Ob gegen Mailand oder Mainz: Kein Recht auf Passivität

Werders Cheftrainer Thomas Schaaf blickt der schweren Aufgabe gegen Mainz 05 entgegen.
Profis
Donnerstag, 01.01.1970 // 01:00 Uhr

Natürlich wurde der Trainer Thomas Tuchel vor der Saison nicht nur einmal auf die mystifizierte Weisheit hingewiesen, dass das sportliche Überleben eines ehemaligen Aufsteigers im zweiten Jahr der Bundesliga-Zugehörigkeit ja sowieso immer am schwierigsten sei. Dies jedoch nahm er gänzlich unbeeindruckt zur Kenntnis. „Ich habe aber keine Lust, mich schon im Vorfeld mit einem negativen Szenario zu befassen“, bekannte er vor Saisonbeginn im Interview mit dem Magazin „11FREUNDE“.

Trainer Thomas Tuchel gibt den Weg vor: Weiter nach oben soll es gehen.

Wie plausibel sich dieses gelebte Leitmotiv darstellt, beweist das bisher Geleistete. Denn am Samstag, 18.09.2010, um 15.30 Uhr gastiert der noch verlustpunktfreie Tabellenzweite FSV Mainz 05 bei Werder Bremen im Weser-Stadion.

 

Oberste Vorsicht ist geboten: Mainz im Höhenflug

 

Tabellenkonstellationen, gerade in den Anfangsphasen einer Spielzeit, bilden zwar trügerische Wirklichkeitsbilder. Und gerade Werders Cheftrainer Thomas Schaaf wirkt nimmermüde, darauf hinzuweisen und auf das große Ganze zu pochen. Aber umso unmissverständlicher klingt der Hinweis an seine Mannschaft: „Am Samstag müssen wir richtig aufpassen.“ Auf der einen Seite glänzt der aktuelle Mainzer Höhenflug, der Stimmungsrausch, die drei Siege. Ein 2:0 über Stuttgart, die „spektakuläre“ (Schaaf) 4:3-Aufholjagd in Wolfsburg und zu guter letzt der emotionale 2:1-Erfolg im Derby gegen den nicht minder euphorisierten 1. FC Kaiserslautern. Doch dahinter verbirgt sich die Grundlage dessen, die kontinuierliche Entwicklung des Teams, das kontinuierliche Wirken Thomas Tuchels. „Er passt da gut hin und stellt eine hervorragende Identifikation mit dem Verein dar. Er erreicht die Mannschaft, sie bringt die Dinge zum Tragen, die ihm wichtig sind“, meint Thomas Schaaf. Welche das sind, darüber gab Tuchel im 11FREUNDE-Interview ebenfalls Auskunft: „Bei Heimspielen von der ersten Minute an Gas geben, keine Zeit mit Abtasten vergeuden, mutig nach vorne verteidigen, Zweikämpfe führen. Diesem Ansatz fühle ich mich verpflichtet.“

Sebastian Prödl erzielte Werders 2:1-Siegtreffer vergangenen Februar in Mainz.

Nur, jetzt wartet Werder Bremen, noch dazu auswärts - in der Fremde, entfernt der heimischen Festung am Bruchweg, gelangen den Rheinland-Pfälzern in der abgelaufenen Saison lediglich drei Siege.

 

Tuchel: „Wir wollen die Überraschung erzwingen“

 

„Werder ist ein starker Gegner mit überragender individueller Qualität. Sogar die Bank ist im Champions-League-Niveau besetzt. Hinzu kommt ihre Flexibilität. Sie spielen beweglich im Ballbesitz, kombinieren gern in Ballnähe und haben Spieler mit der Qualität, 1:1-Situationen offensiv aufzulösen. Die Hürde ist hoch“, veranschaulichte der 37-Jährige auf der heutigen Mainzer Pressekonferenz, deswegen „müssen wir ein System finden, mit dem wir nicht nur den Gegner in den Griff bekommen und ausschalten können, sondern eins, das uns selbst noch ermöglicht, ihm offensiv wehzutun.“ Trotz aller detailgetreu analysierter Hochachtung dürfen die Schilderungen Tuchels nicht dazu verleiten, dass die FSV-Elf am Samstag etwa vor Respekt erstarren wird. „Unser Selbstbewusstsein ist durch die Bewältigung der vorherigen Aufgaben natürlich gewachsen. Die Art wie Mainz 05 Spiele führt ist sehr anstrengend. Trotzdem werden wir in Bremen Spieler bringen, die hungrig auf einen Sieg sind und eine Überraschung erzwingen wollen.“ Hungrig sind sie in jedem Fall, Begehrlichkeiten bei anderen Klubs haben sie auch geweckt.

Szalai, Holtby und Schürrle feiern das 2:1-Siegtor über den FCK.

Wie etwa Angreifer André Schürrle, der just an diesem Donnerstag seinen am Saisonende stattfinden Wechsel nach Leverkusen verkündete. Doch das betrifft die Zukunft und noch weniger Werder Bremen.

 

Egal, ob Mailand oder Mainz, Werder will den Erfolg

 

„Wir leben in der Aktualität“, meißelt Thomas Schaaf in Stein. Die Aktualität heißt vierter Spieltag. Die Aktualität heißt ebenso, die fahrlässigen Vergehen der ersten Halbzeit des Tottenham-Spiels nicht zu wiederholen und sich vielmehr am Vorbildcharakter der zweiten 45 Minuten oder des Münchner Auftritts zu orientieren. „Wir müssen begreifen, dass wir uns keine Auszeit irgendwo nehmen dürfen. Wir haben nicht das Recht, passiv zu sein oder eine Halbzeit zu verschlafen, sondern müssen die Dinge selbst in die Hand nehmen“, appelliert der 49-Jährige. Das 0:2 binnen 18 Minuten gegen die Spurs spricht Bände „und es wird nicht immer zu 100 Prozent klappen, sich selbst aus diesen Situationen zu befreien.“ Denn Thomas Schaaf formuliert nicht umsonst Werders Universalanspruch: „Egal, ob Inter Mailand oder Mainz 05, ob zuhause oder auswärts: Wir wollen erfolgreich sein und dürfen keinen Unterschied zwischen den Aufgaben machen.“

 

von Maximilian Hendel