Abwehrkönner hoffen, dass sich Geschichte wiederholt

Im vergangenen Jahr war Simon Jentzsch ein halbes Dutzend Mal in seinem Tor unterwegs, um den Ball zu holen. Solch ein Frusterlebnis will er sich und seinem Team am S
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Donnerstag, 01.01.1970 // 01:00 Uhr

Als die Saison im August begann, kam der VfL Wolfsburg in den ersten fünf Partien zu wenig befriedigenden Ergebnissen. Drei Unentschieden gegen Berlin, Frankfurt und Leverkusen folgten zwei Niederlagen gegen Hannover und Schalke, bevor dem Team von Trainer Klaus Augenthaler mit einem 1:0 der erste Saisonsieg gelang – gegen den Tabellenführer Bayern München. Am kommenden Sonntag (17.12.2006, Anstoß: 17.00 Uhr) tritt der VfL bei Werder Bremen an, Werder ist Tabellenführer und möchte es gern auch über die Feiertage bleiben. "Wolfsburg ist ein Gegner, der schwer einzuschätzen ist", sagt Werder-Profi Christian Schulz angesichts der durchwachsenen Bilanz des Gegners. Was die Gäste aber besonders unberechenbar zu machen scheint, sind die erstaunlichen Ergebnisse der vergangenen fünf Spiele, exakt so wie vor dem Bayern-Spiel: drei Unentschieden, gegen Cottbus, Bielefeld und Nürnberg, und danach zwei Niederlagen, gegen Dortmund und Aachen.

 

Zeichensprache auch schon vor Jahresfrist, hier aber eindeutig: Kloses Näschen hatte ihm soeben einen von zwei Treffern zum 6:1 beschert.

Diese Parallelität ist natürlich nicht mehr als ein Augenzwinkern der Statistik, doch Werder ist gewarnt: In dieser Liga und speziell bei diesem Gegner ist alles möglich. Immerhin hatte der VfL vor den zwei unglücklichen Niederlagen in Dortmund und gegen die Alemannia sieben Spiele nicht verloren. Noch bemerkenswerter: Der derzeitige Tabellenzwölfte teilt sich zwar mit dem FSV Mainz die "Goldene Himbeere" für die geringste Torausbeute, kann andererseits aber den Oscar für die beste Abwehr der Liga einheimsen! Nur 14 Gegentreffer mussten Simon Jentzsch und seine Vorderleute hinnehmen, sieben von 16 Spielen überstanden sie ohne Gegentor. "Das wird ganz gewiss nicht einfach", schätzt Thomas Schaaf demnach ein, "in der stark arbeitenden Defensive eine Lücke zu finden, wird schwierig. Wir werden viel Druck aufbauen müssen."

 

Am Sonntag prallen zwei Extreme aufeinander, denn bekanntlich schießt Werder mit Wonne den Ball auf und ins Tor, und das auch noch mit großem Abstand am häufigsten in der Liga. Dementsprechend groß ist der Respekt auf der Gegenseite: "Bremen ist die beste Mannschaft der Liga", sagt beispielsweise VfL-Kapitän Kevin Hofland, der sich beeilt, Folgendes zu versichern: "Wir lassen uns sicher nicht weg hauen!" Und Tom van der Leegte, der sich der undankbaren Aufgabe stellen muss, Diegos Tatendrang zu bremsen, erhofft sich Beistand von den Kollegen: "Ich hoffe, dass ich das nicht allein machen muss. Einer allein kann Diego nicht halten."

 

Für die brasilianische Nummer 10 und seine Kollegen geht es am Sonntag "primär darum, ein gutes Spiel zu zeigen", sagt Thomas Schaaf. Dieses Ziel präzisierte der Trainer noch: "Wir wollen ein sehr erfolgreiches Jahr mit einem Erfolgserlebnis abschließen. Wir wollen auch gern den Titel des Herbstmeisters mitnehmen. Denn wir wollen uns damit das Recht erspielen, uns über Weihnachten und den Jahreswechsel mal zurück zu lehnen und die Beine baumeln zu lassen." Dafür werde seine Mannschaft noch einmal alles bündeln und alle Kraft aufbringen, so Schaaf.

 

In der vergangenen Saison bündelte Werder seine Konzentration auf Wolfsburg in einem 6:1-Triumph. Baumann, Naldo und je zweimal Borowski und Klose trafen damals bei einem Gegentor von Diego Klimowicz. Letzterer hat am vergangenen Spieltag übrigens den zwischenzeitlich sehr erfolgreichen Mike Hanke (mit 5 Treffern bester Schütze der Wolfsburger) aus der Startelf verdrängt. Auch am Sonntag könnte der Argentinier wieder Angriffshoffnung einer VfL-Mannschaft sein, die versuchen wird, ihre positive Bremen-Bilanz zu erhalten. Denn im Weser-Stadion hatte Werder mit den anderen Grün-Weißen nicht immer so leichtes Spiel wie im November 2005. In neun Duellen gewannen beide Teams je vier Mal. Auch insgesamt hat Wolfsburg Werder schon oft geärgert. Von bislang achtzehn Duellen gewann Bremen acht und der VfL sieben. Nur im DFB-Pokal setzte sich Werder in allen fünf Spielen durch.

 

Personell hat sich die Lage beim Tabellenführer am Donnerstag noch einmal entspannt. Andreas Reinke stand am Nachmittag wieder auf dem Trainingsplatz, nachdem er zwei Tage zuvor umgeknickt war und aussetzen musste. In dieser Woche waren auch Patrick Owomoyela und Mohamed Zidan wieder mit voller Kraft ins Mannschaftstraining zurückgekehrt. "Beide sind ein Thema für den Kader", sagte Thomas Schaaf, der sicher auf Kapitän Frank Baumann (Achillessehnen-Probleme) und Clemens Fritz (Gelbsperre) verzichten muss, aber noch Hoffnung hat, dass Aaron Hunt trotz seiner Knieprobleme den Anschluss bis Sonntag schafft.

 

von Enrico Bach