Heimfluch in Gladbach – Platzt gegen Borussia der Knoten?

Werder will am Sonntag dem Tabellenletzten aus Gladbach aufs Dach steigen und die klaren Tabellenverhältnisse auf dem Platz dokumentieren.
Profis
Donnerstag, 01.01.1970 // 01:00 Uhr

„Wir sind eine Runde weiter, allein das zählt“, sagte Mittelfeldspieler Tim Borowski nach der Niederlage im UEFA-Cup-Rückspiel gegen Ajax Amsterdam, „sonst können wir aus dem Spiel nichts mitnehmen.“ Die Mannschaft war nicht im Reinen mit sich trotz des Erfolgserlebnisses Achtelfinaleinzug. Weil der Knoten nicht geplatzt ist, im siebenten Pflichtspiel des Jahres die vierte enttäuschende Niederlage hingenommen werden musste. Bei Werder schaltete man ganz schnell um auf Bundesliga – am Sonntag, 25.02.2007, ab 17 Uhr heißt die nächste Prüfung Borussia Mönchengladbach, die besondere Anforderungen an Werder stellt, vielleicht gerade weil das Team von Trainer Jos Luhukay auf dem letzten Platz der Tabelle steht.

 

Christian Schulz traf im Hinspiel mit einem tollen Tor zum 2:0.

Wie wenig das heißen muss, hat Werder ja erst am vergangenen Wochenende gegen den Hamburger SV erfahren, das Schlusslicht triumphierte im Weser-Stadion mit 2:0. Um auch gegen diese derzeit „Kleinen“ in der Liga keine weiteren Überraschungen erleben zu müssen, will Werders Cheftrainer Thomas Schaaf mit kleinen Dingen antworten: „Wir müssen wieder die Kleinigkeiten in den Vordergrund stellen – die Erfolgserlebnisse aus den Partien betonen, ohne die Kritik zu vernachlässigen.“ Ja, auch wenn der Frust das überdecken mag, es gab Erfolgreiches, auch zuletzt. Halbzeitweise bestätigte Werder seine gute Bundesliga-Position und die Berechtigung zu großen UEFA-Cup-Ansprüchen. Gegenhalten in Stuttgart nach der Pause, totale Kontrolle über den HSV vor dem Pausentee, Souveränität und eine Menge bester Gelegenheiten in den ersten 45 Amsterdamer Minuten. Damit lässt sich arbeiten, glauben die Verantwortlichen in Grün-Weiß: „Auch ohne die Superleistungen zu bringen, glauben wir an das Potential unserer Mannschaft“, unterstreicht Thomas Schaaf, „das kontrollierte Spiel, die Kombinationen, die Sicherheit – wir wissen, dass sie das abliefern kann.“ Und übrigens: „Die Mannschaft weiß das auch.“ Zumal ihr mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln geholfen werden soll. „Video-Analyse, Einzelgespräche, Gruppengespräche, wir nutzen das ganze Repertoire, das uns zur Verfügung steht“, sagt Thomas Schaaf.

 

Ziel: Wieder in die Spur finden und einen Serien-Fluch am Leben erhalten, der seit mittlerweile vier Monaten auf dem Gegner aus Mönchengladbach liegt: nachdem die Borussia das Hinspiel in Bremen mit 0:3 verlor (Tore von Hunt, Schulz und Diego), gewann sie am 7. Spieltag 3:1 im heimischen Borussia-Park gegen Wolfsburg. Seitdem aber konnte sie keins von sechs Heimspielen mehr gewinnen, nachdem sie gar mit vier Siegen aus den ersten vier Heimspielen in die Saison gestartet war, an jenem 7. Spieltag war Gladbach Fünfter. Das Dilemma: auswärts geht schon die ganze Spielzeit gar nichts. Mit fünf Punkten aus zwölf Spielen bei neun Niederlagen ist Gladbach das schlechteste aller Teams. Der einzige Sieg auf fremdem Platz gelang übrigens am 20. Spieltag, als Luhukay mit einem 2:0 in Bielefeld seinen Einstand feierte. Der aber konnte den Absturz nicht aufhalten, Heimfluch und Auswärtsmilde haben Platz 18 zum Ergebnis.

 

Gladbach ist für Werder kein gutes Pflaster, die letzten zwei Spiele dort wurden verloren.

Auf die tabellarische Distanz braucht sich Werder aber nicht viel einbilden, Mönchengladbach ist, unhabhängig von den Platzierungen, kein bevorzugtes Bremer Ausflugsziel. Nur 10 von 38 Gastspielen am Bökelberg und im neuen Stadion konnte Werder gewinnen, zuletzt am 19. Spieltag der Meistersaison 2003/04 mit 2:1. Letztes Jahr setzte es in einem kuriosen Spiel nach 1:0-Halbzeitführung durch van Damme noch eine 1:2-Pleite. Damit das diesmal nicht passiert und Werder wieder Kurs in der Liga aufnimmt, will Thomas Schaaf seine Spieler „die Gladbacher Innenverteidiger Ze Antonio und Gohouri beschäftigen“ sehen, will, dass sie den „fleißigen Kluge und Polanski“ im defensiven Mittelfeld ein nicht zu bewältigendes Pensum aufzwingen und die engagierten Außenspieler Janssen und Delura nicht zur Entfaltung kommen lassen.

 

Auch wenn der gemeinsam mit Kahe mit vier Treffern beste Gladbacher Torschütze Oliver Neuville nach einer Fersenoperation ausfällt, wird Gladbach ein flinker Gegner mit klarer Taktik sein: „Das Konterspiel hat sie immer ausgezeichnet, das werden sie auch gegen uns versuchen“, schwant Thomas Schaaf. Er empfiehlt seinen Spielern folgendes Gegenmittel: „Aktiver sein, auch in der Defensive den Weg nach vorn gehen, den Gegner stellen, bedrängen und in Not bringen.“ So kann der Grundstein dafür gelegt werden, dass Mannschaft und Fans aus den Spielen von Werder Bremen wieder mehr mitnehmen als Ergebnismeldungen und dieses "unreine" Gefühl.

 

von Enrico Bach