Weiter reifen auf dem Weg der hohen Ansprüche

Cheftrainer Thomas Schaaf ist erfreut über den derzeitigen Entwicklungsstand seiner Mannschaft. Doch es geht noch besser.
Profis
Donnerstag, 01.01.1970 // 01:00 Uhr

Wahre Zeitzeugen sind die zwei sportlichen Entscheidungsträger des VfB Stuttgart, der am kommenden Sonntag, 04.10.2009, um 15.30 Uhr in seiner heimischen Mercedes-Benz-Arena Werder Bremen empfängt. Vor fast fünf Jahren, Ende Oktober 2004, da saßen Sportvorstand Horst Heldt und Trainer Markus Babbel noch nicht im Zwirn an der Außenlinie und leiteten die Geschicke beim fünfmaligen Deutschen Meister.

 

Sami Khedira ist der Ärger nach dem Gegentreffer bei Unirea Urziceni ins Gesicht geschrieben.

Damals schwitzten sie noch im rot-weißen Gewand und erlebten auf dem Rasen (Babbel) beziehungsweise von der Bank aus (Heldt war in der 50. Minute ausgewechselt worden), wie Miroslav Klose und Nelson Valdez mit ihren beiden Toren gut zehn Minuten vor Abpfiff einen 2:1-Auswärtssieg für Werder bescherten. Seitdem gelang den Bremern am Neckar nicht mehr viel. Auf ein 0:0 hagelte es zusätzlich noch drei klare Niederlagen in Serie (1:4, 3:6, 1:4). Die letzte übrigens auf Datum und Uhrzeit genau vor einem Jahr.

 

Allerlei statistische Spielerei, wie so oft. Werders Cheftrainer Thomas Schaaf bevorzugt die Auseinandersetzung mit der Gegenwart samt Panorama in die Zukunft. „Die Situation ist eine andere. Wir blicken nicht zurück.“ Die Ausganssituation ist die, dass die Grün-Weißen seit nunmehr elf Pflichtspielen nicht bezwungen werden konnten, zuletzt saß am Donnerstagabend beim 3:1 gegen Athletic Bilbao die lupenrein weiße Weste in der Europa League straff auf der Brust. „Das Spiel gegen Bilbao hat gezeigt, dass unsere Mannschaft an Leistungsstärke gewonnen hat. Sie geht trotz einiger Verletzungen diszipliniert ihren Weg“, honoriert Schaaf den eingeschlagenen Weg seines Teams.

 

Vor allem in Hälfte eins kombinierten Naldo und Co. gegen Athletic ansehnlich.

Was jedoch noch lange nicht bedeutet, dass trotz reifer Leistungen, wie vor allem in den ersten 45 Minuten gegen Bilbao angeboten, nun das Ruhekissen erster Anlaufpunkt der Gelobten sein wird. „Gegen Bilbao ging das schon in diese Richtung. Aber das muss noch besser werden, wir geben uns damit nicht zufrieden. Wir haben sehr hohe Ansprüche und wissen, dass die Mannschaft tollen Fußball bieten kann. Sie hat sich weiter entwickelt, aber wir sind noch auf dem Weg. Ich habe viele positive Dinge gesehen, doch wir können auch noch vieles besser machen“, erläutert Schaaf. Dennoch hat Markus Babbel ebenfalls einigen Beifall für den Kontrahenten übrig: „Werder hat eine hohe Qualität. Die Mannschaft verfügt über eine gute Mischung aus jungen, talentierten Spielern und erfahrenen Akteuren.“

 

Dagegen kommt sein VfB sportlich noch nicht richtig vom Fleck. Dem 3:0-Ausrufezeichen bei der Frankfurter Eintracht nach mühsamen Wochen in der Bundesliga folgte auf dem Fuß der wiederholt überflüssige Punktverlust in der Champions League gegen Unirea Urziceni, als Serdar Tascis Führungstor nicht für den Sieg genügte. Trotzdem, „man hat gesehen, dass sich die Mannschaft aus dem Tief herausarbeiten will. Nun haben wir die große Chance, mit einem Erfolg gegen einen starken Gegner den nächsten Schritt zu machen“, sagt Markus Babbel, aber, „wir müssen uns am Riemen reißen, um zu gewinnen.“

 

Aliaksandr Hleb wird beim VfB schmerzlich vermisst.

Thomas Schaaf warnt derweil mit Bedacht: „Der VfB stand zuletzt in der Kritik, da auch in Stuttgart die Erwartungen groß sind. Die Mannschaft spielt schließlich in der Champions League. Sie werden uns als Gegner sehen, an dem sie sich beweisen können, das muss uns bewusst sein.“ Dennoch ist dem Bremer Cheftrainer aufgefallen, dass „sie schon mal dominanter waren“, sie „Dinge zulassen.“ „Da müssen wir etwas anbieten, sie immer wieder in Verlegenheit bringen“, verlangt Schaaf.

 

Aufgrund des geringen Regenerationsrahmens in Folge der Dreifach-Belastung verlebten die Stuttgarter Profis am Donnerstag einen trainingsfreien Tag, um vor der Sonntagsaufgabe noch einmal tief Luft holen zu können. „Die Jungs sollen zur Ruhe kommen und auch mal abschalten können. Viele meiner Spieler sind noch nicht an den Dreitagesrhythmus gewohnt“, begründete es Babbel. Derjenige, der im Mittelfeld des VfB den Rhythmus eigentlich bestimmen und mit seiner Genialität das Element der Unberechenbarkeit einbringen soll, plagt sich mit anhaltenden Muskelbeschwerden herum. Rückkehrer Aliaksandr Hleb fällt auch gegen Werder aus.

 

von Maximilian Hendel