Nach Europa ist vor Europa - Werder zu Gast in Frankfurt

In der imposanten Commerzbank-Arena hat Werder eine negative Bilanz, obwohl die Eintracht den Bremern insgesamt liegt.
Profis
Donnerstag, 01.01.1970 // 01:00 Uhr

Das Bundesliga-Spiel zwischen Eintracht Frankfurt und Werder Bremen ist für den Tabellenführer das erste Spiel nach dem europäischen "Finale" beim FC Barcelona. Für die gastgebende Eintracht ist es der Aufgalopp vor dem kontinentalen Endspiel. Am kommenden Mittwoch spielen die Frankfurter bei Fenerbahce Istanbul um die Qualifikation für die K.-O.-Runde, das Überwintern im UEFA-Cup. Vor diesem Spiel sind sie Letzter ihrer Gruppe, im Hexenkessel "Sükrü Saracoglu" zählt nur ein Sieg.

 

Im vergangenen Jahr schoss Miroslav Klose Werder zum 1:0 in Frankfurt, Christian Vander machte sein erstes Spiel im Bremer Trikot.

So verschwindet diese 16. Bundesliga-Partie in der Wahrnehmung fast ein wenig zwischen den europäischen Aufgaben. Die Eintracht träumt vom "Sechzehntel"-Finale und auch bei Werder wurde am Donnerstag noch viel über Barcelona gesprochen. Cheftrainer Thomas Schaaf weiß, dass es einen Tag nach der Rückkehr aus Spanien noch zu früh ist, um zur Tagesordnung überzugehen und entwirft folgenden Plan: "Natürlich finden wir heute noch ein paar Worte zu Barcelona, die Mannschaft wird eine Bewertung bekommen. Aber die Enttäuschung, die natürlich da ist, wird sich geben, wenn wir uns auf die Eintracht vorbereiten." Befürchtungen, die klare Niederlage in Camp Nou könne sich auf die Leistungen in der Bundesliga negativ auswirken, teilt Schaaf nicht: "Ich glaube, dass keine Gefahr eines sportlichen Lochs besteht. Die Mannschaft hat in dieser Saison bisher die einzelnen Wettbewerbe gut unterscheiden können."

 

"Jetzt ist das andere Thema wieder da", sagt Schaaf noch und lenkt damit die Aufmerksamkeit auf den kommenden Samstag, wenn Werder in der Commerzbank-Arena antritt. "Wir wollen das Jahr gut abschließen und unsere Position festigen, indem wir gute Spiele machen und Punkte holen. Herbstmeister zu sein ist schön, das würden wir gern mitnehmen", stellt er zu den zwei ausstehenden Spielen im Wettbewerb Bundesliga klar. Jetzt also: Frankfurt! Der Tabellenführer trifft mit der Eintracht auf einen Gegner, der bisher eine bemerkenswert gute Runde spielt. Vor der Saison hatte Trainer Friedhelm Funkel eindeutig das Ziel Klassenerhalt ausgegeben, heute steht Frankfurt auf Platz 8. Dabei hat Funkels Team erst drei Spiele verloren, genau so viele wie Werder. Allerdings trifft der Vizemeister wieder auf eine Mannschaft, die das Unentschieden "schätzt". Achtmal nahm die Eintracht einen Punkt mit aus ihren Spielen, allein sieben Remis gab es zu Saisonbeginn, als die Eintracht acht Spieltage ungeschlagen blieb. Erst Bayern München konnte sie Ende Oktober überzeugen, doch mal auf alle Punkte zu verzichten (0:2).

 

Auch zuletzt gab sich die Mannschaft mit dem Adler hinsichtlich ihrer Leistungen, nun ja – unentschieden. Zwei Pleiten (0:3 zuhause gegen Bielefeld und 3:4 in Bochum) und dem achten Remis gegen Dortmund folgte zuletzt ein spektakulärer 3:2-Sieg in Aachen. In diesem Spiel katapultierte sich der Japaner Naohiro Takahara an die Spitze der internen Torschützenliste, mit drei Treffern traf er so oft wie in allen zehn Spielen davor zusammen. Vorsicht, Werder: Seine sechs Tore schoss Takahara in den vier Spielen, die die Eintracht in dieser Saison gewann! Thomas Schaaf erwartet den Neuzugang aus Hamburg als "einzige richtige Spitze mit Streit, Meier und Thurk dahinter, die wechselweise in die Spitze stoßen". Michael Thurk, der vor der Saison recht kurzentschlossen aus Mainz in die Finanzmetropole wechselte, kehrt nach einem Muskelfaserriss wieder in den Kader zurück. Verzichten muss Friedhelm Funkel dagegen auf den mit fünf Toren zweitbesten Frankfurter Schützen Ioannis Amanatidis, der wegen eines Bänderrisses aus dem letzten Europapokal-Spiel gegen Newcastle fehlt.

 

Thomas Schaaf charakterisiert den Gegner als "sehr geschlossen, sehr laufstark und sehr kompakt" und findet doch noch mal den Bogen zum Europapokal: "Dort erleben sie eine Belastung, die sie nicht gewohnt sind", sagt er. Vorteil für Bremen? Vorteile hatte Werder jedenfalls in den bisherigen Begegnungen mit der Eintracht. Die letzten fünf Punktspiele hat Grün-Weiß gegen Rot-Schwarz gewonnen, letzte Saison gab es ein 4:1 im Weser-Stadion und ein wichtiges 1:0 in Frankfurt. Insgesamt hat Werder 34 von 74 Spielen in der Bundesliga gewonnen, 25 wurden verloren, die Punkte wurden 15 Mal geteilt. Alles andere als unentschieden sind 4.000 Bremer Fans, die sich bereits Karten für das Spiel gesichert haben. Das geräumige WM-Stadion Commerzbank-Arena wird die Gästekassen am Spieltag dennoch öffnen.

 

von Enrico Bach

 

 

Hinweis für Werder-Fans in Frankfurt:

In der Commerzbank-Arena wird das bargeldlose Bezahlsystem pay|clever eingesetzt. Alle Informationen dazu sind auf der Homepage der Arena zu finden: www.commerzbank-arena.de