Werder will positive Heimbilanz gegen die Bayern ausbauen

So geht's: Miroslav Klose hat Großes angekündigt gegen die Bayern. Schon im vergangen Jahr bereitete er ihnen größte Kopfschmerzen, wie hier beim 1:0 nach wenigen Sekunden im Hinspiel. In Bremen wurde der FCB mit 3:0 abgewatscht.
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Donnerstag, 01.01.1970 // 01:00 Uhr

"In Brasilien nennen wir solche Spiele Clássico, einen Klassiker", sagt Diego. Die besonderen Spiele wenn die Großen sich treffen, wenn Meisterschaften auf den Weg gebracht werden. Wie Flamengo gegen Fluminense Rio de Janeiro, wie Boca Junios gegen River Plate Buenos Aires, wie auch Real Madrid gegen den FC Barcelona. Das Duell der Saison. Das Heimspiel der Saison. Die Bayern kommen nach Bremen.

 

"Sie sind Meister und uns damit also ein Stück voraus", sagt Geschäftsführer Klaus Allofs. Mit fünf Punkten Vorsprung sicherte sich der Rekordmeister im Mai seinen 20. Titel – vor Werder Bremen. Fünfmal triumphierten die Bayern allein im neuen Jahrtausend, nur Dortmund und Werder konnten ihnen je eine Meisterschaft streitig machen. Die vergangenen beiden Titel gingen an Trainer Felix Magath, der die Mannschaft seit Juli 2004 betreut. 2005 und 2006 gelang ihm jeweils auch der DFB-Pokal-Sieg, keine andere deutsche Mannschaft hat je zwei Doubles nacheinander errungen.

 

So beeindruckend die Erfolge, so nüchtern aber auch oft die Spielweise. "Wir spielen den schöneren Fußball", findet Klaus Allofs. Werder hat mit seinem attraktiven Stil in dieser Saison bisher die Nase vorn und will den eingeschlagenen Weg auch im Topspiel am Samstag weiter beschreiten. Thomas Schaaf dazu: "Wir wollen alles tun, damit es ein Spiel wird, das der Tabellensituation entspricht. Wir wollen das fortführen, was wir in den letzten Spielen begonnen haben und mutig spielen. Die letzten Erfolge waren natürlich wichtig und dass wir dabei zu Null gespielt haben, hat uns zusätzlich Selbstvertrauen gegeben. Das wollen wir am Wochenende dokumentieren. Wir wollen wieder etwas Gutes anbieten und eine tolle Leistung zeigen."

 

In der Champions League spielen die Münchner in dieser Saison groß auf, zuletzt am Mittwoch in Lissabon.

Wie Werder erlebte auch der FC Bayern keinen optimalen Start in die Saison. Zehn WM-Teilnehmer stiegen verspätet ins Training ein und kämpften mit den Nachwirkungen eines aufreibenden Weltturniers. Resultat war ein sehr verhaltener Beginn mit Erfolgen gegen Dortmund und in Bochum, denen aber nur zwei Siege aus den fünf weiteren Spielen folgten. Der 1. FC Nürnberg klaute einen Punkt aus der Allianz-Arena und Bielefeld und Wolfsburg behielten jeweils alle drei in ihren Stadien – der Meister befindet sich, wie Werder, mit etwas Glück so weit oben in der Bundesligatabelle.

 

Die Mannschaft steht nach dem Abgang von Michael Ballack zum FC Chelsea vor der schwierigen Aufgabe, eine veränderte Teamstruktur in harmonisches und erfolgreiches Zusammenspiel umzusetzen. Auch Routiniers wie Zé Roberto und Bixente Lizarazu fehlen. Dabei hat sie sonst überwiegend das alte Gesicht, nur Daniel van Buyten, Christian Lell und Lukas Podolski kamen vor der Saison neu dazu. Doch einzig der Belgier van Buyten, der vom HSV gekommen war, spielte sich mit Nachdruck in die erste Elf. Erschwerend hinzu kamen Verletzungen der Leistungsträger Valérien Ismael (Schien- und Wadenbeinbruch) und Owen Hargreaves (Wadenbeinbruch). Schließlich ging man in München auf die Suche nach weiterer Verstärkung und wurde fündig beim FC Barcelona. Der Holländer Mark van Bommel soll die Lücke im Mittelfeld schließen und schickt sich mit guten Leistungen und Toren auch dazu an.

 

Dass trotz der Schwierigkeiten immer mit den Bayern zu rechnen ist, unterstreichen ihre starken Vorstellungen in der Champions League. Neun Punkte nach drei Spielen gegen Spartak Moskau, Inter Mailand und Sporting Lissabon sind eindrucksvoll, zumal zwei Auswärtssiege zu Null dabei waren. Der Respekt bei Werder ist groß: "So wie gegen Sofia dürfen wir gegen die Bayern nicht spielen", sagt stellvertretend Miroslav Klose, "wir müssen uns richtig steigern." Auch damit Grün-Weiß seine positive Bilanz gegen "die Roten" ausbauen kann. 18 Spiele im Weser-Stadion konnte Werder in der Bundesliga-Geschichte für sich entscheiden, neunmal gingen die bayrischen Gäste als Sieger vom Platz, 13 Spiele endeten remis. Eine Bilanz, die Selbstvertrauen geben sollte. Aber daran mangelt es in Bremen sowieso niemandem. "Wir müssen an unserem Spiel nichts ändern", sagt Diego. "Wir können sie packen", sagt Torsten Frings. "Zieht den Bayern die Lederhosen aus", sagen die Fans.

 

von Enrico Bach