Vorbericht: Ein guter Tag, um Bilanzen auszugleichen

Die Aachener stehen eng zusammen, weil sie nach wie vor stark abstiegsgefährdet sind und ihnen langsam die Spieler ausgehen.
Profis
Donnerstag, 01.01.1970 // 01:00 Uhr

Langsam wird es Zeit für Werder. Am 30. Spieltag, an dem der Tabellenzweite sein Spiel am Freitag, 20.04.2007, um 20.30 Uhr gegen Alemannia Aachen bestreitet, gibt es für die Grün-Weißen gleich mehrere Bilanzen, die gerade zu rücken wären. Da sind zum Beispiel die Bundesliga-Duelle mit den Aachenern im Weser-Stadion: Zwar hat die Alemannia zuletzt vor fast genau 37 Jahren und überhaupt erst dreimal hier gespielt, konnte in der damals jungen Bundesliga aber zwei Siege in Bremen einfahren, Werder gewann nur einmal und ist gefordert, das auszugleichen.

 

Fünf Spieltage vor Schluss würde auch Werders Freitagsspiel-Bilanz ein Make-Up gut zu Gesicht stehen: Drei Auftritte hatte die Elf von Cheftrainer Thomas Schaaf in dieser Saison unter Flutlicht, bisher stehen dem 6:1 in Mainz zwei Niederlagen gegen Schalke und Dortmund gegenüber, das Aachen-Spiel ist die letzte Gelegenheit, das auszugleichen.

 

Im Mittelpunkt des Interesses stehen aber naturgemäß keine Begleitstatistiken, sondern das große Ganze: die Bundesliga-Tabelle. Mit einem Sieg in dem vorgezogenen Spiel kann Werder eine Marke setzen, Tabellenführer Schalke 04 hinter sich lassen und nach dann zwölf ungeschlagenen Spielen seine Ansprüche untermauern. "Wir konzentrieren uns nur auf uns selbst", sagt Thomas Schaaf, im Übrigen: "Wie weit ein gutes Ergebnis die Konzentration der anderen beeinflusst, weiß ich nicht". Eins aber steht mal fest: "Sie bekommen es mit". Seit sechs Wochen wird Werder in der Bundesliga an Position zwei geführt. Auch weil gleichzeitig mit Stuttgart und München zwei Konkurrenten gegeneinander spielen, könnte es sein, dass das Aachen-Spiel die Gelegenheit ist, das rechtzeitig auszugleichen.

 

Ein Zaubertor gegen Werder: das 2:1 von Jan Schlaudraff im Hinspiel.

 

"Wir haben immer wieder gezeigt, dass wir mit diesem Druck umgehen können. Wir wissen, was zu tun ist", sagt Geschäftsführer Klaus Allofs, der natürlich weiß, dass der Spitzenplatz nur von kurzer Dauer sein könnte, wenn Schalke am Samstag gegen Cottbus punktet, "die Sache ist, die anderen wissen auch, was zu tun ist, aber die Frage bleibt, ob sie es umsetzen können. Vielleicht wird es nach diesem Wochenende erst so richtig spannend ganz oben." Dass so viel über die Tabellensituation gesprochen wird, heißt selbstverständlich nicht, dass man in Bremen die Alemannia nicht ernst nehme. Den Schwung, den die Mannschaft von Trainer Michael Frontzeck zu erzeugen weiß, lernte Werder im Hinspiel zu genau kennen. Mit viel Mühe und Toren durch Per Mertesacker und Miroslav Klose holte Werder ein 2:2 am Tivoli, über Jan Schlaudraffs Slalom durch Werders Hintermannschaft wird man noch in Jahren sprechen.

 

Man ist also gewarnt. "Das wird eine ganz enge Kiste. Sie sind noch nicht gesichert und kämpfen weiter gegen den Abstieg. Sie können als Aufsteiger nur gewinnen. Jeder Punkt, den sie hier mitnehmen würde als große Überraschung gefeiert", ahnt Thomas Schaaf. Nach zuvor sechs Spielen ohne Niederlage inklusive eines 1:0 gegen den FC Bayern hat die Alemannia die letzten drei Spiele (gegen Stuttgart, Dortmund und Nürnberg) verloren und steht als Tabellenvierzehnter nur zwei Punkte vor dem ganz tiefen Schlamassel. Logisch, dass Thomas Schaaf gerade im Weser-Stadion keine Aachener Abenteurer erwartet: "Sie werden uns das Leben schwer machen. Die große Offensive wird bei ihnen morgen nicht stattfinden. Sie werden versuchen zu kontern und haben dafür mit Dum, Pinto und Schlaudraff gefährliche Spieler da vorn." Es scheint also, als würde es wieder so ein typisches Spiel für die Bremer, gegen einen mit allen defensiven Mitteln kämpfenden Gegner. "Wir werden uns mit Sicherheit nicht am Sechzehner der Bremer eingraben", bestätigt Aachens Trainer Michael Frontzeck, "jedoch werden wir Werder auch nicht so viel Platz

Michael Frontzeck zeigt großen Respekt vor Werder: "derzeit das beste Team Deutschlands".

geben, dass sie zu ihrem Kombinationsfußball kommen." Thomas Schaaf sieht sein Team für alle Eventualitäten gut vorbereitet: "Die Frage wird sein, ob wir wieder die nötigen Wege gehen. Zuletzt haben wir uns in diesem Punkt verbessert und traten zielstrebiger auf."

 

Diese Zielstrebigkeit meint auch Frontzeck, der über Werder sagt: "Wenn die einmal ins Rollen gekommen sind, sind sie schwer zu stoppen." Er hat den kommenden Gegner gegen Alkmaar und Dortmund selbst beobachtet und kommt zu diesem Schluss: "Wir müssen einen guten Tag erwischen, um in Bremen zu bestehen. In der momentanen Verfassung sind sie für mich die beste deutsche Mannschaft." Den Versuch, dieser Mannschaft beizukommen, treten nur 16 Spieler aus Aachen an, das Team hat mit großen Verletzungssorgen (Plaßhenrich, Nemeth, Straub, Ibisevic und Krontiris) zu kämpfen. Mit Sascha Rösler (fünf Tore, fünf Vorlagen) und Laurentiu Reghecampf (sieben Tore, zehn Vorlagen) fehlen zudem zwei wichtige Scorer gesperrt. Michael Frontzeck hat unter anderem einen U19-Spieler im Kader und will versuchen, das irgendwie auszugleichen.

 

von Enrico Bach