappte sich 96 bereits sieben Punkte aus den ersten drei Partien, vier davon gegen zwei „Große“ der Liga - FC Schalke und Bayer Leverkusen. Dabei wurde das Team bei nicht wenigen schon vor Saisonbeginn als fester Bestandteil des Tabellenkellers abgeschrieben. „Sie haben die Punkte zurecht erzielt“, verdeutlicht Thomas Schaaf, „vorher herrschte bei einigen die Stimmung, dass da alles daneben geht, dass überhaupt nichts passt - und auf einmal gewinnen die. Dafür haben sie viel eingesetzt und geschlossen agiert.“

 

Hannovers erste Niederlage kratzte an der positiven Stimmung

 

In der Rückrunde 09/10 übersprang Werder die Hürde in Hannover eindrucksvoll mit 5:1.

Die vermeintlich berechenbare Erfolgsformel löste Kapitän Steven Cherundolo unlängst im Interview mit der Bild-Zeitung auf: „Wir spielen, was wir können. Wir haben keinen Zehner, aber fitte, schnelle und zweikampfstarke Spieler. Wir erkämpfen den Ball, spielen schnell nach vorne und kommen zum Abschluss. Fußball ist doch einfach. Für uns geht es nur zusammen. Hannover kann keine Stars kaufen, wir werden nie über Einzelspieler Erfolg haben – immer nur als Kollektiv!“ Jedoch, „die positive Stimmung ist ein bisschen angekratzt“, so Schaaf. Denn - ebenfalls am vergangenen Wochenende - setzte es beim 0:2 in Wolfsburg die erste Saison-Niederlage. 96-Trainer Mirko Slomka begründete ausführlich: „Einsatz- und Leistungsbereitschaft auf hohem Niveau haben uns in den ersten Spielen dieser Saison stark gemacht. In Wolfsburg war unser Passspiel zu fahrig, als dass wir wirklich Torgefahr hätten entwickeln können. Vorher war das anders und zu dieser Stärke – dem Kreieren von Großchancen durch schnelles Umschalten – wollen wir morgen zurück.“ Auf jeden Fall zurückkehren wird die etatmäßige Innenverteidigung. Emanuel Pogatetz ist nach abgebrummter Gelb-Rot-Sperre spielberechtigt und Karim Haggui hat seine Zehenstauchung auskuriert.

 

Slomka: „Werder ist aus schwierigsten Phasen stets zurückgekommen“

 

96-Innenverteidiger Emanuel Pogatetz hat seine Sperre abgesessen.

Vom Mainz-Durchhänger des Gegners lässt sich Slomka nicht blenden, denn „ihr Kader ist außerordentlich stark und gespickt mit diversen Hochkarätern. Werder Bremen ist und bleibt ein Spitzenteam in der Bundesliga. Sie sind stets zurückgekommen, selbst nach enorm schwierigen Phasen." Auch die jetzige Phase ist nicht einfach im Vorbeigehen zu meistern. „Im Moment ist es nicht besonders günstig, was die Punkte angeht. Wir dürfen uns nicht all zu viel erlauben - dieser Situation müssen wir uns richtig stellen“, fordert Schaaf. Und allein aus Vorschusslorbeeren des Kontrahenten erwachsen keine Punkte, das weiß niemand besser als Werders Cheftrainer. Sein Team nimmt er in die Pflicht: „Wir können nicht irgendetwas gutmachen, sondern wir können es nur besser machen. Jeder ist gefragt, wenn es darum geht. Es gibt Vorgaben, wie es nun besser gemacht werden soll - und es ist nötig, es besser zu machen.“

 

von Maximilian Hendel