Magnin: "Immer Respekt - aber nie Angst vor den Bayern"

Immer totaler Einsatz: Ludovic Magnin bei Einwurf
Profis
Donnerstag, 01.01.1970 // 01:00 Uhr

Teil eins der Münchener Woche wurde von den Werder-Profis nach dem souveränen 3:0-Erfolg gegen die "kleinen Bayern" im Pokal erfolgreich gemeistert. Am kommenden Sonnabend, 05.03.2005, steht der vermeintlich schwierigere zweite Teil auf dem Programm. Im Bundesliga-Spitzenspiel treten die Bremer um 15.30 Uhr im ewigen Klassiker beim Rekordmeister FC Bayern München an.

 

Nein, zu den Lieblingsgegnern der Bayern gehört Werder sicher nicht. Vor allem dann nicht, wenn der Nord-Süd-Gipfel im Olympiastadion stattfindet. Der letzte Sieg des Rekordmeisters gegen den Nordrivalen wurde dort vor knapp fünf Jahren eingefahren. Die Grün-Weißen gewannen in München drei der letzten vier Begegnungen, eine beeindruckende Bilanz. In der Saison 2003/2004 war Werders legendärer 3:1-Erfolg bei den Bayern gleichbedeutend mit dem Gewinn der deutschen Meisterschaft. Diese wird sich am Sonnabend zwar noch nicht entscheiden, dennoch hat die Partie - besonders für das Team von Cheftrainer Thomas Schaaf - einen richtungsweisenden Charakter.

 

Werder wäre mit einem neuerlichen Sieg im Olympiastadion wieder ganz dicht dran an den Bayern und hätte im Titelrennen weiteren Boden auf einen direkten Konkurrenten gutgemacht. Die Spieler des deutschen Meisters sind sich der Bedeutung der anstehenden Aufgabe bewußt: "Es ist unsere letzte Chance. Bei einer Niederlage kann für uns schon alles vorbei sein, es ist ein Finale", sagt Valerien Ismael, der die Reise nach München mit einem festen Vorsatz antritt: "Wir fahren dorthin, um zu gewinnen."

 

Fragezeichen hinter dem Einsatz von Ivan Klasnic

 

Die Generalprobe verlief für die Norddeutschen vielversprechend: Das "Schnee-Spiel" im Pokal-Achtelfinale bei den Bayern-Amateuren wurde souverän und trotz der widrigen Bedingungen mit 3:0 gewonnen. Der von vielen erwartete "Pokal-Fight" blieb den Grün-Weißen, die zu keinem Zeitpunkt an ihre Grenzen gehen mussten, erspart. Aber nicht nur im Pokalwettbewerb sondern auch in der Meisterschaft macht sich der letztjährige Doublegewinner wieder berechtigte Hoffnungen auf eine Titelverteidigung. Fünf Mal in Folge verließ man in der Liga zuletzt den Platz als Sieger. Das nötige Selbstvertrauen in die eigene Stärke, das die Mannschaft in der letzten Saison ausgezeichnet hat, ist längst wieder vorhanden. Eine Beobachtung, die vor dem Duell gegen die Bayern, optimistisch stimmt.

 

Werders entspanntere Personalsituation gibt ebenfalls Anlass zu Optimismus. Mit Kapitän Frank Baumann sowie Abwehrspieler Ludovic Magnin kehren aller Voraussicht nach zwei Spieler in den Kader zurück, die unter der Woche im Pokal aufgrund von Verletzungen noch pausieren mussten. Einzig hinter dem Einsatz von Ivan Klasnic steht noch ein Fragezeichen. "Wir werden bei Ivan das Abschlusstraining am Freitag abwarten müssen. Erst dann entscheiden wir, ob er mit dabei ist", so Thomas Schaaf. Der Stürmer fehlte zuletzt wegen eines Faserrisses in der Wade.

 

Der FC Bayern München präsentiert sich derzeit ebenfalls in bestechender Verfassung. Der Rekordmeister führt die Tabelle gemeinsam mit dem FC Schalke 04 an und hat unter Coach Felix Magath zur alten Stärke zurückgefunden. Im Pokal-Achtelfinale fertigten Ballack und Co am Mittwochabend den SC Freiburg mit 7:0 ab. Ein Ergebnis, das bei Werder niemanden beeindruckt: "Der Ausgang des Spiels überrascht mich nicht, und es gibt dadurch auch keine neuen Erkenntnisse für uns", stellt Trainer Schaaf klar.

 

Schaaf: "Wollen den Bayern wenig Freiräume bieten

 

Bei den Bayern bewährte sich zuletzt der Ex-Bremer Claudio Pizarro als zuverlässiger und treffsicherer Sturmpartner von Roy Makaay. Im Mittelfeld kann Felix Magath auf ein Überangebot an erstklassigen Spielern zurückgreifen. Ballack, Frings, Schweinsteiger, Hargreaves oder der wiedergenesene Deisler, sie alle können Spiele allein entscheiden. Mit dem robusten Innenverteidiger-Duo Kovac/Lucio sowie Abräumer Martin Demichelis verfügt der FCB zudem über einen schlagkräftigen Abwehrverbund. Es scheint, als habe Felix Magath (auch in der Defensive) seine Idealformation gefunden.

 

Thomas Schaaf weiß um die Stärke des kommenden Gegners: "Sie haben gute Ergebnisse erzielt, haben überragende Einzelspieler in ihren Reihen und wollen mit Sicherheit etwas gegen uns gutmachen. Aber davon werden wir uns nicht überraschen lassen. Wir sind gut vorbereitet und wollen unsererseits kompakt auftreten und den Bayern wenig Freiräume bieten." Ludovic Magnin schlägt ähnliche Töne an: "Wir kennen uns schon so lang, fast schon auswendig. Wir haben immer Respekt vor ihnen, aber nie Angst."

 

Vor dem Spiel im Olympiastadion kommt bei den Verantwortlichen der Grün-Weißen unfreiwillig die Erinnerung an den Mai 2004 und Werders letzten Auftritt bei den Bayern wieder hoch. Der Blick für die Gegenwart leidet darunter aber nicht: "Die Vergangenheit ist wunderschön und bleibt immer bestehen. Jetzt wartet aber eine neue Herausforderung auf uns und wir hoffen, wieder einen angenehmen Nachmittag in München verleben zu können", so Thomas Schaaf

 

Klaus Bellstedt