Generalprobe gegen "brutal enttäuschte" Karlsruher

Auch Winter-Ausleihe Giovanni Federico konnte das Ruder nicht herum reißen. Er traf bisher zweimal, der einzige Karlsruher mit akzeptabler Torquote ist Sebastian Freis, der acht Treffer erzielte.
Profis
Donnerstag, 01.01.1970 // 01:00 Uhr

Fußball-Bremen platzt gerade aus allen Nähten: Ständig wird Fußball gespielt, in so vielen Wettbewerben, dass man manchmal fast durcheinander kommt. Es hagelt Tore, Geschichten und Emotionen − man wird all dem schwer Herr. Gestern Frankfurt, übermorgen Karlsruhe und bald schon Donezk in Istanbul, das alles zu organisieren ist wirklich keine leichte Aufgabe.

 

Am anderen Ende Deutschlands, in Karlsruhe, wäre man froh, sich mit solcherlei Aufregung herumschlagen zu können. Denn während sich rund um Werder Erlebnisse und Hoffnungen ballen, herrscht im und um den Karlsruher Sportclub "extreme Leere", wie der Verteidiger Maik Franz am Dienstagabend sagte.

 

"Brutale Enttäuschung" in Karlsruhe

 

Da hatte er mit seinen Teamkollegen gerade das Abstiegsendspiel gegen Hannover 96 verloren. Zuhause. Nach einer 2:0-Führung. "Das ist brutal enttäuschend", beschrieb der Kapitän seine Gefühle und wollte von theoretischen Chancen nichts wissen: "Wir sind ja keine Fantasten,

Ede Becker und Rolf Dohmen, die Macher beim KSC.

unsere Chancen sind gleich null." Fünf Punkte trennen den Tabellenletzten KSC von einem Nichtabstiegsplatz, vier von der Relegation. Da müsste er schon am Samstag, 16.05.2009, ab 15.30 Uhr in Bremen gewinnen, danach noch zuhause gegen Berlin und alle Konkurrenten dürften zusammen keinen einzigen Sieg mehr holen. "Man konnte nicht davon ausgehen, dass sie so weit abrutschen", sagte Werders Cheftrainer Thomas Schaaf am Donnerstag, "denn sie haben in vielen Spielen gute Leistungen gebracht."

 

Doch Sport ist nicht immer gerecht. In Wolfsburg zum Beispiel, wo die Karlsruher 0:1 unterlagen, hätten sie einen Punkt unbedingt verdient gehabt. Auch in München verloren sie nur mit 0:1, in Schalke gab es zwei Gegentore, aber ebenfalls eine kampfstarke Vorstellung, in Leverkusen wurde sogar gewonnen. Doch zwei elementare Dinge fehlen: eine gute Chancenverwertung und Heimsiege, in der Rückrunde gleichbedeutend mit Erfolgen gegen die direkte Konkurrenz.

 

18 Spiele ohne KSC-Tor

 

Denn die angesprochenen Spiele bei den "Großen" darf verlieren, wer seine Hausaufgaben macht. Doch Karlsruhe schaffte es gegen Frankfurt, Bielefeld, Mönchengladbach und Cottbus nicht, drei Punkte im Wildpark zu behalten, zuletzt missglückte auch das Endspiel gegen Hannover. Wer

Das Hinspiel endete nicht nur mit einer ärgerlichen 0:1-Niederlage, sondern wirkte auch wegen der Sperren für Claudio Pizarro und Diego noch lange nach.

seit sieben Spielen zuhause keinen Dreier einfuhr, bekommt zwangsläufig Probleme, erst recht, wenn er auch Schlusslicht in der Auswärtstabelle ist. Gleiches gilt für eine Mannschaft, die in 18 Spielen dieser Saison ohne eigenes Tor blieb und insgesamt nur 23 Mal jubeln durfte.

 

Dennoch ist das Spiel gegen einen so gebeutelten Gegner kein Ruhekissen für Werder. Denn, 1. "Sie werden am Samstag alles probieren", weiß Thomas Schaaf, die Gäste werden um ihre kleine letzte Chance kämpfen. 2. Ist es Werders Generalprobe für das UEFA-Cup-Finale in Istanbul. Die Spieler werden sich empfehlen wollen und natürlich einspielen. "Wir haben uns in den letzten Wochen variabler aufgestellt und mehrere Varianten überzeugend gespielt", freut sich Schaaf. Das Duell mit dem KSC wird der weiteren Festigung des Gelernten dienen.

 

von Enrico Bach