Bayer 04 zu Gast: „Die Aufgabe ist Motivation genug“

Wie schon beim 0:0 im Hinspiel wird Kapitän Torsten Frings auch im Rückspiel die Kreise von Toni Kroos kompromisslos einengen.
Profis
Donnerstag, 01.01.1970 // 01:00 Uhr

Wenn jemand aktuell eine exzellente, noch dazu eigens aufgestellte Bundesliga-Bestmarke anvisiert, die allerdings schon fast 21 Jahre währt, dem ist wahrlich schon einiges in dieser Branche widerfahren. Und doch wird die Saison des Trainers Jupp Heynckes bei Bayer Leverkusen – egal wie sie zu Ende gehen sollte – wohl vielen besonders in Erinnerung bleiben. Am Sonntag, 21.02.2010, strebt sein in der laufenden Bundesliga-Runde noch ungeschlagenes Team ab 17.30 Uhr im Weser-Stadion gegen Werder Bremen danach, die niederlagenlose Liga-Serie auf 23 zu erhöhen.

 

Heynckes visiert die eigene Bestmarke an

 

Stefan Kießling gelangen bereits 13 Saisontore, Per Mertesacker wird ein 14. verhinder wollen.

Sie würden den in der Saison 1988/89 vom FC Bayern, dessen damaliger Trainer – natürlich - Jupp Heynckes war, aufgebotenen Rekord einstellen. Wegbegleitendes Spalier und bunte Blumensträuße sind von Cheftrainer Thomas Schaaf und seinen Grün-Weißen jedoch nicht vorgesehen, sie sind viel mehr gewillt, dem Ganzen im letzten Augenblick Einhalt zu gebieten. „Eine schöne Aufgabe, sich zu beweisen. Unser Ziel ist klar und die Aufgabe ist Motivation genug“, bringt es der 48-Jährige präzise auf den Punkt. Heimspiel, Sieg und die nächste Stufe zurück nach oben zu erklimmen! Bis auf zwei Punkte rückte seine Mannschaft zuletzt wieder an den ersten europäischen Startplatz heran, den derzeit Borussia Dortmund innehält.

 

Auf Tabellenführer Bayer 04 sind es dann schon deren zwölf Zähler. Dass die Werkself von ganz oben grüßt, dafür hat auch Thomas Schaaf einige Argumente parat. „Sie treten als unheimlich kompakte Einheit auf, die auch individuell einiges aufzubieten hat“, lobt er. Schlicht und ergreifend „hat sie hervorragende Spiele geboten und steht nun zurecht dort.“ Jung, hochtalentiert, zu Großem fähig, diese Eigenschaften zeichneten Leverkusen schon vor Heynckes' Antritt aus. Doch der lang anhaltende Umbruch - nach einer begeisternden Ära ohne Krönung um die Jahrtausendwende herum - scheint in seine Endphase eingetreten zu sein. Michael Skibbe und Bruno Labbadia sorgten für Konturen, den gegenwärtig äußerst schnell voranschreitenden Feinschliff leistet Altmeister Heynckes in bislang perfektionistischer Manier.

 

Bayer ist gereift, aber auch reif genug für den Titel?

 

Leverkusens Trainer Jupp Henckes hat seine Mannschaft intensiv auf Clemens Fritz und Co. vorbereitet.

Jung, hochtalentiert und zu Großem fähig ist sie auch heute. Und wirkt noch dazu gereift. Aber auch schon reif für die Meisterschaft? Als Heynckes‘ FC Bayern im April 1989 die noch allein stehende Marke setzte, bestand der Tagesablauf etwa von Toni Kroos oder Eren Derdiyok aus schreien, schlafen, gefüttert werden. René Adler und Stefan Kießling werden zumindest im heimischen Garten dem runden Leder schon nachgejagt sein.

 

Sie zusammen sind anno 2010 nur vier bedeutende Stützen des Höhenflugs „einer insgesamt gut harmonierenden Mannschaft“, die Thomas Schaaf auf seine Männer zukommen sieht und weiß: „Sie agieren recht offensiv, kombinieren schnell, sind beweglich.“ Kießling und Derdiyok erzielten gemeinsam bereits 23 Saisontreffer, Kroos vereint Kreativität und Torgefahr, abgesichert von Arturo Vidal. Auf der Außenbahn wirbelt Barnetta. In der zweiten Reihe lauern die von langen Verletzungen zurückgekehrten Renato Augusto, Patrick Helmes oder Gonzalo Castro. Besonnenheit und Zweikampfstärke verkörpert die Innenverteidigung aus Manuel Friedrich und der Ikone Sami Hyypiä. Im vergangenen Sommer kam der 36-jährige Finne aus Liverpool. „Mit ihm haben sie einen ganz erfahrenen, wichtigen Mann gefunden, der für Stabilität sorgt und der vor allem auch den Anderen Stärke gegeben hat“, sagt Thomas Schaaf. Dass zumindest ein kurzfristiger Verlust nicht ins Gewicht fällt, werden die Rheinländer in Bremen beweisen können. Bayer 04 muss ohne seinen gelbgesperrten Leader auskommen. Stefan Reinartz rückt für ihn ins zentrale Glied der Viererkette.

 

Fragezeichen hinter Pizarro, Pasanen und Hunt

 

Der finnische Fels Sami Hyypiä ist gesperrt, aber auch Claudio Pizarros Einsatz ist gefährdet.

Ob es Reinartz dort unter anderem mit Claudio Pizarro zu tun bekommt, ist derzeit noch ungewiss. Den Peruaner behindern aktuell „leichte Knieprobleme“, informierte sein Trainer am Freitag, „zwei weitere Fragezeichen stehen noch hinter Aaron Hunt und Petri Pasanen.“ Hunt hat mit muskulären Problemen im hinteren Oberschenkel und Pasanen mit Problemen in der Leistengegend zu kämpfen. Aufschluss über ihre Einsatzmöglichkeiten wird das Abschlusstraining der Grün-Weißen bringen. „Bremen befindet sich im Aufwind und ist fußballerisch richtig stark“, hob der ehemalige Werderaner Manuel Friedrich bei Bayer04-TV hervor. Sein Trainer Jupp Heynckes pflichtete ihm im ‚kicker‘ bei: „Werder hat den Winterschlaf beendet.“ Und dennoch bringen die Leverkusener ihr hart erarbeitetes Selbstbewusstsein auch mit an die Weser. „Wir haben den Anspruch, eine Spitzenmannschaft zu sein, da oben zu stehen und da oben bleiben zu wollen“, äußerte Friedrich energisch. Allerdings belegen einzig die tabellarischen Vorzeichen Eindeutigkeit. „Da brauchen wir nur hinschauen. Aber das ist unwichtig“, unterstrich Schaaf, „beide Mannschaften verfügen über hohes spielerisches Potential und Bayer wird genauso bedrängt wie wir.“

 

Heynckes‘ alter Klub, der punktgleiche FC Bayern, drängt vehement auf die Veränderung des Status Quo an der Spitze, während gleich fünf Teams Europa-League-Aussichten haben. Fünf der letzten sechs Spiele entschied Leverkusen für sich. Was diese Saison noch fehlt? Ein Sieg in einem Spitzenspiel. Sowohl gegen Bayern als auch gegen Schalke, Hamburg, Dortmund und Werder stand am Ende eine Punkteteilung zu Buche. Diese Fünf belegen nacheinander die Ränge zwei bis sechs der Bundesliga. Auf jeden Fall wird es das letzte Aufeinandertreffen zwischen Werder und Bayer 04 der in der Saison 2009/10 sein. Der Pokalfinal-Gegner 2009 flog heuer bereits in der zweiten Runde beim FCK aus dem Wettbewerb. Ohne Sami Hyypiä, es war das bisher einzige Spiel, in dem der Finne nicht mitwirken konnte.

 

von Maximilian Hendel