„Es ist Zeit, andere Ergebnisse zu liefern“

Tim Wiese hielt im Hinspiel Werders Punkt fest, nur ein Mal (nicht bei diesem Kopfball) überwand ihn Mario Gomez.
Profis
Donnerstag, 01.01.1970 // 01:00 Uhr

„Werder hatte ich vor der Saison auf dem Zettel“, verriet Hans-Jörg Butt – gebürtiger Oldenburger und aktuell mit stolzen 35 Jahren im anhaltenden Leistungsfrühling zwischen den Pfosten des FC Bayern – dem Münchner Merkur dieser Tage. Allerdings lässt die gewählte Zeitform des Plusquamperfektes erahnen, dass der Bremer Schriftzug auf Butts Merkblatt mittlerweile etwas verblasst zu sein scheint.

 

Den Weg zur Spitze verkürzen

 

Mesut Özil - hier im Duell mit Hamit Altintop - schoss Werder am zweiten Spieltag beim 1:1 in Führung.

Umso mehr kann das „ewige, traditionelle Nord-Süd-Prestige-Duell“ (Tim Borowski auf fcb.de) zwischen Werder Bremen und Bayern München am Samstag, 23.01.2010, um 15.30 Uhr im Weser-Stadion dem aktuell erlittenen Negativ-Trend des Gastgebers Einhalt gebieten. Denn die Saison ist noch lang und der Respekt vor den Grün-Weißen bei der Konkurrenz alles andere als abhanden gekommen. „Das macht sie nur noch gefährlicher“, ahnt Hans-Jörg Butt. Dennoch haben drei Bundesliga-Niederlagen in Serie Werders Abstand zu den ersten Drei schon beträchtlich anwachsen lassen. „Im Moment sind wir mit dem, was wir abgerufen haben, nicht zufrieden. Da ist eine Distanz zur Spitze und wir müssen zusehen, dass dieser Weg nicht noch länger wird“, verlangt Cheftrainer Thomas Schaaf. Tim Borowski schloss sich im fcb.de-Interview an: „Wir sind nun mal in dieser misslichen Situation, was jedem bewusst sein muss und dagegen müssen wir ankämpfen.“ Die Mannschaft hat den Ernst der Lage verstanden, nur muss sie es auf dem Feld umsetzen.

 

Dort wartet der Rekordmeister – ein wiedererstarkter zudem. Dessen eingeschlagener Pfad der Tugend aus dem Leistungs-Tal zurück zu alter Selbstsicherheit begann vor nicht allzu langer Zeit. Noch Mitte November beunruhigte ein etwaiger Anschlussverlust zu Bayer Leverkusen die Gemüter, in der Champions League wankten die Roten nach der Heim-Schlappe gegen Bordeaux dem Absturz von der Klippe entgegen.

 

Es wartet der Rekordmeister - ein wiedererstarkter zudem

 

Bayern-Trainer Louis van Gaal führte sein Team ins Champions-League-Achtelfinale und ganz nah an die Tabellenspitze.

Mittlerweile stehen sieben Pflichtspielsiege in Serie mit 22:5 Toren zu Buche. Zwei Pünktchen fehlen zum Bundesliga-Tabellenführer, im Champions-League-Achtelfinale gegen den AC Florenz steht der FCB dank des beeindruckenden 4:1-Sieges bei Juventus. Dazu reist Greuther Fürth zum Pokal-Viertelfinale in die Arena. Die Wertschätzung der Bayern-Profis über Louis van Gaals bislang gut siebenmonatige Arbeit ist groß. „Es ist ein enormer Unterschied, wie wir jetzt spielen. Es ist Struktur da, es ist klar, was wir spielen wollen“, hat Vize-Kapitän Philipp Lahm ausgemacht. Zusätzlich besiegelten die Verantwortlichen im Winter eine akute Kader-Konzentrierung. Luca Toni wurde in die italienische Heimat verliehen (AS Rom), Andreas Ottl und Breno sollen in Franken den Abstieg des 1. FC Nürnberg mit verhindern. Alexander Baumjohann verabschiedete sich wieder zum FC Schalke. Das Aufgebot ist gleichwohl – wie eh und je – á la bonne heure. Die derzeitige erste Elf hat sich gefunden. Miroslav Klose gehört trotz aufsteigender Formkurve und Joker-Tor vergangene Woche (noch) nicht dazu, drängt jedoch ebenso wieder dorthin wie Franck Ribéry, dessen Einwechsel-Comeback sich nach langwierigen Patellasehnen- und Zehenleiden in Bremen anbahnt.

 

Ribérys Comeback/Schaafs Losung

 

Franck Ribéry hofft auf sein Comeback in Bremen, Torsten Frings und Co. werden ihn eng bewachen.

„Er kann ein Spiel alleine entscheiden und zieht immer mehrere Spieler auf sich. Er hebt die Mannschaft auf ein anderes Level“, lobpreist Kollege Lahm. Louis van Gaal wies unter der Woche trotzdem noch einmal deutlich auf seine Startformation hin: „Ich verändere nichts.“ Sie wird derer des Hoffenheim-Sieges wohl identisch sein. Es erübrigt sich zu erwähnen, welch hartes Stück Arbeit da auf Werder zukommt. Die Möglichkeiten des Gegners sind groß. Doch Werder wird bestens vorbereitet sein. „Wir beschäftigen uns mit allen Besonderheiten im Spiel des FC Bayern und versuchen, so viele Antworten wie möglich darauf zu finden“, erläutert Thomas Schaaf, „und in erster Linie konzentrieren wir uns darauf, was wir aufbieten können.“ Das ist auch nicht gerade wenig. Fast die volle Kapelle steht zur Verfügung. Fakt ist ebenso, dass aus ihr „jeder sein Potenzial abrufen- und mehr tun muss, was unser Spiel nach vorne angeht. Wir können nicht auf einen einzigen Spieler verzichten“, unterstrich Thomas Schaaf außerdem, um gleichweg die Losung des Samstages aus grün-weißer Sicht hinterher zu schieben: „Es ist Zeit, andere Ergebnisse zu liefern.“ Dann wird Hans-Jörg Butt den Namen „Werder Bremen“ auf seinem Zettel auch ganz schnell wieder dick nachzeichnen.

 

von Maximilian Hendel