Werder zu Gast in Duisburg – die Chance für "Toni"?

Das 2:1 in Hamburg am 34. Spieltag der vorletzten Saison war das letzte Aufeinandertreffen von Werder und Ailton. Am Samstag könnte es nun wieder soweit sein.
Profis
Donnerstag, 01.01.1970 // 01:00 Uhr

Was die Bielefelder vor einer Woche für Werder waren, das sind die Bremer für den kommenden Gegner MSV Duisburg (Anstoß am Samstag, 6.10.2007, 15.30 Uhr): ein wirklich gern gesehener Gast. Von 26 Heimspielen gegen Werder konnte der MSV 16 gewinnen, so viel wie gegen keinen anderen Bundesligisten (nur Schalke bekam hier genauso oft auf die Mütze). Der letzte dieser 16 Erfolge ist allerdings schon einige Zeit her, im April 1999 siegten die Duisburger mit 2:0 gegen den damaligen Abstiegskandidaten aus dem Norden. Ein gutes Jahr später traf man sich wieder, Werder gewann zuhause 4:0 und Duisburg stand schon lange als Absteiger fest. Fünf Jahre dauerte es, bis der MSV es wieder in die Bundesliga schaffte, es folgte ein erneuter Ab- und in der vergangenen Saison der sofortige Wiederaufstieg.

 

Was für ein Spektakel am 1. Spieltag: 3:1 in Dortmund, zwei Ishiaku-Salti, ein optimaler Saisonstart für den MSV.

Super-Start in Dortmund, aber dann...

 

Nun sind sie also wieder da, die Meidericher. Borussia Dortmund war die erste Mannschaft, die es zu spüren bekam – beim Saisonauftakt nahmen die "Zebras" dem BVB mal eben mit einem 3:1-Auswärtssieg die Punkte ab. Diesen spektakulären Start konnten sie allerdings nicht bestätigen, bis auf einen 3:0-Erfolg am 4. Spieltag gegen Arminia Bielefeld wurden alle anderen Spiele, sechs an der Zahl, verloren. Am letzten Wochenende besiegte Ex-Werderaner Christian Schulz den MSV mit seinen beiden Toren fast im Alleingang, 2:1 gewann Hannover 96. Das ergibt in der Tabelle einen geteilten 16. Platz, gemeinsam mit dem 1. FC Nürnberg. "Die Tabellensituation wird ihren Leistungen nicht gerecht. Davon lassen wir uns nicht beirren", sagt ein gewohnt gut informierter Werder-Cheftrainer Thomas Schaaf. "Duisburg kann sehr flott kontern, sie spielen die Kugel schnell hinten raus und haben sehr gute Fußballer in ihren Reihen." Dennoch: Auch wenn die Ansprüche an der Wedau vernünftig sind und auf den Klassenerhalt orientieren, haben sich Schlicke, Grlic, Mokhtari & Co. vom Auftaktprogramm sicher mehr versprochen.

 

Gerade zuhause muss der Aufsteiger bald in Fahrt kommen, hier gilt es, die Punkte zu holen. Doch auch in der Zweiten Liga war die MSV-Arena nicht der erhoffte Rückhalt, nur acht von 17 Spielen wurden gewonnen. Der MSV hat den Aufstieg seiner starken Auswärtsbilanz zu verdanken und machte es denkbar spannend. Erst am letzten Spieltag entschied sich das knappe Rennen mit dem SC Freiburg, dank der besseren Tordifferenz hatte das Team von Trainer Rudi Bommer die Nase vorn. Und das war verdient, denn nur an sechs von 34 Spieltagen hatte es nicht auf einem Aufstiegsplatz gestanden.

 

Skeptisch: Rudi Bommer kann mit sechs Punkten aus acht Spielen nicht zufrieden sein.

Wenig Abgänge, überzeugende Neue

 

Von den wichtigen Aufstiegshelden traten nur Alexander Bugera (Wechsel zum 1.FC Kaiserslautern), Georg Koch (Dinamo Zagreb) und Markus Kurth (Rot-Weiß Essen) die Reise ins Oberhaus nicht mit an. Mit einigen klugen Investitionen wurde der Kader erstligafest gemacht: Maicon (Maduereira EC/Brasilien), Blagoy Georgiev (Roter Stern Belgrad), Christian Tiffert (Red Bull Salzburg), Michael Lamey (PSV Eindhoven) und Torhüter Tom Starke (SC Paderborn) haben sich schon in der ersten Elf festgespielt. Der bemerkenswerteste Transfer war aber der von Manasseh Ishiaku. Der Nigerianer mit belgischem Pass spielte lange Jahre in seiner Wahlheimat, wo er zwar viele Spiele, aber keine überragende Torquote verbuchen konnte. In Duisburg aber startete er durch und erzielte in den acht Spielen dieser Saison schon fünf Tore, gefeiert jedes Mal mit einer respektablen Turnübung inklusive halber Schraube.

 

Das letzte Werder-Spiel in Duisburg sorgte für lächelnde Bremer, bis auf Tim Wiese: es endete 5:3 für Werder.

"Toni" bisher nur Ersatz

 

Dass Ishiaku trifft, macht es für einen anderen schwer: Ailton. Werders Meister-Torschützenkönig, der in Bremen 88 Tore in 169 Spielen schoss, kam für kleines Geld von Roter Stern Belgrad. Zuletzt war er aber an Grasshoppers Zürich ausgeliehen, wo er mit acht Toren in 13 Spielen sein Torjäger-Näschen wiederentdeckte. Unter Rudi Bommer reichte es für ihn bisher nur zu 55 Bundesliga-Minuten bei zwei Einwechslungen. Ob "Toni" gegen Werder seine Chance bekommt?

 

Für seinen alten Club geht es in Duisburg vor allem um eines: "Wir haben dort die Chance, wieder eine bessere Leistung zu zeigen, bevor es in die lange Länderspielpause geht", sagt Thomas Schaaf. Zwei Wochen sind Werders viele Nationalspieler dann wieder in der Welt unterwegs und sie sollen nicht mehr von Piräus berichten müssen, sondern von Duisburg erzählen wollen.

 

von Enrico Bach