Trotz Dzeko und Co.: „Wir spielen auch gern nach vorn“

Zwei seiner bislang 19 Saisontore erzielte Wolfsburgs Edin Dzeko beim 2:2 im Hinspiel gegen Werder Bremen.
Profis
Donnerstag, 01.01.1970 // 01:00 Uhr

Anders, als in Thomas Schaafs gewählter ultimativer Form, kann die Rückrunde 2009 des VfL Wolfsburg nicht beschrieben werden: „Letztes Jahr, da hatten sie DEN Lauf.“ Binnen 17 Partien riss die Mannschaft mit all ihrer offensiven Wucht phänomenale 43 Punkte förmlich an sich und katapultierte sich von Winterpausen-Rang neun noch bis auf den Thron. „Sie haben einen unheimlichen Maßstab gesetzt“, blickte Schaaf zurück. Einen Maßstab, der zumindest im Hier und Jetzt nicht wieder zu erreichen ist. Am Samstag, 17.04.2010, nun tritt Werder Bremen um 15.30 Uhr beim amtierenden Meister in Wolfsburg an.

 

Anders als letzte Saison: Diesmal will der VfL wieder auf Augenhöhe mit Werder

 

Lorenz-Günther Köstner will mit dem VfL noch in die Europa Leauge.

Diesmal können die Gastgeber im direkten Duell keine Meisterschaft unter Dach und Fach bringen wie noch vergangene Saison am letzten Spieltag. Diesmal stehen die Bremer schon dort, wohin die Niedersachen kurzfristig gerne noch klettern möchten - auf einem Europapokal-Platz. Und diesmal sieht Wolfsburgs Übergangstrainer Lorenz-Günther Köstner „eine gute Gelegenheit darin, zu zeigen, dass wir wieder auf Augenhöhe sind.“ Unter Magath-Nachfolger Armin Veh gelang das nicht, er wurde Ende Januar nach neun sieglosen Spielen in Serie seines Amtes enthoben. Tabellarisch liegt Werder derzeit fünf Punkte voraus. Beinah wären es mehr gewesen. Dass die Wölfe „in Nürnberg in der zweiten Halbzeit ziemlich unter Druck geraten waren“, hat auch Thomas Schaaf gesehen. Das Spiel stand beim 0:0 auf der Kippe, der FCN erspielte sich Chance um Chance – ins Tor traf dann aber Edin Dzeko, bekanntlich ein Wolfsburger Angreifer und aktuell Torschützenbester der Bundesliga. „Befreit hat sie das“, nahm Schaaf wahr. Und auf einmal, trotz aller vorherig überstandenen Schrecksekunden, „passte das Gefüge schnell wieder zusammen.“ Neun Punkte und 8:0 Tore sammelte der VfL aus den vergangenen drei Bundesliga-Partien, zwischendrin setzte es aber auch zwei bittere Niederlagen in den Viertelfinale-Spielen der Europa League gegen Fulham.

 

Thomas Schaaf: „Ihr Prunkstück ist der Angriff“

 

Kaum zu fassen: Per Mertesacker köpfte beim 2:2 gegen den VfL in der Nachspielzeit den Ausgleich zum Punktgewinn.

Dass nicht ein direkt anschließender Knacks auch vorzeitig die Hoffnungen in der Bundesliga platzen ließ, dafür war in Nürnberg ein einziger offensiver Impuls Dzekos vonnöten. Sturmpartner Grafite besorgte kurz darauf den Rest. „Die Mannschaft aber ist aufgestanden und hat sich eindrucksvoll zurückgekämpft“, würdigte Köstner diplomatisch das große Ganze. „Jetzt scheinen sie nochmal Wind zu bekommen“, kalkuliert Thomas Schaaf. „Ihr Prunkstück ist der Angriff“, hob Werders Cheftrainer hervor, ein kongeniales Duo aus Edin Dzeko und Grafite, das „miteinander harmoniert“ und gegenseitig bereit sei, sich „die Kugel aufzulegen.“ Zusätzlich zu allem Potential habe jeder von ihnen noch etwas Spezielles, sagt der 48-Jährige - der Bosnier „die Technik und das Auge“, sein brasilianischer Kollege „die Geradlinigkeit.“ Dass der explosiv-antrittsschnelle nigerianische Artist Obafemi Martins ihr erster Backup von der Bank ist, ergänzt den Luxus des VfL in der Spitze. Aber nicht nur Werders Innenverteidiger-Duo Naldo und Mertesacker hat eine anspruchsvolle Aufgabe vor sich: „Es nur auf die Duelle zu begrenzen, ist falsch“, erläutert Thomas Schaaf, „das Allerbeste wäre, als Mannschaft dafür zu sorgen, dass erst gar keine Gefahr zustande kommt.“

 

Wolfsburg will Werder erst bekämpfen, dann bespielen

 

Mesut Özil und die Werder-Offensive wollen auch in Wolfsburg wirbeln.

Im Wolfsburger Kasten gibt Stammkeeper Diego Benaglio nach auskurierter Knie-OP einer Wackel-Defensive, die schon 51 Gegentreffer zuließ, seit drei Wochen dringend benötigten Rückhalt zurück. Lorenz-Günther Köstner atmete via VfL-Homepage auf: „Wir können sehr froh sein, dass er in einer derart hervorragenden Verfassung ist.“ Der Schweizer allein wird es gegen die nicht minder torhungrigen Grün-Weißen jedoch schwer haben. „Für meinen Geschmack lassen wir noch immer viel zu viel zu und haben unser Glück in letzter Zeit sehr strapaziert“, beanstandete der VfL-Trainer. Claudio Pizarro und Co. jedenfalls würden derartige Fahrlässigkeiten kaum dankend ablehnen. Bei allem Wolfsburger Angriffs-Potential, noch fünf Tore mehr – nämlich 63 - hat Werder Bremen auf seinem Konto und stellt damit bislang die beste Offensive der Bundesliga. „Wir spielen auch gerne nach vorne“, weiß Thomas Schaaf deshalb berechtigterweise zu berichten. Wenn sein Kollege Lorenz-Günther Köstner etwas verhindern will, dann ins offene Messer zu laufen. „An guten Tagen kann Werder mit seinen starken Individualisten jede Mannschaft schwindelig spielen“, analysierte er auf der VfL-Homepage. Deswegen „müssen wir den Gegner zuerst bekämpfen und dann bespielen, in dieser Reihenfolge.“

 

von Maximilian Hendel