Mit neuem Selbstvertrauen gegen wiedererstarkten BVB

Szene aus dem Hinspiel: Klasnic (l.) läuft Wörns davon
Profis
Donnerstag, 01.01.1970 // 01:00 Uhr

Endspurt in der Fußball-Bundesliga: Zum Abschluss des drittletzten Spieltages trifft der entthronte Meister Werder Bremen am Sonntag, 08.05.2005, um 17.30 Uhr im Westfalenstadion auf Borussia Dortmund. Nach dem Erfolg über Arminia Bielefeld reisen die Grün-Weißen mit frischem Mut zum BVB. Der blieb in den letzten sechs Partien ungeschlagen und sammelte dabei beachtliche 14 Zähler.

 

Im Bestreben um einen Champions-League-Platz hilft den Bremern nur ein Sieg, darüber sind sich alle einig. Und die gegen Bielefeld gezeigte Leistung vom letzten Wochenende nährt die Hoffnung, dass es für das zweitbeste Auswärtsteam der Liga mit einem "Dreier" im Westfalenstadion klappen könnte. Cheftrainer Thomas Schaaf jedenfalls sieht sein Team rechtzeitig zum Saisonfinale in der richtigen Spur: "Es ist noch nicht wieder alles Gold was glänzt, aber insgesamt sind wir auf einem guten Weg. In Dortmund können und müssen wir uns jetzt aufs neue beweisen."

 

Schaaf: "Freuen uns auf die Kulisse"

 

Dass dieses Vorhaben gegen die Borussia sicher nicht mit der gleichen spielerischen Leichtigkeit wie gegen Arminia Bielefeld umgesetzt werden kann, ist den Verantwortlichen des Ex-Meisters bewusst: "Ich rechne mit einem kämpferischen Spiel. Der BVB befindet sich klar im Aufwind, hat zuletzt an Sicherheit gewonnen und will seinem Publikum etwas bieten", sagt Thomas Schaaf. Apropos Publikum: Über 80.000 Zuschauer im Westfalenstadion werden am Sonntag für eine "Hexenkessel-Atmosphäre" sorgen – kein Grund zur Besorgnis für den Bremer-Coach, im Gegenteil: "Die Kulisse wird uns anspornen. Wir freuen uns darauf und werden auch deshalb hoch motiviert in die Partie gehen."

 

Nach einer eher durchwachsenen Hinrunde zeigt die Leistungskurve der Mannschaft von Trainer Bert van Marwijk seit Beginn des Jahres steil nach oben. Aus 14 Rückrundenspielen konnte der BVB 28 Punkte holen und schielt als Tabellen-Achter noch mit einem Auge auf die internationalen Plätze. "Unser erklärtes Ziel ist nach wie vor die Qualifikation für den UI-Cup", betont Sportmanager Michael Zorc. "Aber auch den Uefa-Cup haben wir noch nicht gänzlich abgeschrieben."

 

Werder muss auf Verletzten-Trio verzichten

 

Die vereinsinterne Unruhe, bedingt durch die wirtschaftlichen Probleme, hat sich in dieser Saison zumindest phasenweise auch auf die Mannschaft negativ ausgewirkt. In Puncto Spielstärke und Durchschlagskraft reichen die Schwarz-Gelben längst noch nicht wieder an alte Zeiten heran. Dennoch gehört der BVB – was die Qualität des Kaders betrifft – immer noch zu den Topmannschaften der Liga. Im Einzelnen sieht das so aus: Durch die Rückkehr des wieder genesenen Christoph Metzelder hat sich die Defensive deutlich stabilisiert, gegen Werder wird zudem der zuletzt angeschlagene Kapitän Christian Wörns wieder mit von der Partie sein. Im Mittelfeld sind der schussstarke Kringe, Regisseur Rosicky und Kopfballspezialist Kehl immer wieder in der Lage, "etwas nach vorne zu bewegen", wie Thomas Schaaf sich ausdrückt. Die Abteilung "Attacke" ist bei den Westfalen, die gegen die Grün-Weißen vermutlich in Bestbesetzung antreten können, mit Smolarek, Ewerthon und Koller ebenfalls überdurchschnittlich besetzt. Und wie soll der Hüne Koller gestoppt werden? "Wir werden schon jemanden finden, der gegen ihn anspringt. Aber es sollte schon einer sein, der nicht unbedingt eine Leiter braucht", so ein gut aufgelegter Thomas Schaaf am Donnerstagmittag.

 

Falls bis Sonntag nicht noch etwas Unvorhergesehenes passiert, wird Werders Kader für das "Big-Point-Spiel" gegen den BVB exakt so aussehen, wie gegen Arminia Bielefeld. Es fehlen also weiterhin die verletzten Baumann (Sprunggelenks-OP), Davala (Syndesmose-Anriss) und Lisztes (Knöchelprobleme). Knapp 6.000 Bremer-Fans werden übrigens im Westfalenstadion dabei sein und sicher wieder stimmgewaltig dagegenhalten.

 

Klaus Bellstedt