Jammern oder verbessern? - Das ist hier die Frage

Diego eng bewacht von Chris und Co. im Februar 2008. Später sah Werders Brasilianer die Rote Karte nach einem Kopfstoß.
Profis
Donnerstag, 01.01.1970 // 01:00 Uhr

Der aktuell dienstälteste Bundesliga-Trainer trifft auf den aktuellen „Vize“-dienstältesten Bundesliga-Trainer: Am Samstag, 29.11.2008, um 15.30 Uhr, im Weser-Stadion, wenn Werder Bremen Eintracht Frankfurt empfängt und Thomas Schaaf (Bei Werder anno 1999) Friedhelm Funkel (Seit 2004 in Frankfurter Amt und Würden) begegnet. Beide durchlebten bereits ruhigere, aber vor allem erfolgreichere Tage auf ihren Posten.

 

Jubel der Erleichterung: Maskottchen Attila und die Eintracht-Spieler nach dem Sieg gegen den KSC im Oktober 2008.

Während die Eintracht-Elf gerade zu Saisonbeginn den Erwartungen des auch in Richtung Europa blickenden Umfeldes kaum gerecht werden konnte, musste Werder jüngst der Champions-League abermals ein leises „Adieu“ nach der Vorrunde hauchen und rennt in der Liga einigen verlorenen Punkten hinterher.

 

„Die Enttäuschung war groß. Man hat das in den Gesichtern gesehen. Die Ziele, die wir uns gesetzt haben, haben wir nicht erfüllen können“, sagt Thomas Schaaf selbstkritisch nach dem Ausscheiden, doch mitnichten ist nun eine Saison verloren – nicht die Meisterschaft, man steht im DFB-Pokal-Achtelfinale und ebenso ist der Verbleib im UEFA-Cup noch zu realisieren.

 

In Thomas Schaaf und seiner Mannschaft jedenfalls brennt das Feuer der Wiedergutmachung: „Ich kann mich hinstellen und jammern oder die Dinge verbessern, so dass es insgesamt einen positiven Weg nimmt. Ein gewisser Frust muss da sein, den ich wegspielen will“, unterstreicht der 48-Jährige und fordert: „Wenn man in eine Phase gekommen ist, in der die Automatismen verschwunden sind, ist es wichtig, diese wiederzufinden. Gegen Frankfurt müssen wir eine gute Partie machen.“

 

Thomas Schaaf und Friedhelm Funkel: Dauerläufer im Gespräch.

Dort, am Riederwald, war die Ungeduld der Anhänger zu großen Teilen bereits Mitte Oktober dem Frust gewichen. Nicht wenige übten gellend auf den „Funkel-Raus“-Posaunen. Ihre Eintracht hielt nach dem 8. Spieltag samt einer 0:2-Heimniederlage gegen Bayer Leverkusen noch sieglos die Rote Laterne der Bundesliga in den Händen, Friedhelm Funkel war in das Visier der Öffentlichkeit geraten.

 

Frühere Verantwortliche des Klubs hätten sich allerspätestens zu diesem Zeitpunkt wohl abermals den Mechanismen ergeben – allein seit 1990 saßen bis zum Beginn der „Ära Funkel“ 15 verschiedene Fußballlehrer auf dem Stuhl, einige von ihnen sogar mehrfach -, einzig Heribert Bruchhagen, der Vorstandsvorsitzende, vervielfachte stoisch seine klare Ansage, die Nerven zu bewahren.

 

Die Mannschaft selbst besann sich am Scheideweg, drehte das Nachholspiel am 22.10.2008 gegen den KSC innerhalb der letzten sechs Minuten zu einem 2:1-Sieg, rettete damit wohl Funkels Job und sich vor einer beschwerlichen Saison im tiefen Keller der Tabelle. Nur vier Wochen fleißigen Punktesammelns später ist man auf Rang zwölf emporgeklettert und mit einem nunmehr beruhigenden Polster von sechs Punkten der Gefährdenregion entwichen. Das schnelllebige Fußballgeschäft in seiner Reinform, was Friedhelm Funkel kaum befriedigen kann:

 

Ioannis Amanatidis, noch im Februar "Werder-Bezwinger", muss nach einer Meniskus-OP diesmal passen.

„Wir haben erst 16 Punkte, da sollen bis zur Winterpause noch einige dazukommen. In Bremen wollen wir damit anfangen." Das klingt und ist selbstbewusst, doch mit gleichwohl großem Respekt reisen die Hessen an die Weser. „Werder hat in den vergangenen fünf Jahren die beste Spielanlage aller Bundesligisten gezeigt“, honoriert Heribert Bruchhagen.

 

Schmerzende Ausfälle hat die Eintracht dabei zu beklagen. So fehlen mit Torwart Nikolov (Sehnenanriss im rechten Fuß), Chris (Schulter-OP), Meier (Reha nach Knie-OP), Preuß (Reha nach Knie-OP), Bajramovic (Reha nach Zehen-OP), Korkmaz (Mittelfußbruch) und Kapitän Amanatidis (Meniskus-OP) allein sieben potentielle Leistungsträger.

 

Jener Amanatidis war es auch, der nicht nur im Oktober mit seinem Siegtor den aktuellen Bock gegen Karlsruhe umgestoßen hatte, sondern auch Werder im letzten Aufeinandertreffen am 23.02.2008 in der Commerzbank Arena (0:1 aus Bremer Sicht) wichtige Zähler raubte. Eine Wiedergutmachung im doppelten Sinne steht demnach am Samstag an. Dafür sind an den Tageskassen des Bremer Weser-Stadions noch 500 Tickets zu erwerben.

 

 

von Maximilian Hendel