Der "neue" FC Bayern: Kann Werder ihn bremsen?

Gerne wieder: Mit 3:1 behaupteten sich Hugo Almeida und seine Kollegen gegen die Bayern am 8. Spieltag der letzten Saison, Werder hatte ein Klasse-Spiel gezeigt.
Profis
Donnerstag, 01.01.1970 // 01:00 Uhr

Da ist er wieder, der Rhythmus. Eben noch Europa und Zagreb, nun gleich wieder die Bundesliga und die Bayern. Am Samstag, 18.08.2007, kommt um 15.30 Uhr der Tabellenführer und letztjährige Vierte aus München ins Weser-Stadion. Nach der vorerst bestandenen Dinamo-Prüfung will Werder gegen den roten Dauerrivalen auch im nationalen Wettbewerb in die richtige Spur finden. "Wir müssen uns jetzt von Spiel zu Spiel steigern", fordert Cheftrainer Thomas Schaaf, "das heißt auch wieder gegen den FC Bayern." Es muss weiter aufwärts gehen für Werder, bezogen auf die letzten Spiele, genauso wie auf die Partie vor einem knappen Monat. Im Viertelfinale des Ligapokals ließen die Münchner den Grün-Weißen in Düsseldorf keine Chance, nach Borowskis frühem 1:0 war Schluss mit lustig, 1:4 ging's aus. Das hatte auch sein Gutes, findet Schaaf: "Wir haben die guten Erfahrungen, wie man es nicht machen darf, aus dem Ligapokal in den Köpfen." Per Mertesacker will ebenfalls die richtigen Lehren ziehen. "Wir wissen nach dem Ligapokal einiges über die Bayern: Da kommt viel Gefahr und wir müssen sie entschärfen", sagt der Verteidiger.

 

Franck Ribéry ist der personifizierte Offensivwirbel. Im Ligapokal traf er doppelt gegen Werder.

Das völlig neue Team harmoniert bereits prächtig

 

Für die Mannschaft von Ottmar Hitzfeld war dieses Spiel der erste Aufgalopp nach einer Generalüberholung. Die Namen sind mittlerweile oft genug diskutiert worden. Nur zur Erinnerung: Makaay, Hargreaves, Karimi, Pizarro, Görlitz, dos Santos, Salihamidzic, Scholl und Santa Cruz weg – Altintop, Jansen, Ribery, Schlaudraff, Sosa, Toni, Zé Roberto und Klose da. Die Qualität der Einkäufe stand nie zur Diskussion. Nur wenige werden allerdings geahnt haben, dass dieses Team so schnell zusammen findet und seinem Auftrag, der neben der Heimholung des Erfolgs auch die Zelebrierung des schönen Spiels vorsieht, nachkommt. Gut, Erfolge sind bis auf den Gewinn des Ligapokals (1:0 durch ein Klose-Tor im Finale gegen Schalke 04) naturgemäß noch nicht zu verzeichnen. Der Fußball, den die in diesem Jahr rot-weiß gewandete Elf zeigt, begeistert aber schon jetzt. Neben Werder und Schalke reihten sich noch Stuttgart im Ligapokal-Halbfinale (0:2) und Hansa Rostock am 1. Bundesliga-Spieltag (0:3) in die Reihe der klar Besiegten ein. Gerade gegen den Aufsteiger von der Ostsee zauberte sich der FCB zu einem Triumph ohne eine einzige Chance für die Gäste. Luca Toni traf ebenso wie Miro Klose, der doppelt netzte, nachdem er Tonis Treffer vorbereitet hatte.

 

Da ging die Angst um, Wacker Burghausen trat in der 1. Pokalrunde zum entscheidenden Elfmeter an...

Seltsam, dass sich die gleiche Mannschaft im DFB-Pokal wenige Tage zuvor gegen Zweitliga-Absteiger Wacker Burghausen so schwer getan hatte. Klose glich erst in der 79. Minute die Wacker-Führung aus, es ging danach noch bis ins Elfmeterschießen. Dort hatte der Underdog sogar Matchball, nachdem Altintop, Demichelis und Sosa gescheitert waren, letztlich rettete Oliver Kahn seinem Team aber das Weiterkommen. Ebenfalls weniger erfolgreich verliefen zwei Testspiele seit dem Pokal-Auftritt. Gegen RCD Mallorca (0:3) und den FC Barcelona (0:1 anlässlich des Abschieds von Mehmet Scholl) setzte es Pleiten. Wohl auch deshalb präsentiert man sich in München vor dem Bremen-Spiel eher vorsichtig. "In den letzten Jahren hingen die Trauben für uns dort immer relativ hoch. Ein Sieg wäre perfekt, aber nicht zu verlieren auch nicht schlecht", gibt der Vorstandsvorsitzende Karl-Heinz Rummenigge die Marschroute vor.

 

Mehr Pluspunkte als Sorgen – das spricht für Werder

 

Nur eins der letzten sieben Spiele konnten die Bayern im Weser-Stadion gewinnen (2:1 im Oktober 2004). Trotzdem sieht Kapitän Frank Baumann bei ihnen die Favoritenbürde, findet das aber gar nicht schlecht: "Wir sind in einer Außenseiter-Rolle, aber es ist vielleicht ganz gut, dass momentan nichts für uns spricht. Das könnte ein Vorteil sein." Auch Per Mertesacker ist ob der Vorzeichen nicht bange: "Warum sollten wir uns Sorgen machen? Im Gegenteil, wir freuen uns auf dieses Spiel. Da wird sicher einiges geboten werden."

 

Mehmet Scholl spielte 18 Mal gegen Werder bei sieben Siegen und sieben Niederlagen. Am Mittwoch verabschiedete er sich vom aktiven Fußball.

 

Schließlich gibt es für die Bremer keinen Grund, sich zu verstecken. Frank Baumann fallen durchaus Dinge ein, die für seine Mannschaft sprechen. Zum Beispiel die vorhandene Qualität: "Auch wir haben einen starken Kader. Trotz der Ausfälle hatten wir gegen Zagreb zwei Leute auf der Bank, die entscheidende Impulse geben konnten. So schlecht sind wir nicht besetzt." Oder die sich einstellende Fitness: "Auch die Frische kommt langsam. Es war ja zu sehen, dass wir im zweiten Durchgang noch nachlegen konnten." Außerdem gab es gegen Zagreb ein Erfolgserlebnis inklusive aufgeholtem Rückstand. "Vielleicht hat uns gerade so ein Spiel gegen Zagreb gefehlt, in der wir mit Leidenschaft, Wille, Aggressivität ein Spiel umbiegen", hofft "Baumi". "Im Moment geht es nur so. Wir können noch nicht über 90 Minuten Zauberfußball spielen." Das müsse aber niemanden beunruhigen. "Auch im letzten Jahr haben wir vier, fünf Spieltage benötigt, um dann den Fußball zu spielen, für den wir in der Hinrunde so gelobt worden sind", so lautet sein Argument. Den "neuen FC Bayern" kurz nach dem Losstürmen zu bremsen – auch das würde Werder viel Lob einbringen. Schon nach zwei Spieltagen.

 

von Enrico Bach