Mit neuer Konzentration gegen "Störer" aus Bielefeld

So wie hier Miroslav Klose beim 5:2 im vergangenen Jahr möchte Werder auch am Samstag gegen Arminia Bielefeld wieder jubeln.
Profis
Donnerstag, 01.01.1970 // 01:00 Uhr

Stell dir vor, du schlägst Chelsea und kannst es gar nicht richtig genießen. Weil drei Tage später in der Bundesliga schon wieder eine schwere Aufgabe, ja fast ein Spitzenspiel, wartet. Werder Bremen hat am Samstag, 25.11.2006, um 15.30 Uhr den DSC Arminia Bielefeld zu Gast und braucht laut Cheftrainer Thomas Schaaf die "volle Konzentration", um gegen die kecken Ostwestfalen zu bestehen.

 

Die Sache mit dem Spitzenspiel ist übrigens für Arminen-Trainer Thomas von Heesen schon jetzt erledigt: "Das wäre es vielleicht geworden, wenn wir gegen Wolfsburg gewonnen hätten." Am vergangenen Wochenende holte der VfL aber ein 0:0 in der Schüco-Arena, Bielefeld steht demnach auf Rang 6. Doch auch mit dem ist von Heesen offenbar absolut einverstanden: "Diese Position wollen wir festigen." Die Arminia hat sich mit Schwung auf diesen beachtlichen Platz geschoben. In der Bundesliga hat die Mannschaft seit acht Spielen nicht mehr verloren: Neben Wolfsburg konnte sie Hertha BSC, Borussia Dortmund und dem 1. FC Nürnberg je einen Punkt abtrotzen, in Frankfurt und zuhause gegen Aachen, Mainz und Cottbus wurden überzeugend je drei Punkte eingefahren. Nicht zuletzt reiht sich Bielefeld ja auch noch in die Reihe der Bayern-Bezwinger in diesem Jahr ein, mit 2:1 durch Tore von Wichniarek und Kamper triumphierte der DSC am 4. Spieltag.

 

Und Sie jubeln bitte nicht noch einmal: Artur Wichniarek und Jonas Kamper nach dem Siegtor gegen die Bayern.

Apropos Wichniarek, apropos Kamper. Diese beiden hebt Thomas Schaaf in seiner Analyse des kommenden Gegners besonders hervor. "Mit Zuma und Wichniarek haben die Bielefelder zwei sehr bewegliche Typen vorn im Angriff. Und im gut funktionierenden Mittelfeld, in dem viel Erfahrung steckt, spielt ein Kamper, der in der dänischen U 21-Nationalmannschaft schon überragende Auftritte hatte." Nicht nur dort, neben seinem Wucht-Tor gegen die Bayern traf er auch zwei Mal gegen Aachen und bereitete gegen Cottbus gleich alle drei Treffer vor. Artur Wichniareks Bilanz liest sich ähnlich beeindruckend – fünf Saisontore und drei Vorlagen konnte er bereits verbuchen. Doch die Musik spielt auch in Bielefeld nicht nur in der gefährlichen Offensive, die Grundlage für das bisherige Abschneiden legten die Abwehr mit Innenverteidiger Westermann, den Schaaf "auffällig" nennt, und die immense Laufarbeit: "Dank ihr kontern sie stark und kombinieren gut", weiß Thomas Schaaf.

 

"Thomas von Heesen leistet sehr gute Arbeit, Bielefeld steht zu Recht im oberen Tabellendrittel", schiebt er noch respektvoll hinterher. Seine Mannschaft wird schnell und zu hundert Prozent vom Champions-League-Feiertag auf die Bundesliga-Basisarbeit umschalten müssen. Worüber sich der Trainer aber keine Sorgen macht: "Wir haben auf die wechselnden Aufgaben bisher immer sehr gut reagiert, konnten alles richtig verarbeiten, abhaken und uns neu orientieren. Heute werden wir sicher noch an Chelsea denken, aber spätestens ab Freitag sind wir voll auf Bielefeld konzentriert." Vielleicht gelingt es ja sogar, auch am Samstag ein wenig Königsklassen-Feuer zu entfachen: "Alles, was wir gegen Chelsea gezeigt haben, müssen wir in das Bielefeld-Spiel mitnehmen. Ich hoffe, dass so eine Leistung nicht nur an einem Europapokalabend möglich ist". So nutzte denn auch Geschäftsführer Klaus Allofs das Spiel vom Mittwoch, um seine Erwartungen an das am Samstag zu formulieren: "Wir werden auf einen Gegner treffen, der gut drauf ist und mit taktischen Mitteln versuchen wird, unser Spiel zu stören. So wie wir es gegen Chelsea getan haben."

 

Die "Störer" aus Ostwestfalen werden sich allerdings auf neue grün-weiße Varianten einstellen müssen. Denn Werder muss erstmals in dieser Saison auf Diego verzichten, der in Aachen die fünfte gelbe Karte sah. "Er wird uns fehlen, aber da können sich eben andere zeigen", gab sich Thomas Schaaf unbesorgt. Weiter fehlen werden ihm aber auch Frank Baumann, Patrick Owomoyela und Mohamed Zidan. Auf der Gästeseite muss Thomas von Heesen auf Fatmir Vata (Krauzbandriss), Abdelaziz Ahanfouf (nach Wadenbeinbruch) und Ioannis Masmanidis (nach Innenbandverletzung) verzichten. Der Einsatz von Sibusiso Zuma (Gastritis) ist fraglich.

 

Fraglich scheint beim Blick auf die Statistik auch, ob es für die Arminia in Bremen viel zu holen geben wird. In 13 Bundesliga-Duellen im Weser-Stadion ging Bielefeld zwölf Mal als Verlierer vom Platz. Das 13. Duell war ein 2:2 im Januar 2003, vergangene Saison schickte Werder Bielefeld mit 5:2 nach Hause. Es war am 1. Spieltag, Klose und Klasnic trafen doppelt, Baumann einfach und Werder setzte sich mit diesem Sieg an die Tabellenspitze.

 

von Enrico Bach und Michael Rudolph